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Eugénie Musayidire

Gründerin des Vereins „Hoffnung in Ruanda" und des ruandischen Jugendbegegnungs- und Therapiezentrums IZERE. Sie setzt sich in beispielhafter Weise für die Aussöhnung zwischen den verfeindeten Volksgruppen in Ruanda ein.

Eugénie Musayidire (geb. 25.12.1952) floh 1973 aus Ruanda, nachdem ihr Name auf einer Liste mit Tutsis auftauchte, die verhaftet werden sollten. Sie flüchtete zuerst nach Burundi, wo sie an der Universität URUMULI Wirtschafts- und Sozialwissenschaften studierte. Vier Jahre später stellte sie einen Antrag auf politisches Asyl in Deutschland, das sie auch erhielt. Von 1977 bis 1985 absolvierte sie in Deutschland eine Ausbildung als technisch-pharmazeutische Assistentin. Sie gründete eine Familie und war in Siegburg im Referat Migrations- und Ausländerarbeit des dortigen Evangelischen Kirchenkreises tätig. Im Mai 1994 musste sie erfahren, dass ihre Mutter von einem Nachbarn aus ihrem Dorf erschlagen worden war. Auch ihr Bruder, seine Frau und seine vier Kinder sowie weitere 22 Verwandte fielen Mordtaten zum Opfer. Eugénie Musayidire hatte als Kind mit dem Mörder ihrer Mutter gespielt. Nur mit psychotherapeutischer Hilfe gelang es ihr, das Massaker an ihrer Familie und ihre Schuldgefühle zu verarbeiten. Bewegendes Zeugnis dieses schwierigen Prozesses ist ihr 1999 erschienenes Buch „Mein Stein spricht", in dem sie der Frage nachgeht, wie der Nachbar, mit dem ihre Familie schon so lange freundschaftlich verbunden war, zum Mörder werden konnte.

Um eine Antwort auf die quälenden Fragen zu finden, reiste sie Anfang 2001 nach Ruanda. Über die Begegnung mit dem Mörder ihrer Mutter und die Rückkehr in ihr Heimatdorf ist eine beeindruckende Fernsehdokumentation entstanden, die im Jahr 2003 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.

Die Erfahrungen, die sich für Eugénie Musayidire mit ihrem eigenen Schmerz, ihrer Verzweiflung und ihrem Zorn verbanden, hatten sie in dieser Zeit immer deutlicher erkennen lassen, wie wichtig aktive Versöhnungsarbeit ist. Vielen - vor allem jungen - Menschen, denen sie unter den beiden verfeindeten Volksgruppen der Tutsi und Hutu begegnete, litten jahrelang unter den Folgen des Genozids.
Um diesen Menschen zu helfen, gründete sie im Juni 2001 den Verein „Hoffnung in Ruanda". Ziel dieses Vereins war es, in Ruanda Orte der Begegnung aufzubauen. Durch gezielte Hilfestellung und therapeutische Angebote sollten die Betroffenen in die Lage versetzt werden, über ihre persönlichen Erinnerungen an den Völkermord zu sprechen. Gleichzeitig fanden öffentliche Veranstaltungen zur intensiven Beschäftigung mit den Ursachen und Folgen des Genozids statt. Eine zentrale Rolle spielte für sie dabei die Auseinandersetzung mit dem Holocaust in Deutschland, auch wenn es Jahrzehnte bedurfte, die Menschheitsverbrechen an Juden sowie Sinti und Roma aufzuarbeiten. Mit Unterstützung des Evangelischen Entwicklungsdienstes kehrte sie im Januar 2003 zum Aufbau des Projekts nach Ruanda zurück und errichtete in Nyanza das Jugendbegegnungs- und Therapiezentrum „IZERE".

Das Jugendbegegnungs- und Therapiezentrum „IZERE"

IZERE betreute Kinder und Jugendliche, die unter den Folgen des Völkermords litten, weil sie entweder selbst verletzt wurden oder mit ansehen mussten, wie ihre Eltern und Verwandten umgebracht wurden oder weil sie erleben mussten, wie ihre Eltern zu Mördern wurden. Während der Ferien beherbergte das Zentrum im Durchschnitt 22 Waisenkinder, von denen die Mehrheit keine Gastfamilie hatte. Es betreute auch Kinder und Jugendliche, die nicht mehr zu ihren Familien zurückkehren wollten, weil sie erfahren hatten, dass ihre Eltern und Verwandten in den Genozid verwickelt waren.

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