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Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und Landesgeschichte 72

Ulrich Schuh: Die Entnazifizierung in Mittelfranken. Vorhaben, Umsetzung und Bilanz des Spruchkammerverfahrens in einer vielfältigen Region

Umschlag NW 72

Herausgegeben von Michael Diefenbacher
in Verbindung mit Werner K. Blessing, Rudolf Endres, Franz Fuchs, Georg Seiderer
Nürnberg 2013
258 S. mit 43 s/w-Abbildungen

Verkaufspreis: 26 Euro

Die Studie von Ulrich Schuh beleuchtet das Vorgehen der westlichen Siegermächte nach dem Zweiten Weltkrieg gegen die nationalsozialistischen Aktivisten und Militaristen in der Region Mittelfranken, die so genannte "Entnazifizierung". Nach einer breit angelegten "Säuberung" der deutschen Institutionen übergab die Militärregierung in der amerikanischen Besatzungszone im Frühjahr 1946 die weitere Verfolgung an deutsche Sondergerichte, den Spruchkammern. Sie wurden die Hauptmittel der Entnazifizierung und sollten die persönliche Verantwortung aller Einwohner ermitteln. Jeder Deutsche, der durch seine Mitgliedschaft in der NSDAP, seinem Eintreten für den Nationalsozialismus oder seine Beteiligung an NS-Verbrechen belastet war, wurde in Kategorien klassifiziert und gegebenenfalls verurteilt. Die Strafmaßnahmen reichten von kleinen Geldstrafen bis hin zu einer maximalen Internierungszeit von 10 Jahren in einem Arbeitslager. Zudem konnte das Vermögen ganz bzw. teilweise eingezogen werden.

Die Spruchkammerakten, die zentrale Überlieferung hierzu, stehen erst seit einigen Jahren durch die Übernahme aus den Amtsgerichten in die bayerischen Staatsarchive für die Forschung zur Verfügung. Aufgrund dieser Quellenlage untersucht der Autor die Rechtsprechungspraxis in Mittelfranken anhand von sechs Städten einschließlich des Umlandes, die die strukturell sehr unterschiedlichen Teile des Regierungsbezirkes widerspiegeln. Nürnberg, Fürth und Erlangen stehen für die Entnazifizierung im industriell geprägten Großraum, Ansbach und Neustadt an der Aisch für die im überwiegend ländlichen Raum. Die protestantische Stadt Weißenburg mit ihrer gewerblich-industriellen Wirtschaftsstruktur und der katholisch geprägte Landkreis nehmen eine gewisse Sonderstellung ein.

Sehr detailliert stellt der Autor das Vorgehen der Laiengerichte dar, das bereits zeitgenössisch stark kritisiert und seither mit dem Stigma des letztendlichen Scheiterns belegt wurde. Anschaulich zeigt er auf, wie sich die unterschiedlichen sozioökonomischen, politischen und kulturellen Hintergründe der Städte und Landkreise auf den Entnazifizierungsprozess auswirkten.

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