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Bauvorhaben Opernhaus und Ausweichspielstätte

Opernhaus Seitenansicht

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Das Staatstheater Nürnberg ist das größte Mehrspartentheater in Bayern und eines der großen Mehrspartenhäuser in Deutschland. In der Region hat das Haus mit 650 Mitarbeitern die Bedeutung eines mittelständischen Unternehmens. In rund 730 Veranstaltungen pro Spielzeit zählt das Theater rund 300.000 Besuche.

Das Opernhaus wurde in den Jahren 1901 bis 1905 erbaut. Zusammen mit dem Schauspielhaus bildet es eine kulturelle Landmarke mit Strahlkraft weit über Nürnberg hinaus. Das Bauvorhaben soll einen zukunftsfähigen Theaterbetrieb für alle Sparten sicherstellen. Auf städtebaulicher Ebene soll der städtische Raum rund um den Richard-Wagner-Platz als Bindeglied zwischen Alt- und Südstadt aufgewertet werden.


Was ist neu?

Der Stadtrat hat sich am 20. Juli für den Standort der Ausweichspielstätte im nordwestlichen Innenbereich der Kongresshalle ausgesprochen. Dort soll ein Ergänzungsbau mit Zuschauer- und Bühnenraum entstehen, im Bestand der Kongresshalle sollen alle weiteren Funktionsräume untergebracht werden.

Der Stadtrat folgte damit einem Beschlussvorschlag der Opernhaus-Kommission vom 8. Juli. Dieser beinhaltete die Empfehlung, den im Rahmen eines Gutachterverfahrens ermittelten Standortvorschlag für den Ergänzungsbau festzulegen. Die Verwaltung wurde außerdem beauftragt, ein Verfahren zur Vergabe von Planung und Bau des Ergänzungsbaus zeitnah einzuleiten.

Mit dem Stadtratsbeschluss können die weiteren Planungen ab sofort fortgeführt werden. Im Herbst 2025 soll das Staatstheater den Spielbetrieb in der Kongresshalle aufnehmen.


Standort der Ausweichspielstätte

Ausführliche Informationen zu den Standortvorschlägen der Architekturbüros und der anschließenden Empfehlung des Auswahlgremiums finden Sie auf der Seite der Bürgermeisterin Geschäftsbereich Kultur.


Lösungen für Flächendefizite

Ein Trickfilm erläutert die Notwendigkeit einer zusätzlichen Seitenbühne, eines geräumigen Magazins, breiter Zugänge sowie modernisierter Bühnentechnik.


Fakten zum Projekt

Lage

Geplant ist die Revitalisierung des Bestandsgebäudes am Richard-Wagner-Platz. Zu den wichtigsten Zielen gehört es dabei, möglichst viele Betriebsteile zentral an einem Standort zu bündeln. Das Schauspielhaus am südlichen Ende des Richard-Wagner-Platzes wurde erst vor wenigen Jahren aufwändig modernisiert. Sein Betrieb ist auf technische, logistische und personelle Synergien mit dem benachbarten Opernhaus ausgerichtet – eine örtliche Trennung des Schauspiels von den anderen Sparten des Staatstheaters würde zahlreiche Parallelstrukturen erforderlich machen und über Jahrzehnte erhöhte Betriebskosten verursachen. Der Neubau eines Opernhauses wäre also allenfalls am Richard-Wagner-Platz eine Option. Dazu müsste aber das denkmalgeschützte Opernhaus, das mit seiner markanten Silhouette seit 120 Jahren das Stadtbild prägt, abgerissen werden. Diese Option hat der Stadtrat verworfen und im Dezember 2021 beschlossen, das Musiktheater mit seinen Sparten Oper, Ballett und Konzert am Standort Richard-Wagner-Platz langfristig zu erhalten.

Flächen

Für das Bauvorhaben Opernhaus wurde ein Nutzerbedarfsprogramm erarbeitet. Es umfasst eine Betriebsbeschreibung, das Raumprogramm, ein Funktionsschema sowie Ziele und Anforderungen für die akustische Planung. Für fünf Funktionsgruppen beschreibt es einen Nutzungsflächenbedarf von rund 28.000 Quadratmetern. Das sind knapp 10.000 Quadratmeter mehr als heute. Neben der Behebung einer Vielzahl rechtlich relevanter Defizite, die unter anderem den Arbeitsschutz betreffen, dienen die zusätzlichen Flächen auch der Verbesserung vielfältiger betrieblicher Abläufe.

Dazu gehören zum einen Logistik- und Lagerflächen in ausreichender Größe und an den richtigen Stellen. Großformatige Bühnendekoration muss bühnennah angeliefert sowie hausintern sicher transportiert und gelagert werden können. Notwendig sind zum anderen auch ausreichend große, logistisch gut erschlossene und im Gebäude optimal platzierte Lager- und Serviceflächen, etwa für Kantine und Publikumsgastronomie.

Die „Orchestergarderobe“ verteilt sich aktuell über mehrere Durchgangszimmer im fensterlosen Untergeschoss des Gebäudes. Für die Musiker der Staatsphilharmonie sind daher neue Proben- und bühnennahe Aufenthaltsräume geplant. Auch eine adäquate Infrastruktur in sinnvollen Nutzungseinheiten fehlt: Dazu gehören zum Beispiel Duschen in unmittelbarer Nähe zu ausreichend dimensionierten Ballettsälen. Die zu kleinen Ballettsäle sind derzeit auf verschiedenen Stockwerken verteilt. Duschen befinden sich teilweise in anderen Gebäudeteilen und Geschossen.

Mehr als die Hälfte der zusätzlichen Flächen können in benachbarten Gebäuden am Richard-Wagner-Platz verortet werden. Das Zentrallager in der Frankenstraße und die Theaterwerkstätten im Nord-Ost-Park sollen dagegen an ihren derzeitigen externen Standorten verbleiben.

Künftige Nutzung

Aus Gründen des Brandschutzes, der Arbeitssicherheit und der Betriebssicherheit der technischen Anlagen, aber auch wegen erheblicher Mängel an der Bausubstanz muss die Nutzung des Opernhauses spätestens 2025 eingestellt werden. Weitere erhebliche Mängel bestehen hinsichtlich der Barrierefreiheit, der Sichtlinien im Saal, der Akustik und in der Anordnung und Größe der Bühnenflächen, die den Betrieb massiv beeinträchtigen.

Das wahrscheinlich aufwändigste Teilprojekt ist dabei die Schaffung einer Seitenbühne, für die die südliche Außenwand des Bühnenturms großflächig geöffnet werden muss. Denn bis zur Premiere einer Opernproduktion ist eine Vielzahl von künstlerischen und technischen Proben nötig. Damit in einer Vorstellung alles reibungslos klappt, muss über mehrere Wochen unter möglichst realen Bedingungen geprobt werden können. Im Opernhaus gibt es aber nur eine Fläche in den Originaldimensionen der Bühne – das ist die Hauptbühne mit Zuschauerraum. Auf dieser Fläche konkurrieren technische Einrichtungen, zum Beispiel für Licht, Dekoration und Bühnenbild, und künstlerische Proben für neue Produktionen mit dem täglichen Vorstellungsbetrieb. Weil das Opernhaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht für einen raschen Wechsel dreidimensionaler Bühnenszenarien geplant wurde, muss mit großem Aufwand ständig auf-, um- und abgebaut werden. Um die technischen Abläufe zu verbessern und mehr Vorstellungen realisieren zu können, ist eine Seitenbühne in der Größe der Hauptbühne eine der wichtigsten betrieblichen Anforderungen. Zusammen mit einer besser erreichbaren Hinterbühne und optimierten Zwischenlagerflächen wird ein zeitgemäßer Bühnenbetrieb möglich. Diese sogenannte „Revolverbühne“ stellt dabei die vor Ort bestmögliche Lösung dar. Das Optimum einer „Kreuzbühne“ ist zwischen Lessingstraße und Frauentorgraben baulich nicht realisierbar.

Ziel des Bauvorhabens Opernhaus ist auch ein spürbarer Mehrwert für Publikum und Stadtgesellschaft. Dies betrifft zum Beispiel eine intensivierte inhaltliche Öffnung des Theaters hin zur diversen Stadtgesellschaft sowie die barrierefreie Zugänglichkeit. Daneben sind städtebauliche Aspekte von großer Bedeutung: eine bessere Anbindung des Theaters sowohl an die Altstadt als auch an die Südstadt. Auch der Richard-Wagner-Platz soll mehr Aufenthaltsqualität erhalten. Ein Element könnte dabei die Wiederherstellung des natürlichen Geländeverlaufs zwischen Frauentorgraben und Karl-Pschigode-Platz sein, wenn künftig auf die Tiefgarage verzichtet und die Einfahrt zurückgebaut wird.

Träger

Die Stadt Nürnberg ist Träger dieses Projekts.

Kosten

Derzeit werden die Bedarfe ermittelt und beschrieben. Noch ist also gar nicht klar, was überhaupt gebaut und wie genau saniert wird. Aussagen zu Kosten und ihrer Finanzierung wären zu diesem Zeitpunkt daher in hohem Maße spekulativ. Deshalb gibt es noch keine Kostenberechnung, sie ist erst auf Basis einer detaillierten Planung möglich.

Zeitplan

Während das Opernhaus saniert und erweitert wird, kann dort nicht gearbeitet und kein Vorstellungsbetrieb angeboten werden. Für die etwa zehnjährige Bauzeit am Richard-Wagner-Platz sind deshalb sowohl eine Ausweichspielstätte als auch Funktions- und Arbeitsbereiche für mehr als 600 Mitarbeiter andernorts erforderlich. Der Stadtrat hat im Dezember 2021 die Verwaltung damit beauftragt, eine Ausweichspielstätte in und an der Kongresshalle am Dutzendteich zu planen. Diese muss bis 2024 baulich umgesetzt werden, damit das Musiktheater 2025 dorthin umziehen kann. Die Spielzeit 2025/26 könnte dann die erste am Ausweichstandort sein.

Parallel dazu sollen die Bauarbeiten am Richard-Wagner-Platz nach dem Auszug von Oper, Ballett und Staatsphilharmonie in der zweiten Jahreshälfte 2025 beginnen. Der genaue Umfang der Baumaßnahmen und ihre zeitliche Dauer sind noch nicht bekannt. Der genannte Zeitrahmen von etwa zehn Jahren versucht, realistische Szenarien zu zeichnen und Puffer für Unerwartetes bereitzustellen.

Zu den wichtigsten Arbeiten am denkmalgeschützten Opernhaus gehören die bauliche Sicherung des Bestands und seine Modernisierung. Dazu kommt die Behebung des Flächenmangels. Mehr als die Hälfte der fehlenden 10.000 Quadratmeter können voraussichtlich in benachbarten Gebäuden am Richard-Wagner-Platz untergebracht werden. Dringend sanierungsbedürftig ist außerdem die Tiefgarage. Würde man sie aufgeben, könnten die freiwerdenden Flächen ergänzend genutzt werden. Auch der Zwischenbau, der Opern- und Schauspielhaus miteinander verbindet, muss ersetzt werden, da er wirtschaftlich nicht mehr sanierbar ist. Von zentraler Bedeutung sind schließlich Verbesserungen für das Publikum insbesondere im Zuschauerraum, etwa durch die Optimierung der Raumakustik und der Sichtlinien auf die Bühne. Auch die barrierefreie Erschließung des gesamten Gebäudes gehört hier dazu.

Bürgerbeteiligung

Die Sanierung des Opernhauses ist eines der größten Bauprojekte der Nachkriegszeit in Nürnberg. Eine umfassende Beteiligung der Öffentlichkeit ist daher unverzichtbarer Bestandteil des Bauvorhabens. So gab es große Resonanz auf Führungsangebote durch die geplante Ausweichspielstätte im Torso der Kongresshalle sowie auf begleitende Diskussions- und Informationsformate. Die Inhalte aller Beiträge und Reaktionen werden in die weitere Arbeit der öffentlich tagenden Opernhaus-Kommission des Stadtrats einbezogen. Bei öffentlichen Führungen durch das Opernhaus und die Kongresshalle können Interessierte auch weiterhin schon heute einen Eindruck von den anstehenden Aufgaben erhalten.

Vorgeschichte

Das Opernhaus wurde nach Plänen des Berliner Architekten Heinrich Seeling ab 1901 auf einem vormaligen Krankenhaus-Gelände erbaut und im September 1905 feierlich eingeweiht. Während sich das äußere Erscheinungsbild des Opernhauses bis heute nicht wesentlich verändert hat, waren die Innenräume ursprünglich in üppigem Jugendstil gehalten. 1935 beauftragten die Nationalsozialisten den Architekten Paul Schultze-Naumburg mit einer grundlegenden Umgestaltung. In knapp einem halben Jahr veränderte das Innere sein Aussehen fast vollständig – diese Umgestaltung prägt das Bild im Wesentlichen bis heute. Nachdem das Gebäude den Krieg mit geringen Schäden überstanden hatte, nutzte es zunächst die US Army als Veranstaltungsort, bevor es 1951 wieder in städtische Trägerschaft zurückkehrte. Auf den Bau des Schauspielhauses von 1956 bis 1959 folgte in den Jahren 1964 bis 1966 die Errichtung des Verwaltungsbaus, der beide Gebäude miteinander verbindet. 1975 und 1976 entstand die Tiefgarage unter dem Richard-Wagner-Platz, Mitte der 1980er Jahre die U-Bahn mit dem Bahnhof „Opernhaus“ unter dem Frauentorgraben. In den 1990er Jahren erfolgte eine Reihe von Instandsetzungen am und im Opernhaus, die grundsätzliche Sanierungsbedarfe jedoch weitgehend unberücksichtigt ließen.

Die letzten größeren Maßnahmen haben vor bald 30 Jahren stattgefunden: im Wesentlichen eine „Pinselsanierung“ mit frischer Wandfarbe und neuen Bodenbelägen. Hinter den Kulissen und von den Fundamenten bis unters Dach gibt es jedoch eine lange Liste mit teilweise gravierenden Baumängeln, mit Schäden an tragenden Strukturen und teilweise museumsreifer Haus- und Bühnentechnik. Dabei geht es auch um rund 650 festangestellten Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze im historischen und viel zu kleinen Opernhaus oftmals nicht mehr den aktuellen Standards im Arbeitsrecht und beim Arbeitsschutz entsprechen. Der Betrieb wird nur noch mit Blick auf eine anstehende Sanierung geduldet. Wird nicht saniert, ist eine Betriebsschließung in wenigen Jahren unausweichlich. Teile der Tiefgarage sind bereits seit Jahren gesperrt und auch der Verbindungsbau zwischen Opern- und Schauspielhaus hat nach bald 60 Jahren das Ende seines Lebenszyklus‘ erreicht. An einer umfassenden Sanierung führt also kein Weg vorbei.


Bilder zum Projekt


Bildergalerie

Historische Aufnahmen des Opernhauses


Häufig gestellte Fragen

Wie wurde der Sanierungsbedarf ermittelt?

Erste Gutachten, die bauliche und funktionale Mängel am Opernhaus beschreiben und Sanierungsbedarfe benennen, stammen aus dem Jahr 1967. Zuletzt hat ein Gutachten des Ingenieurbüros HHP Süd im Jahr 2012 und des Planungsbüros Gerling + Arendt im Jahr 2014 eine Vielzahl von Mängeln aufgezeigt: Allein im Brandschutz wurden über einhundert zwingend zu realisierende Maßnahmen benannt. Mehr als zwei Drittel dieser Punkte sind inzwischen bearbeitet, das letzte Drittel ist nur durch umfangreiche und großflächige Eingriffe in den baulichen Bestand umsetzbar. Daneben besteht ein massives Flächendefizit. Dieser Flächenmehrbedarf, der auch unter arbeitsschutzrechtlichen Gesichtspunkten eine große Rolle spielt, wurde von mehreren externen und unabhängigen Gutachtern gründlich geprüft und uneingeschränkt bestätigt.

Mit welchen Kosten muss gerechnet werden?

Ähnliche Sanierungsvorhaben in anderen Städten sind im Planungsprozess schon weiter, haben mit der baulichen Umsetzung bereits begonnen oder sind schon abgeschlossen. Die Kosten, die für diese Projekte genannt werden, können aber nicht ohne Weiteres auf das Bauvorhaben Opernhaus in Nürnberg übertragen werden: Die Voraussetzungen sind von Ort zu Ort in vielerlei Hinsicht unterschiedlich und deshalb nur sehr eingeschränkt miteinander vergleichbar. Wir ermitteln derzeit den Bedarf – noch ist also gar nicht klar, was überhaupt gebaut und wie genau saniert wird. Aussagen zu Kosten und ihrer Finanzierung wären zu diesem Zeitpunkt daher in hohem Maße spekulativ. Deshalb gibt es noch keine Kostenberechnung, sie ist erst auf Basis einer detaillierten Planung möglich.

Grundsätzlich kann aber festgehalten werden: Unabhängig von den örtlichen Voraussetzungen und Bedarfen oder vom konkreten Entwurf der Objektplanung bestehen in einem so großen und komplexen Projekt immer Unwägbarkeiten – und damit in vielen Teilbereichen Planungs- und Kostenrisiken. Und: Die Kosten für Arbeit und Baumaterial unterliegen, wie alle anderen Kosten, einer steten Preissteigerung. Das Bauvorhaben Opernhaus erstreckt sich voraussichtlich über etwa zehn Jahre – dementsprechend müssen Kostenannahmen indexiert werden. Klar ist daher: Jedes Jahr, in dem nichts geschieht, macht das Projekt teurer.

Warum baut man kein neues Opernhaus?

Die Idee eines Neubaus böte die Chance, ein modernes Opernhaus zu errichten, das bestmöglich alle Anforderungen eines zeitgemäßen Theaterbetriebs erfüllen könnte. Zu den wichtigsten Zielen des Projekts gehört es aber, möglichst viele Betriebsteile, die unter anderem auch für das Schauspielhaus notwendig sind, zentral an einem Standort, also am Richard-Wagner-Platz, zu bündeln. Das Opernhaus stünde im Falle eines Neubaus noch immer und es wäre weiterhin sanierungsbedürftig – ganz unabhängig davon, wofür es genutzt werden würde. Überzeugende und sinnvolle Vorschläge, wie eine andere Nutzung aussehen könnte, liegen bislang nicht vor.

Könnte man nicht ein neues Konzerthaus als Ausweichspielstätte nutzen?

Auch wenn in beiden Häusern Musik gespielt wird, so stellen ein Opernhaus und ein Konzerthaus vollkommen unterschiedliche Anforderungen an die Architektur, an Flächen und Funktionen eines Gebäudes – und nicht zuletzt an die Akustik im Saal. Selbst eine technisch reduzierte Ausweichspielstätte für Oper und Ballett benötigt Bühnentechnik in einem Bühnenturm, eine Seitenbühne und einen Orchestergraben. Ein Konzerthaus braucht das alles nicht, ganz im Gegenteil: Die baulichen Notwendigkeiten einer Opern- und Ballettnutzung verhindern eine gute Konzertakustik. Weder für die Oper noch für ein Konzerthaus würde ein solches Mischgebäude also eine gute Lösung bieten können. Um- und Rückbaumaßnahmen, die ein brauchbares Operninterim in einen guten Konzertsaal verwandeln, wären daher so aufwändig und kostspielig, dass diese Idee nach sorgfältiger Begutachtung verworfen wurde.

Warum wurde die Kongresshalle als Ausweichspielstätte ausgewählt?

Die Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände ist der unfertige Rohbau einer ursprünglich für 50.000 Besucher geplanten Halle. Als eine der größten baulichen Hinterlassenschaften aus der Zeit des Nationalsozialismus ist sie ein wichtiger Ort der Erinnerungskultur. Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände befindet sich im nördlichen Kopfbau. Der südliche Kopfbau ist seit fast 60 Jahren die Heimat der Nürnberger Symphoniker; neben Büro- und Proberäumen nutzen sie dort einen Konzertsaal und den „Serenadenhof“. Das große Halbrund der Kongresshalle diente fast vier Jahrzehnte als Lager für das Großversandhaus Quelle; seit Jahren steht der Torso nun weitgehend leer. Dennoch ist die Stadt zum Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes verpflichtet: In den nächsten Jahren müssen Dach, Fenster und Fassaden erneuert und saniert werden – unabhängig von jeder Nutzung.

Zu den Schwerpunkten der Nürnberger Kulturhauptstadtbewerbung gehörten daher Überlegungen, die Kongresshalle als Kulturort zu nutzen. Dazu entstand eine Machbarkeitsstudie zu „Ermöglichungsräumen“ für die Künste. Eine Ergänzung dieser Studie hat gezeigt, dass rund 80 Prozent der für die Ausweichspielstätte benötigten Funktionen und Flächen in der Kongresshalle untergebracht werden können. Lediglich für die größten Flächen – also vor allem für Bühnen, Orchestergraben und Zuschauersaal – ist ein temporärer Ergänzungsbau an der Kongresshalle erforderlich.

Der nachhaltige Effekt dieser Ausweichspielstätte liegt darin, dass bauliche Maßnahmen, insbesondere zum Brandschutz, eine dauerhafte Nutzung der Kongresshalle baurechtlich überhaupt erst möglich machen. Dabei ist kein Fertigbauen der unvollendeten Kongresshalle beabsichtigt. Die historische Substanz soll weitgehend unverändert erkennbar bleiben. Angestrebt wird stattdessen ein erschlossener Rohbau.

Für wen wird das Opernhaus saniert?

Ein Jahrhundert-Projekt wie das Bauvorhaben Opernhaus bewahrt das 1905 eröffnete, denkmalgeschützte Gebäude als Spielstätte des größten Mehrspartenhauses in Bayern für die kommenden Generationen. Es bietet eine kulturelle Grundversorgung für die Stadt, die Metropolregion und den gesamten nordbayerischen Raum. Das Staatstheater Nürnberg ist damit auch ein zentraler Standortfaktor für die Attraktivität der Stadt und ihres Umlands. Dabei bieten Oper und Ballett Formate und Bühnen, in denen gesellschaftlich relevante Themen der Gegenwart und Zukunft inhaltlich und künstlerisch behandelt und reflektiert werden. Um der Stadtgesellschaft in ihrer Gesamtheit dazu vielfältige Zugänge bieten zu können, benötigen Oper und Ballett ein dafür geeignetes Gebäude.

Für wen wird Oper und Ballett gemacht?

Oper und Ballett sind universelle Kunstformen, sie verbinden Sprache, Bewegung, Musik, Emotion und Sinnlichkeit zu einem Gesamterlebnis. Sie erzählen von uns, ihr Repertoire stellt Menschen vor – zumeist in ganz besonderen Situationen. Oper und Ballett arbeiten dabei mit zentralen Elementen menschlicher Kultur: der Erinnerung an Vergangenes, der Reflexion der Gegenwart und den Entwürfen für die Zukunft.

In jeder Spielzeit zählt das Staatstheater mit Oper, Ballett, Schauspiel und Konzert rund 300.000 Besuche. Ungefähr 56.000 Besuche sind Teil einer deutschlandweit einmaligen „Schulplatzmiete“, die seit 70 Jahren junge Menschen mit allen vier Sparten in Kontakt bringt. Die regulären Kartenpreise beginnen bei unter zehn Euro, Kulturticket und Kulturrucksack ermöglichen darüber hinaus einen kostenfreien Zugang, so dass möglichst niemand aus finanziellen Gründen ausgeschlossen wird. Im Kartenpreis bereits inbegriffen ist die Möglichkeit der kostenfreien Hin- und Rückfahrt im Gesamtgebiet des VGN.

Das Staatstheater lädt zu vielfältigen Musiktheater-Vorstellungen ein: vom Kinderkonzert über Kammerkonzerte und Symphoniekonzerte, über Programme zum Mitmachen bis hin zu experimentellen Formaten an neuen Orten – nicht zu vergessen die große Oper im historischen Zuschauerraum. Auch die Ballett-Compagnie präsentiert ein breites Repertoire mit internationalen Gästen und modernen Tanz-Sprachen.

Gibt es vergleichbare Projekte?

Für eine ganze Reihe von Opernhäusern und Theatergebäuden in der Bundesrepublik und im Ausland stehen ähnliche Projekte an. Allein in Bayern laufen aktuell Sanierungen an den Theatern in Augsburg, Coburg und Würzburg. Abgeschlossen wurde vor einigen Jahren die Sanierung des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München. Weitere Sanierungsvorhaben sind geplant oder laufen unter anderem in Frankfurt, Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim und Köln. Der schwierige Verlauf des Kölner Projekts zeigt die Komplexität großer Sanierungen. Beispiel einer weitgehend erfolgreichen und mit Nürnberg teilweise durchaus vergleichbaren Opernhaussanierung ist die Modernisierung der Staatsoper Unter den Linden in Berlin.

Wer entscheidet wie über die Sanierung des Opernhauses?

Das Opernhaus am Richard-Wagner-Platz ist im Eigentum der Stadt Nürnberg; die Verantwortung für das Gebäude liegt also letztlich bei der Stadt. Alleinige Nutzerin des Hauses ist die Stiftung Staatstheater Nürnberg, die je zur Hälfte von der Stadt und vom Freistaat getragen wird – schon aus diesem Grund sind eng zwischen Stadt und Freistaat abgestimmte Beschlüsse unverzichtbar.

Bereits vor einigen Jahren hat die Stadt für ihre Kulturgroßbauprojekte eine spezielle Struktur geschaffen, in der Mitarbeiter aus dem Planungs- und Baureferat, dem Finanzreferat und der Kulturverwaltung gemeinsam mit dem Stiftungsvorstand und der Technischen Direktion des Staatstheaters Entscheidungsgrundlagen und Empfehlungen für die öffentliche und politische Diskussion erarbeiten. Parallel dazu hat der Stadtrat eine Kommission eingesetzt, der neben Räten aller im Stadtrat vertretenen Parteien und Bündnisse auch Fachleute und Stakeholder als beratende Mitglieder angehören – von der Personalvertretung im Staatstheater über die Nachbarn am Richard-Wagner-Platz bis zu Vertretern des Umwelt- und Naturschutzes. In den Sitzungen der Kommission werden alle für das Bauvorhaben wichtigen Themen in öffentlicher Sitzung besprochen; alle Sitzungsunterlagen sind öffentlich zugänglich. Die Kommission formuliert als Ergebnis ihrer Beratungen Empfehlungen an den Stadtrat. Das Ratsplenum seinerseits greift die Empfehlungen auf und fasst darüber Beschluss. Dies ist die klassische Arbeitsweise einer repräsentativen Demokratie.

Sollte man das Geld nicht besser anderweitig verwenden?

Kommunen, Länder und der Bund haben eine Vielzahl wichtiger Aufgaben. Nicht alle können sofort erledigt und umgesetzt werden – die Entscheidung für die Realisierung einzelner Projekte ist in den meisten Fällen das Ergebnis langer Vorläufe, sorgfältiger Abwägungen im Sinne und zum Wohle der Allgemeinheit.

Bayern ist ein Kulturstaat, der dem Gemeinwohl dient, die kulturelle Überlieferung schützt und gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Bayern fördert und sichert (Artikel 3 der Bayerischen Verfassung). Zur Daseinsvorsorge, zu der Artikel 83 der Bayerischen Verfassung die kommunale Ebene verpflichtet, gehört daher auch die Kulturpflege. Insoweit umfasst der Auftrag zur Daseinsvorsorge auch Investitionen in den Kulturbereich.

Der schlechte bauliche Zustand des Opernhauses heute ist auch das Ergebnis von Entscheidungen während vieler Jahre und Jahrzehnte, andere Vorhaben und Projekte zu priorisieren. Die Fragestellung „Was könnte man mit diesem Geld nicht alles machen?“ ist für das Bauvorhaben Opernhaus daher nicht zielführend: Immer und überall gibt es vermeintlich dringlichere Bedarfe, aber nie ist der geeignete Zeitpunkt für eine große Investition im Kulturbereich gekommen. Das Opernhaus hat das Ende seines Lebenszyklus‘ erreicht, an der Notwendigkeit einer baulichen Sanierung besteht kein Zweifel. Wird jetzt nicht saniert, ist eine Schließung spätestens 2025 unausweichlich und Bayerns größtes Mehrspartentheater mit seinen über 650 Mitarbeitern stünde buchstäblich auf der Straße


Blick hinter die Kulissen

Drei Azubis der Veranstaltungstechnik am Staatstheater Nürnberg führen Sie auf einem exklusiven Rundgang hinter die Kulissen des Opernhauses.


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Aktualisiert am 24.08.2022, 12:14 Uhr

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