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Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und Landesgeschichte 65

Claudia Thoben: Prostitution in Nürnberg. Wahrnehmung und Maßregelung zwischen 1871 und 1945

Titelseite NW 65

Herausgegeben von Werner K. Blessing,
Michael Diefenbacher und Rudolf Endres
Nürnberg 2007
744 S., 35 Abb.

Verkaufspreis: 39 Euro

Die Publikation greift ein oftmals tabuisiertes, gerne auch sensationslüstern betrachtetes Thema auf: die Prostitution. Claudia Thoben begreift die Prostitution weder als kulturhistorisches Phänomen noch als "ältestes Gewerbe". Sie betrachtet Prostitution nicht als ahistorische Konstante, sondern als eine Definitionsangelegenheit; die Art und Weise, wie sie von der Allgemeinheit wahrgenommen wurde und wird sowie ihr Erscheinungsbild unterliegen dem historischen Wandel. Die vorliegende Publikation geht daher der Frage nach, wo und wie die Grenzen zwischen akzeptiertem und abweichendem Sexualverhalten bei Frauen von der Gesellschaft gezogen werden. Dabei wird aufgezeigt, welche Kontrollmechanismen und Disziplinierungsmaßnehmen eingesetzt wurden und wie diese wiederum auf die Gesellschaft und das jeweilige politische System verweisen. Für Thoben steht die Stigmatisierung und Verfolgung von Prostituierten somit in Zusammenhang mit der Ausgrenzung von Frauen ganz allgemeion.

Den zeitlichen Rahmen der Arbeit setzten zwei einschneidende historische Ereignisse: der Beginn des deutschen Kaiserreiches im Jahre 1871 und das Ende des Zweiten Weltkrieges. Damit folgt die Regionalstudie den Jahren der Industrialisierung und Urbanisierung, in denen Nürnberg zur nordbayerischen Metropole aufstieg, über die Zeit der Weimarer Republik und den Nationalsozialismus bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Durch diese Zeitschiene ist es der Autorin möglich, nicht nur verschiedene Epochen zu beurteilen. Da diese zugleich für unterschiedliche politische Systeme stehen, kann dargelegt werden, wie reichs- und landesbezogene Bestimmungen auf kommunaler Ebene umgesetzt wurden. Hierzu hat die Autorin den umfangreichen Bestand an Einzelfallakten aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert und verschiedene Quellen aus der Provenienz der städtischen Verwaltung und lokaler Vereine, die sich im Stadtarchiv Nürnberg befinden, ausgewertet.

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