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Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und Landesgeschichte 64

Franziska Knöpfle: Im Zeichen der 'Soziokultur'. Hermann Glaser und die kommunale Kulturpolitik in Nürnberg

Herausgegeben von Werner K. Blessing,
Michael Diefenbacher und Rudolf Endres
Nürnberg 2007, 346 S., 25 Abb.

Verkaufspreis: 39 Euro

Die Publikation widmet sich der Kulturpolitik unter Hermann Glaser, der von 1964 bis 1990 das Kulturleben der Stadt Nürnberg nicht nur prägte, sondern in erheblichen Maße mit seinen noch heute wirksamen institutionellen Neugründungen formte. Wie niemals zuvor war in jenen drei Jahrzehnten seines politischen Wirkens Kulturpolitik ein Laboratorium für den gesellschaftlichen Wandel. Die Historikerin Franziska Knöpfle, die die vorliegende Arbeit als Dissertation an der Philosophischen Fakultät III der Universität Regensburg vorlegte, beschreibt die strukturellen und institutionellen Neuansätze der Glaserschen Kulturpolitik, wobei sie gleichzeitig die lokalspezifischen Voraussetzungen analysiert und auf die Widerstände eingeht, auf die diese in der Stadt stießen.

Das auch heute noch gebräuchliche Schlagwort der 'Soziokultur' fasst dabei die Intentionen der damaligen Kulturpolitik nur unzureichend: Es handelt sich zum einen um Neuansätze im Bereich der traditionellen Hochkultur, womit hier die Nürnberger Museumslandschaft gemeint war. In den 1960er und 1970er Jahren wurden das Kunstpädagogische Zentrum konzipiert, die städtischen Kunstsammlungen neu eingerichtet und es fallen in diese Jahre auch Neugründungen, wie die des Spielzeugmuseums (1967) und des Museums Industriekultur (1979). Glaser versuchte die etablierten musealen Bereiche einer Demokratisierung zu unterziehen, um sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Unter dem Leitbegriff 'Kultur für alle' begann eine Auseinandersetzung mit Sparten, die einst der Hochkultur zugerechnet wurden; so stand beispielsweise niemals zuvor die zeitgenössische Kunst derart im Mittelpunkt des lokalen Kulturinteresses, wie dies mit der Berufung von Dieter Mahlow (1967-1971) als Leiter der Städtischen Kunstsammlungen geschah.

Knöpfle stellt aber auch die neuen Formen der 'Soziokultur' vor. Dazu zählen neben den institutionellen Erweiterungen, wie dem Kommunikationszentrum 'KOMM' (1972/1973) und den Kulturläden - der erste, in der Rothenburger Straße, wurde 1974/1975 geplant - auch neue Formen des Austausches, wie sie die 'Nürnberger Gespräche' darstellen. Mit den 'Nürnberger Gesprächen', die von 1965 bis 1969 durchgeführt wurden und dann wieder 1977 und 1979 aufgenommen wurden, sowie der damals völlig neuartigen Veranstaltungsform des 'Kybernetikon' (1972 und 1974) wurde eine neue Dimension in der Kulturpolitik angestrebt: Sie sollte mit dem Ziel einer Demokratisierung nun aktiv Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen nehmen; die öffentlich geführten Diskurse der 'Nürnberger Gespräche' und der kybernetischen Wortveranstaltungen zu gesellschaftlich relevanten Themen dienten letztendlich der Massenaufklärung.

Knöpfle rekonstruiert diese neue Formen in Nürnbergs kultureller Landschaft anhand der zahlreichen im Stadtarchiv Nürnberg befindlichen Quellen, die im Anhang - gemeinsam mit einer umfangreichen Literaturliste - zusammengestellt sind.

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