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KUF: Einsatz für Menschenrechte

Menschenrechte Banner auf Gebäude des Kulturladens Südpunkt

Dr. Puschner Foto von Roland Fengler

Seit es das Amt für Kultur und Freizeit (KUF) gibt, setzt es sich für das Thema „Menschenrechte“ ein. Diese einzuhalten, dafür zu sensibilisieren und darüber zu informieren erscheint uns selbstverständlich und ist gleichzeitig wichtiger denn je. Darum haben wir an dieser Stelle gesammelt und eine Art Bestandsaufnahme gemacht. Und dabei ist es manchmal ganz hilfreich, einen Blick von außen auf die Arbeit zu machen. Wir haben Dr. Marco Puschner, Redakteur bei der Nürnberger Zeitung, gebeten das Engagement des KUF aufzuzeigen.

Nürnberg ist Stadt des Friedens und der Menschenrechte

Am 10. Dezember 2018 jährte sich die Verabschiedung der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ zum 70. Mal. Für das städtische Amt für Kultur und Freizeit (KUF) ein wichtiges Datum, hat sich das KUF doch in seinem Leitbild verpflichtet, bei diesem Themenfeld „besondere Akzente“ setzen zu wollen.

„In der Stadt des Friedens und der Menschenrechte ist der Einsatz für die Menschenrechte etwas, das alle städtischen Dienststellen betrifft“, sagt Jürgen Markwirth, Leiter des KUF. „Aber ausgehend vom Begriff der Soziokultur, wie ihn der langjährige Kulturreferent Hermann Glaser geprägt hat, ist für uns Kulturpolitik auch Gesellschaftspolitik.“

Friedenstafel

Alle zwei Jahre setzen regelmäßig rund 5.000 Bürgerinnen und Bürger bei der Friedenstafel ein Zeichen für Menschenrechte


Einen dieser „besonderen Akzente“, von denen im Leitbild die Rede ist, setzt das KUF alle zwei Jahre im Herbst mit der „Nürnberger Friedenstafel“, die 1999 ihre erste Auflage erlebte. Damals saßen die Bürger am Tag der Verleihung des Internationalen Menschenrechtspreises mit ihren mitgebrachten Speisen und Getränken quer durch die Altstadt an Tischen und feierten. „Unsere Überlegung war, was können wir als Kulturamt dazu beitragen, dass sich die Menschenrechtspreisverleihung nicht nur im Opernhaus abspielt, sondern dass man die Menschen mitnehmen und einbeziehen kann“, erinnert sich Markwirth.

Seit 2003 findet das Fest, welches das KUF in Kooperation mit dem städtischen Menschenrechtsbüro organisiert, auf dem Kornmarkt statt. Durch die Nähe zur „Straße der Menschenrechte“ biete sich dieser Standort an, sagt Markwirth, der sich 2019 auf die zehnte Friedenstafel freut – noch ein Jubiläum. Der Amtsleiter könnte sich durchaus vorstellen, dass sich die Friedenstafel einmal „sternförmig in die Stadtteile“ ausbreitet. Derzeit jedoch spielt sie sich erst einmal weiterhin im Stadtzentrum ab.

Bäume für die Menschenrechte

Die Aktion „Bäume für die Menschenrechte“ sorgt indes dafür, dass das Thema Menschenrechte beinahe im ganzen Stadtgebiet präsent bleibt. Zwischen 2007 und 2018 pflanzten Parteien, Schulen, Vereine, Einrichtungen oder Privatpersonen 80 Ginkgo-Bäume an verschiedensten Standorten in der Stadt. Neben jedem Baum steht ein Granitfindling, auf dem jeweils ein Menschenrecht verewigt ist. „Der Ginkgo-Baum ist ein sehr robuster, hartnäckiger Baum“, sagt Thomas Müller, der im KUF die Aktion betreut. Somit stehe er symbolisch für die Widerstandsfähigkeit, die für die Verteidigung und Durchsetzung der Menschenrechte notwendig sei.

Bäume für Menschenrechte - Villa Leon

Weil sich jede Pflanzinitiative ihr Menschenrecht aussuchen konnte, haben Müller zufolge nicht alle 30 Artikel ihren Baum bekommen, andere dafür werden gleich an verschiedenen Standorten zitiert. Besonders häufig ist Artikel 1 vertreten: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Aber auch die Artikel 22 („Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit“) oder 26 („Jeder hat das Recht auf Bildung“) erfreuen sich großer Beliebtheit.

Die Idee mit den Bäumen ging von Lienhard Barz und Helga Riedl aus - beide damals beim Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne, das ebenfalls zum KUF gehört. Genauso wie die Kulturläden, die ebenfalls fleißig Bäume mit unterschiedlichen Artikeln pflanzten. Bei einer anderen Aktion nahmen alle elf Kulturzentren jedoch einen der 30 Menschenrechtsartikel in den Fokus, nämlich Artikel 14: „Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.“ Seit Oktober 2018 hängen große, unübersehbare Transparente mit diesem Menschenrecht an den Einrichtungen. Damit würdigten die Kulturläden ein weiteres Jubiläum, nämlich das 25-jährige Bestehen der „Straße der Menschenrechte“. Zugleich aber wollte man in Zeiten des ansteigenden Rechtspopulismus und der Verrohung des politischen Diskurses ein Signal setzen, sagt Peter Hautmann, stellvertretender KUF-Chef und Leiter der Abteilung Kulturläden im Amt.

Kulturwerkstatt Auf AEG mit Banner für Menschenrechte

An den Fassaden der Kulturläden setzen die Banner deutliche Zeichen (Kulturwerkstatt Auf AEG).


In den Programmen der Kulturläden spielen die Menschenrechte aber auch über die Banneraktion und das Pflanzen von Ginkgo-Bäumen hinaus eine wichtige Rolle. Hautmann verweist ähnlich wie Markwirth auf den Begriff der Soziokultur: „Wir wollen eine Kultur von allen und für alle.“ Dieser Teilhabegedanke, in den Menschenrechtsartikeln über Artikel 27 („Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen“) verbürgt, liefert das ideelle Fundament für vielfältige Aktivitäten der Kulturläden: Der Kulturladen Ziegelstein veranstaltet regelmäßig das Café O.K., wo sich Geflüchtete und Ziegelsteiner kennenlernen können, das Kulturbüro Muggenhof wiederum hat einen Hochbetagtenstammtisch etabliert, im südpunkt treffen sich die Teilnehmerinnen eines Internationalen Frauencafés.

Menschenrechte Banner am Südpunkt

An den Fassaden der Kulturläden setzen die Banner deutliche Zeichen (südpunkt).


Neben regelmäßigen Angeboten, etwa dem Menschenrechtsumzug, der jährlich von den Ziegelsteinern im Sommer veranstaltet wird, gibt es auch viele zeitlich befristete Projekte: So hat sich die Villa Leon in einer Veranstaltungsreihe mit der Terrorgruppe NSU beschäftigt, und der Kulturladen Zeltnerschloss präsentierte Gleißhammer in einer Fotoausstellung als „Stadtteil für Menschenrechte“. Der Kulturladen Röthenbach wiederum plant gemeinsam mit der Helene-von-Forster-Grundschule für den Mai 2019 ein Projekt namens „Blumen für Helene“. Dieses soll den Artikel 7, in dem es um Gleichheit vor dem Gesetz geht, ins Zentrum stellen und sich auf die Spuren der Frauenrechtlerin begeben.

Die Zusammenarbeit mit Schulen nimmt auch zum Beispiel in der Menschenrechtsarbeit des Loni-Übler-Hauses und des Vischers Kulturladen großen Raum ein. Der Vischers Kulturladen hat unter dem Titel „Rassismus geht uns alle an“ mit verschiedenen Kooperationspartnern ein Projekt zum Artikel 2, der Diskriminierung verbietet, konzipiert.

Drei wichtige Säulen für die Arbeit

Neben der Soziokultur, die die Kulturläden verkörpern, bilden die Kinderkultur und die Interkultur die beiden weiteren Säulen im KUF. Das Interkulturbüro unterstützt rund 90 Vereine in der Stadt – unter anderem auch in ihrer Arbeit gegen Diskriminierung und Rassismus. „Menschenrechte sind in den Veranstaltungen immer ein Thema, entweder in anderen Ländern oder in Deutschland und Nürnberg“, sagt Gülay Aybar-Emonds, Leiterin des Interkulturbüros.

Kinderkultur - Bunte Zeichnungen

„Kindermund tut Wahrheit kund“ lautet ein Sprichwort. Es ist spannend und lehrreich, wie Kinder sich ihre Zukunft vorstellen.


Kiki Schmidt, für die Kinderkultur im KUF zuständig, berichtet ebenso wie Markwirth von Plänen, eine „Friedenstafel für Kinder“ einzuführen – wobei die beiden betonen, dass man natürlich nicht die Kinder dazu verdonnern wolle, einen ganzen Nachmittag an Tischen zu sitzen. Man müsste gleichsam eine spielerische Variante der Veranstaltung finden. Zudem entsteht für die Kulturhauptstadtbewerbung auch ein Bewerbungsbuch der Kinder, in dem es zum Beispiel darum geht, in welcher Welt die Erwachsenen von morgen leben wollen.

Kinderkultur - Tisch mit Zeichnungen

„Menschlichkeit als Maß“ ist eines der Themen der Nürnberger Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025. Insofern wird es im KUF auch künftig um die Menschenrechte gehen. Und mitunter auch aus durchaus überraschenden Perspektiven: So hat zum Beispiel die ebenfalls im Amt angesiedelte und mit bundesweitem Anspruch agierende Deutsche Akademie für Fußball-Kultur das Thema in verschiedenen Formaten (etwa Ausstellungen oder Diskussionen) immer wieder aufgegriffen, 2016 veranstaltete sie anlässlich der Weltmeisterschaften in Russland und Katar sogar einen zweitägigen Kongress zum Thema „Fußball und Menschenrechte“.

„Wenn wir alle unsere Angebote ankreuzen würden“, sagt Amtschef Markwirth, „die irgendwie mit den Menschenrechten zu tun haben, kämen ganz schön viele Kreuze zusammen.“

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