Jörg Obergfell
Die Arbeit Symposium Urbanum steht in einer Reihe von Jörg Obergfells Arbeiten (Obergfell vs. Rückriem, 2003, Kong Serie, 2008-2018, Fountain, 2013), die sich mit Skulpturen im öffentlichen Raum auseinandersetzen. Dabei beschäftigten ihn Fragen wie: welchen Beitrag leisten diese oft abfällig als drop sculptures bezeichneten Objekte zur Nutzungsvielfalt des urbanen Raumes. Wie ist das Verhältnis zwischen Individuum, Form und Inhalt der künstlerischen, städtischen Ausstattung? Wie verändert sich ihre Wahrnehmung im Laufe der Zeit, dienen sie als Wegmarken, Treffpunkte, etc., werden sie durch Aktionen und eine veränderte Umgebung neu belegt, belebt und angeeignet?
Für Symposium Urbanum wurden Skulpturen im Stadtraum Nürnbergs stark verkleinert nachmodelliert wobei der Maßstab nicht einheitlich ist, sondern vielmehr der subjektiven Vorstellung folgt und in Hinblick auf das Gesamtbild der Installation gewählt wurde.
Der Titel Symposium Urbanum bezieht sich auf die gleichnamige Ausstellung von Skulpturen im öffentlichen Raum in Nürnberg und Erlangen im Jahr 1971 im Zuge dessen ein Großteil der nachmodellierten Skulpturen in der Stadt platziert wurden. Gleichfalls beschreibt er die konkrete Versammlung der Miniaturen, die einen Überblick über die Vielfalt der Skulpturen im öffentlichen Raum Nürnbergs ermöglicht und eine Art urbane Miniaturlandschaft oder ein Spielfeld mit unterschiedlichen Akteuren generiert.
Die Plastiken aus ungebranntem Ton sind skizzenhaft ausgeführt. Der verwendete Modellierton wird normalerweise zur Erstellung von Positivformen für Abgüsse genutzt und mehrfach wiederverwertet. Die graue Farbe eignet sich hervorragend um die feinen Details hervortreten zu lassen und um Neutralität und eine gesteigerte Vergleichbarkeit zu erzielen. Das billige Material, die Fragilität, die schnelle, spielerische Ausführung, sowie der kleine Maßstab erzeugen eine Form der Unmonumentalität die bewusst und nicht ohne Humor mit den repräsentierten Skulpturen kontrastiert. Es entsteht eine Wechselbeziehung, bei der die Kleinen vom Status der Großen profitieren und im Gegenzug eine Neu-Entdeckung der, trotz ihrer Monumentalität, oft übersehenen Kunst im öffentlichen Raum ermöglichen.
Weiterhin folgt die Arbeit der Logik des Modells, in der komplexe oder nicht sichtbare Strukturen in eine, mit einem Blick erfassbare Form gebracht werden. Die Gesamtheit der Skulpturen im öffentlichen Raum wird begreifbar, vergleichbar und als typologischer Formenschatz nutzbar.
Das Kunstwerk wurde in der Ausstellung „Art Attacks - 50 Jahre Kunst im öffentlichen Raum Nürnberg“ vom 09.07.2021 bis 07.11.2021 im Neuen Museum Nürnberg gezeigt und 2020 von der Stadt Nürnberg angekauft.
Beispielhaft werden drei Skulpturen aus der Serie auf dieser Website präsentiert.