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Angeln, Sporteln, Chillen

Sonnenanbeter kommen hier genauso zu ihrem Recht wie seltene Bodenbrüter. Von
Naturschutz bis Freizeitspaß hat auf fast 15 Kilometern alles Platz. Entlang der Pegnitz ist oft verdammt viel los, was manchmal für hitzige Diskussionen sorgt.

Entlang der Pegnitz 04

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Das Areal zwischen Stadtgrenze und Wöhrder See soll zum Naturschutzgebiet werden.


Der Kurzschwänzige Bläuling hat vor einiger Zeit manch Nürnberger Gemüt erregt. Den Schmetterling, der in Bayern als ausgestorben galt, konnten Naturschützer im Pegnitztal Ost wieder nachweisen. Wie 157 weitere Tierarten, die die Rote Liste Bayern als „stark gefährdet“ oder „vom Aussterben bedroht“ aufführt. Anlass für das städtische Umweltreferat, für Grauspecht und Wendehals, verschiedene Insekten und Fische, aber auch seltene Pflanzen wie die Sandgrasnelke in den Pegnitzauen zwischen östlicher Stadtgrenze und Mögeldorf ein Naturschutzgebiet zu planen.

Manche Anwohner und Freizeitnutzer befürchteten, dass das Gelände damit zum Sperrgebiet wird, dass Spazierengehen mit dem Hund und Picknicken in der Wiese nicht mehr möglich sind. Der Stadtrat hat sich Anfang 2017 mit großer Mehrheit für die Umwandlung in ein Naturschutzgebiet ausgesprochen. Die Rücksichtnahme auf bodenbrütende Vögel, weidende Schafherden, Alteichen und Co. soll für Spaziergänger, Fahrradfahrer und Jogger aber keine allzu großen Einschränkungen mit sich bringen. Umweltreferent Peter Pluschke wünscht sich einen Dreiklang aus Schutz der Natur, Pflege der Landschaft und Erholung: „Wir wollen seltene Pflanzen und Tiere auf Dauer bewahren und den Besuchern den Zugang zu den oft versteckten und unscheinbaren Raritäten in unserer Heimat ermöglichen.“

Die Pegnitz in Zahlen:

Etwa 95 Kilometer nach ihrer Quelle erreicht sie Nürnberger Gebiet und fließt 14,8 Kilometer – von der Grenze zu Schwaig im Osten bis zur Fürther Stadtgrenze im Westen – durch die Stadt. Das Wasser strömt im Durchschnitt mit einer Geschwindigkeit von einem halben bis einem guten Meter pro Sekunde. Die Pegnitz schneidet die Stadt in zwei Hälften, die wiederum
38 Brücken verbinden.


Im künftigen Naturschutzgebiet steht Günter Haspel im Wasser beim Fliegenfischen und wartet geduldig, dass Forellen oder Äschen anbeißen. Er ist einer von rund 500 Anglern, die jährlich an der Pegnitz die Rute auswerfen. Weiter Richtung Innenstadt und bis nach Fürth haben sie es auch auf Karpfen, Hecht und Weißfische abgesehen. „Die Pegnitz ist relativ fischreich, weil die Fischereivereine sie regelmäßig besetzen“, sagt Peter Neuner, Vorsitzender des Fischereivereins Nürnberg e.V., der das Gewässer in Nürnberg vom Freistaat gepachtet hat. Die Angelfreunde kümmern sich auch darum, das Wasser sauber zu halten. Jedes Jahr im Oktober rücken sie zum Tag der Umwelt aus und holen Fahrradleichen, Einkaufswagen und anderen Müll aus der Pegnitz.

Lange Zeit hatte die Pegnitz für die Stadt vor allem eine wirtschaftliche Bedeutung, hielt Getreide-, Schleif- und Papiermühlen am Laufen. „Heute ist das Pegnitztal als Erlebnis- und Bewegungsraum mitten in der Stadt außerordentlich wertvoll“, sagt Umweltreferent Peter Pluschke. „Unter klimatischen Gesichtspunkten trägt es wesentlich zur Belüftung der Innenstadt bei. Wasser und Grünflächen bieten bei sommerlicher Hitze Abkühlung und Erholung.“

Entlang der Pegnitz 12

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An der Norikusbucht können sich Sonnenanbeter künftig auf einer Uferwiese ausbreiten.


Dort, wo das geplante 221 Hektar große Naturschutzgebiet endet, beginnt eines der beliebtesten Naherholungsgebiete der Stadt. Über ein 80 Meter breites Betonwehr ergießt sich das Flusswasser in den Wöhrder See. 1968 bis 1981 legte der Freistaat den zweieinhalb Kilometer langen Stausee als Beitrag zum Hochwasserschutz und als Freizeitareal an. In den nächsten drei Jahren wird das staatliche Wasserwirtschaftsamt einen Teil des Betonklotzes am Seebeginn durch eine flache Rampe ersetzen, die für Fische überwindbar ist. „Heute gestaltet man wieder naturnäher“, erklärt Matthias Moll vom Wasserwirtschaftsamt die Pläne, die Teil des Projekts „Wasserwelt Wöhrder See“ sind.

Der obere See, der an vielen Stellen nicht mal mehr eine Armlänge Tiefe hat, bekommt eine Schönheitskur. Ein flacheres Ufer und eine Reihe angelegter Inseln sollen das Wasser schneller fließen lassen und damit der Verlandung entgegenwirken. Gleichzeitig verbessern sich die Umstände für Pflanzen und Tiere. Dann sollen naturliebende Städter bald Haubentaucher und verschiedene Rohrsängerarten fliegen und schwimmen, Libellen jagen oder Grünfrösche hüpfen sehen können.

Wie man einen in die Jahre gekommenen Stausee wieder attraktiv macht, haben Projektplaner Klaus Winkelmair und sein Team vom staatlichen Wasserwirtschaftsamt bereits am Unteren Wöhrder See bewiesen. 14 Millionen Euro hat der Freistaat seit 2012 hier verbaut: Am Nordufer entstand ein Leitwerk mit aufgesetztem Steg, um den Wasserfluss so zu verändern, dass sich weniger Sedimente bilden. Der Steg ist wie der dort angelegte Sandstrand beliebtes Erholungsareal.

Es folgte ein Bachlauf als Verbindung über den Goldbach mit der Pegnitz. Zuletzt nahmen die Planer das Südufer bei der Norikus-Wohnanlage in Angriff. Ein Leitdamm aus Kalkschotter trennt eine Bucht ab, die einerseits ein bisschen Strandfeeling in die Großstadt bringt und andererseits in einer ausgedehnten Schilffläche Wasservögeln das Brüten ermöglicht. Das Umweltreferat richtet das Augenmerk auf die Bildung
und baut hier eine Informations- und Umweltstation.

Wie sauber ist die Pegnitz?

In den 1970er Jahren war der Fluss eine schmutzige Brühe. Heute ist die Qualität gut, vor allem bei schönem Wetter. Allerdings kann Regen zu einer höheren Keimbelastung führen. Das anfangs stark verschmutzte Regenwasser wird zunächst in einem Stauraumkanal zwischengespeichert, später im Klärwerk gereinigt und erst dann in die Pegnitz eingeleitet. Der unterirdische Sammler verläuft vom Wöhrder See im Osten bis zum Klärwerk im Westen.


Um die Erholungsbedürfnisse der Menschen rund um den See kümmert sich der Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör) der Stadt. An der neuen Bucht entsteht eine große Uferwiese für Sonnenhungrige. Schatten spenden soll neben den bestehenden Bäumen bald ein Stifterhain, in dem die Stiftung „Bäume für Nürnberg“ Auenbäume aus aller Welt pflanzen lassen möchte. Wer es sportlich mag, kann sich künftig in einem Bewegungspark austoben. Eltern, die als Kinder am legendären Wasserspielplatz geplantscht haben, werden sich freuen, dass ihr Nachwuchs bald wieder einen Platz zum Matschen bekommt. „Noch in diesem Jahr schließen wir die Bauarbeiten ab“, sagt Bernd Nitschke, Landschaftsarchitekt bei Sör. „Im Frühsommer 2018, wenn Pflanzen und Rasenflächen angewachsen sind, wird die Parkanlage Norikusbucht eröffnet.“

Die Nürnberger wollten nicht so lange warten, um das Areal in Besitz zu nehmen. Bereits kurz nach der Flutung im Sommer 2016 breiteten sie am Ufer ihre Decken aus. Einige Mutige wagten sogar den Sprung ins kühle Nass. Der 400 Meter lange Damm und ein Pflanzenfilter am Zulauf zeigen Wirkung, das Wasser weist unbedenkliche Werte auf. Allerdings gilt nach wie vor ein Badeverbot. Aber Klaus Winkelmair ist zuversichtlich, dass Schwimmer bald ganz offiziell ihre Bahnen durch die Norikusbucht ziehen können.

Insel Schütt Ufer

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Ein schönes Plätzchen: das Ufer an der Insel Schütt.


Kurz nachdem die Pegnitz die Wöhrder Wiese durchquert und unter der historischen Stadtbefestigung hindurch die Altstadt erreicht hat, umfließt sie in zwei Armen die Insel Schütt. Auch hier kann man sich inzwischen wieder nah am Ufer niederlassen. Eine Terrasse mit Sitzstufen, Bänken und Rasen war der Wunsch vieler Bürger, die sich an den Planungen des Projekts „Nürnberg am Wasser“ beteiligten. Die Stadt hat für das 1800 Quadratmeter große Areal 338 000 Euro ausgegeben, von denen 195 000 Euro aus einem Bund-Länder-Programm stammten. „Das ist ein schönes Plätzchen“, sagt Nicolas Armer. Der Fotograf aus Bamberg, der beruflich in Nürnberg zu tun hat, verbringt hier seine Mittagspause. „Es ist schon etwas anderes, ob man weiter oben vorbeiläuft oder sich hinsetzt und die Füße ins Wasser hängen kann“, sagt er.

Gleich in der Nähe strömt der Fluss wieder weit unterhalb der Fußgänger – eine Folge der Hochwasserkatastrophen, die Nürnberg immer wieder erlebte. Besonders schlimm traf es die Stadt im Februar 1909. Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte ein groß angelegtes Hochwasserschutzprogramm das Erscheinungsbild. In einem vertieften Bett und eingefasst von Sandsteinmauern nimmt der Fluss gezähmt seinen Lauf unter den Altstadtbrücken. Ein Stollen, der von 1950 bis 1962 unter den Häusern am südlichen Ufer entstand, kann bei Starkregen die Wassermassen kanalisieren. „Seitdem hatten wir keine größeren Hochwasserschäden mehr“, sagt Matthias Moll vom Wasserwirtschaftsamt.

Doch auch ein zu niedriger Wasserstand bleibt nicht folgenlos und lässt Holzpfähle, auf denen manche Altstadthäuser stehen, verrotten. „Über 100 Wasserräder, die sich früher entlang der Pegnitz drehten, sorgten mit ihren Stauanlagen für einen weitgehend gleichbleibenden Wasserstand“, erklärt Armin Müller von Sör. Er kümmert sich darum, dass vier große selbststeuernde Wehranlagen zwischen Wöhrder See und Großweidenmühle heute diese Aufgabe übernehmen. Bei Hochwasser geben sie zusätzlich den Abfluss frei.

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Die Pegnitz bei den Grünanlagen Hallerwiese und Kontumazgarten.


Kaum hat der Fluss die Altstadt im Westen verlassen, passiert er zwei beliebte Grünanlagen: rechterhand die Hallerwiese, linkerhand den Kontumazgarten. Letztere, nach einer ehemaligen Quarantänestation benannte Grünfläche bekommt derzeit eine Fußgänger- und Radwegeverbindung unter der Hallertorbrücke hindurch in die Altstadt und ein neues Gesicht. Nach den Plänen der Stadt, die gemeinsam mit Bürgern entstanden sind, soll es wieder freie Blicke aufs Wasser geben. Ein Uferpodest und Sitzstufen werden auch hier die Menschen wieder näher ans Wasser bringen.

Das war auch eine der Aufgaben, die das Wasserwirtschaftsamt schon 2001 weiter westlich in Angriff genommen hat. Auf 3,5 Kilometern darf der einst begradigte Fluss seitdem wieder in natürlichen Schlingen verlaufen. „Wir haben die Pegnitz renaturiert und gleichzeitig den Freizeitwert erhöht“, sagt Klaus Winkelmair. Mit Erfolg: Am Nordufer tummeln sich Spaziergänger, Jogger und spielende Kinder. Radfahrer schätzen die Strecke zwischen Nürnberg und Fürth, die abseits vom Autoverkehr durchs Grüne verläuft. Grillfreunde haben das Areal ebenso in Beschlag genommen wie Musikliebhaber beim legendären Brückenfestival oder beim Afrika-Festival unter der Theodor-Heuss-Brücke.

Wem gehört die Pegnitz?

Wasser von fließenden oberirdischen Gewässern ist wie das Grundwasser in Deutschland Eigentum der Allgemeinheit. Für Ausbau und Unterhalt von Gewässern erster Ordnung ist der Freistaat und damit das Wasserwirtschaftsamt zuständig ist. Das Wasserrecht, etwa bei Baugenehmigungen für Wehre oder Kraftwerke, liegt bei der Kommune. Sie kümmert sich auch um die Grünanlagen entlang des Flusses.


Am Südufer versperren Klärwerk, Kleingartenkolonie und das frühere AEG-Gelände das deutlich tiefer gelegene Ufer. Ein neuer Anziehungspunkt soll dafür an der Adolf-Braun-Straße entstehen. Schon lange haben sich Nürnbergs Surfer eine stehende Welle nach dem Vorbild des Münchener Eisbachs gewünscht. Wenn das Umweltamt grünes Licht gegeben hat, soll sie in einem Kanal, in den Wasser über eine verstellbare Rampe fließt, Surfer, Kanuten und Schaulustige anlocken. Mit 500 000 bis 700 000 Euro Kosten rechnet der 80 Mitglieder starke Verein Dauerwelle e.V., der das nasse Vergnügen verwirklichen will. 250 000 Euro hat das Land bereits zugesagt, den Rest sollen Spender und Sponsoren beisteuern. „Wir wollen nächstes Jahr bauen“, zeigt sich Schatzmeister Roland Amon zuversichtlich.

Während die Surfer noch planen, lassen Freizeitpaddler schon seit einigen Jahren ihre Boote zu Wasser. Neben dem Oberen Wöhrder See ist auch im westlichen Pegnitztal das Paddeln von Mai bis Oktober ausdrücklich erlaubt. „Für uns ist das eine tolle Sache“, sagt Oliver Hülser vom Kanuverein Nürnberg. „Vom Boot aus hat man eine ganz andere Perspektive und erlebt Natur mitten in der Stadt.“ Überhaupt scheinen die Nürnberger Richtung Westen immer bewegter zu werden. Sportplätze säumen den Wiesengrund, bevor die Pegnitz ganz bescheiden und unauffällig unter dem Frankenschnellweg Abschied von Nürnberg nimmt.

Die Pegnitz in Bildern


Online-Extra

Mühlen, Industriegüter, Wasserräder und Wehre – der Mensch hat sich den Fluss nutzbar gemacht. Die so gezähmte Pegnitz rächte sich früher mit zerstörerischen Hochwassern. Heute steht vor allem die Wassergüte im Fokus.

Text: Annamaria Böckel

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