Kontakt

Nürnberger Entdeckungen und Erfindungen

Nürnbergs Wirtschaft beruhte neben dem europaweiten Handel seiner Großkaufleute auf der reichen Produktion des Nürnberger Handwerks. Charakteristisch für das Nürnberger Handwerk war der hohe Grad seiner Differenzierung und Spezialisierung, die Nürnberg zu einem Zentrum hochwertiger Qualitätsproduktion und technischer Neuerungen und Erfindungen machte ("Nürnberger Witz").

Nürnberger Entdeckungen und Erfindungen


vor 1360

Erfindung des Schockenzugs (halbmechanisches Drahtziehen durch Schaukelstuhl) wohl in Nürnberg.

1363

Handwerksmeisterverzeichnis (=erste deutsche Gewerbestatistik).

1368

Peter Stromer d. Ä. entwickelt die Nadelwaldsaat.

1390

Gründung der ersten deutschen Papiermühle durch Ulman Stromer.

Hadermühle, Ausschnitt aus der Nürnberg-Ansicht in der Schedel'schen Weltchronik von 1493. (StadtAN A 4/VIII Nr. 188)


1405

Das "Kriegsbuch" des Karl Keyser von Eichstätt zeigt erstmals die "Nürnberger Schere", eine zu militärischen Zwecken verwendbare Steigleiter.

1408/15

Erfindung des mechanischen Drahtzugs durch Wasserkraft (vom Rat gefördert).

Grundrisse des Mühlwerks der Sandmühle und der Rotschmiedsdrechsel. (StadtAN A 4/I Nr. 56/1)


um 1475

Berechnung der Ephemeriden durch Johannes Regiomontanus.

1492

Der "Erdapfel", der älteste erhaltene Globus der Welt (und der einzige noch ohne Amerika), wird nach Entwürfen Martin Behaims gefertigt.

Nachzeichnung des Behaim-Globusses mit Asien. Auf einer zweiten Nachzeichnung ist Europa und Afrika dargestellt, Amerika fehlt noch. Kolorierte Federzeichnung auf Papier, um 1853. (StadtAN A 4/V Nr. 135/2)


1505

Technische Handschrift des Martin Löffelholz.

um 1535/45

Wohl in Nürnberg (Danner?) Entwicklung des gezogenen eisernen Büchsenlaufs.

1497

Größe, Füllung und Preis der Nürnberger Bratwurst wird erstmals durch Ratsverordnung festgelegt.

um 1510

Peter Henlein konstruiert eine am Körper tragbare Uhr.

1542

Der Pfarrer, Sonnenuhr- und Kompassmacher Georg Hartmann erkennt die Inklination der Magnetnadel. Er ist auch der Erfinder des Kaliberstabs.

1550

Leonhard Danner konstruiert eine "Brechschraube" zum Brechen von Festungsmauern.

1550 Aug.

Der (Spinn-)Rädleinmacher Hans Lobsinger übergibt dem Rat eine Liste seiner "Künste" (darunter viele Erfindungen) mit 98 Einzelpositionen in zehn Bereichen (1. Drechslerarbeiten, 2. Mühlbau (zum Sägen, Stampfen, Schleifen), 3. Schreinerei und Schachtelmachen, 4. Wasserkünste, Brunnenbau und Gebläse, 5. Press-, Gieß- und Formkünste, 6. Zusammenfügen und Löten von Metallen, 7. Ätzen und Farbmachen, 8. Pulver und Feuerwerk, 9. Chemikalien, 10. Musikinstrumente).

1569

Gründung der ersten deutschen Produktionsstätte für Leonischen Draht durch den vermutlich aus Lyon stammenden Kaufmann Anthoni Fournier (nach einem fehlgeschlagenen Versuch Christoph Scheurls 1504).

1570

Der französische Gelehrte Petrus Ramus berichtet irrtümlich über erste praktische Flugversuche in Nürnberg (wohl Verwechselung mit dem flügelschlagenden mechanischen Reichsadler auf dem Triumphbogen zum Kaisereinzug).

1590

Der Altdorfer Mathematikprofessor Johann Prätorius erfindet den Messtisch.

ca. 1590

Paul Pfinzing erfindet den Schrittzähler für Landvermessung.

um 1612

Der Organist und Komponist Hans Haiden baut ein neuartiges "Geigenklavizymbel".

"Geigenklavyzymbel" des Hans Haiden. (StadtAN E 13/II Nr. G 605, Ausschnitt)


1649/64

Der Zirkelschmied Hans Hautsch konstruiert zwei vorgeblich mechanische (wohl muskelkraftgetriebene) Prunkwagen (1649), einen Fahrstuhl für Gichtkranke (1649), eine Feuerspritze mit durch einen Windkessel kontinuierlichem Wasserstrahl (1650), eine Schlachtdarstellung mit beweglichen Soldaten und Gefechtslärm (1663) sowie ein mechanisches Puppenhaus mit über 100 Einzelbewegungen der Figuren (1664) und erfindet den Streuglanz (Bronzefarbe) aus Metallspänen.

Triumphwagen von 1639 des Zirkelschmids Hans Hautsch. Kupferstich, 1649. (StadtAN A 7/I Nr. 1139)


1664

Die Nürnberger Putz und Ott erhalten kaiserliche Patente für ihre Hinterladergewehre.

1676

In seinem "Collegium experimentale sive curiosum" führt der Altdorfer Professor Johann Christoph Sturm erstmals in Deutschland das Experiment als festen Bestandteil in den Physikunterricht ein.

vor 1686

Der Glasschneider Heinrich Schwanhardt erfindet das Glasätzen.

vor 1689

Konstruktion eines handgetriebenen "Kunstwagens" durch Stephan Farfler in Altdorf.

Kunstwagen des Stephan Farfler. (StadtAN E 13/II Nr. G 605, Ausschnitt)


1690

Professor Johann Christoph Wagenseil in Altdorf erfindet den "Hydraspis" (Wasserski, Schwimmgürtel und Schwimmflossen).

um 1700

Johann Denner erfindet die Klarinette.

1717

Der Altdorfer Medizinprofessor Johann Heinrich Schulze entdeckt die Lichtempfindlichkeit der Silbersalze und wird damit zum Wegbereiter der Fotografie.

1824

Konrad Georg Kuppler baut mit dem "Kettensteg" eine der ersten eisernen Hängebrücken Deutschlands.

1834

Thomas Leykauf, Professor an der Polytechnischen Schule Nürnberg, erfindet das Ultramarinblau.

1835

Erste deutsche Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth.

Die Ludwigseisenbahn auf der Fahrt von Nürnberg nach Fürth. (StadtAN F 2 Nr. 6, S. 175)


um 1840

Wahrscheinlich steht die erste Kakao- und Schokoladenreibemaschine in Nürnberg.

Entwicklung des farbigen Kopierstifts durch die Schwan-Bleistift-Fabrik.

1843

Georg Simon Ohm (Leiter der Polytechnischen Schule) entdeckt das "Ohmsche Gesetz der Akustik". Das wichtigere und bekanntere Ohmsche Gesetz der Elektrizität hatte Ohm bereits früher entdeckt (1827), es erlebte aber erst in seiner Nürnberger Zeit (1833-1849) seinen wissenschaftlichen Durchbruch.

1875

Entwicklung des farbigen Kopierstifts durch die Schwan-Bleistift-Fabrik.

1876

Sigmund Schuckert baut die erste elektrische Straßenbeleuchtung Deutschlands, ebenso die elektrische Bogenlampe; die dynamoelektrische Maschine und den Scheinwerfer.

1877

Mit dem von Justin Wunder entwickelten Ultramarinrot meldet Johann Zeltner das erste deutsche Reichspatent an.

1879

Die Maschinenbau-Actien-Gesellschaft Nürnberg (später: MAN) baut den ersten deutschen Dampftriebwagen für die Odenwaldbahn.

1923

Dr. Carl Soldan bringt mit "Em-eukal" den ersten deutschen Hustenbonbon auf den Markt.

1929

"Tempo"-Papiertaschentuch der Vereinigten Papierwerke.

seit 1949

In Nürnberg findet jährlich eine internationale Erfindermesse (IENA) statt.

1971

Entwicklung des Textmarkierers "Stabilo Boss" durch die Schwan-Bleistift-Fabrik.

1979-1992

Das MP3-Format wird von der Universität Erlangen-Nürnberg und dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen entwickelt.



Weiterführende Literatur

  • Johann Gabriel Doppelmayer: Nachrichten von den Nürnbergischen Mathematicis und Künstlern, Nürnberg 1730.
  • Werner Schultheiß: Nürnbergs Erfinder und Erfindungen in Vergangenheit und Gegenwart, in: Die Stimme Frankens 27 (1961), S. 127-130.
  • Stadtlexikon Nürnberg (u.a. Stichwort „Erfindungen“).
Zurück zum Seitenanfang URL dieser Seite:
<http://www.nuernberg.de/internet/stadtarchiv/stadtgeschichte_entdeckungen_erfindungen.html>