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Besuch ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger

Nürnberg hat eine jahrhundertelange jüdische Tradition. Jüdische Bürgerinnen und Bürger haben die Geschichte und das Erscheinungsbild dieser Stadt wesentlich mitgeprägt. In der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im 20. Jahrhundert, in der Nürnberg von den braunen Machthabern eine besondere Rolle als "Stadt der Reichsparteitage" und als Verkündungsort der menschenverachtenden "Nürnberger Gesetze" zugewiesen wurde, konnten jüdische Bürgerinnen und Bürger zumeist nur durch Flucht in andere Länder ihr Leben retten. Viele überlebende jüdische Bürgerinnen und Bürger kehrten nach dem Ende des Nazi-Regimes nicht mehr nach Deutschland zurück und fanden vor allem in Israel sowie in Nord- und Südamerika eine neue Heimat.

Erste Rückkehr nach Deutschland

Beinahe drei Jahrzehnte lang lud die Stadt Nürnberg jedes Jahr eine Gruppe ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger zu einem Besuch in ihre frühere Heimatstadt ein. Für nicht wenige dieser Menschen war die Teilnahme an dem Besuchsprogramm in Nürnberg zugleich der erste Aufenthalt in Deutschland seit ihrer Vertreibung. Begleitet von Kindern oder Enkeln, waren die Besucherinnen und Besucher oftmals auch mit bedrückenden Erinnerungen an nationalsozialistischen Terror und Verbrechen konfrontiert.

Beim Aufenthalt in Nürnberg sollte den ehemaligen jüdischen Bürger/innen und ihren Nachkommen vor allem die Möglichkeit geboten werden, das Nürnberg ihrer Kindheit und Jugend und frühere Bekannte wiederzusehen sowie familiäre Wurzeln aufzuspüren, aber auch das neue, veränderte Nürnberg und seine Bemühungen, sich der historischen Verantwortung zu stellen und als "Stadt des Friedens und der Menschenrechte" zu profilieren, kennenzulernen. Auf dem Programm standen unter anderem Rundfahrten zu Stätten jüdischen Lebens, Gespräche mit der Israelitischen Kultusgemeinde sowie Begegnungen mit jungen Nürnbergerinnen und Nürnbergern. Die Besuchsprogramme umfassten außerdem Empfänge beim Nürnberger Oberbürgermeister, Besuche des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände, der "Straße der Menschenrechte" und des Schwurgerichtssaals im Justizgebäude, in dem die "Nürnberger Prozesse" nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stattgefunden haben, sowie Ausflüge in die Umgebung Nürnbergs.

Der Holocaust liegt mittlerweile mehr als sechs Jahrzehnte zurück. Jahr für Jahr nahm die Zahl der ehemaligen jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die eine Reise nach Nürnberg noch bewältigen können, ab. Im Jahr 2012 war von den wenigen noch lebenden Nürnberger Juden niemand in der Lage, an diesem Programm teilzunehmen. Aus diesem Grund hat die Stadt Nürnberg beschlossen, den Gruppenbesuch in der bisherigen Form einzustellen. Wenn Einzelpersonen Interesse an einem Besuch in Nürnberg zeigen, unterstützt das Amt für Internationale Beziehungen sie dabei auch weiterhin. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, die zweite und dritte Generation einzuladen.

Lesetipps:

Kohl, Christiane. Der Jude und das Mädchen. Hamburg, 1997: Hofmann und Campe Verlag

Radlmaier, Steffen. Die Joel-Story, Billy Joel und seine deutsch-jüdische Familiengeschichte. München, 2009: Wilhelm Heyne Verlag

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