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Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und Landesgeschichte 75

Julia Halbleib: Eruditio und pietas. Die Lebensbilder des Nürnberger Propstes Anton Kress (1478–1513)

Herausgegeben von Michael Diefenbacher in Verbindung mit Werner K. Blessing, Franz Fuchs und Georg Seiderer
Nürnberg 2017
X, 452 S. mit 8 Abb.

Verkaufspreis: 36 Euro

Anton II. Kress stammte aus einer wohlhabenden Nürnberger Patrizierfamilie und war der zweitgeborene Sohn des gleichnamigen Ratsherrn Anton I. Kress und seiner Ehefrau Katharina, geborene Löffelholz. Er absolvierte in Pavia das Studium der Rechte, wurde 1503 in Siena promoviert und lernte in Italien die Werke antiker Autoren kennen. Anton Kress erhielt noch in Italien die Preisterweihe und übernahm im Frühjahr 1504 die Propstei bei St. Lorenz, eines der bedeutendsten geistlichen Ämter in seiner Heimatstadt. In seine Amtszeit fiel eine Reform des Nürnberger Schulwesens. Bereits am 8. September 1513 starb Anton Kress im Alter von 35 Jahren.

Sein Tod hat einen Kreis von Bekannten und Freunden dazu bewegt, mehrere Trauerschriften und biografische Texte über seine Person zu verfassen. Diese "Lebensbilder" des Anton Kress sind Gegenstand dieser Studie. Dabei handelt es sich um ein noch 1513 im Druck erschienenes Epicedion des Johannes Cochläus und dessen anonyme Übersetzung sowie um eine ebenfalls noch 1513 gedruckte Elegie des Benediktiners Chelidonius auf den Verstorbenen. Weiter werden auch die 1515 veröffentlichte, in lateinischer Prosa abgefasste Biografie des Anton Kress aus der Feder des Nürnberger Ratskonsulenten Christoph Scheurl sowie zwei Übersetzungen dieser Vita, eine von Scheurl selbst und die eines Anonymus, behandelt. In der Studie hat die Autorin auf einer breiten Quellen- und Literaturbasis untersucht, in welcher Gattungstradition diese Texte stehen, wie diese hinsichtlich ihrer kommunikativen Leistung einzuschätzen und in welchem Umfeld sie bezüglich ihrer Verfasser und Adressaten zu verorten sind. Manche Texte waren bislang gänzlich unbekannt geblieben und wurden von der Verfasserin in zahlreichen Archiven und Bibliotheken ausfindig gemacht.

Das Ergebnis dieser wissenschaftlichen Auswertung leistet einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Personendarstellung um 1500, des Humanismus in Nürnberg sowie zum Entstehungskontext literarischer Porträts und ihrer Rezeption. Stadtgeschichtliche Aspekte werden besonders sowohl durch die Untersuchung der Vernetzung der Verfasser und des Propstes als auch durch die Beleuchtung des Zensurvorgangs von 1515 berührt. Ein 50-seitiger Editionsanhang mit der Wiedergabe der sechs lateinischen und deutschen Texte sowie einiger Faksimilies der handschriftlichen Überlieferungsträger und weitere Abbildungen ergänzen die Ausführungen.

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