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Charkiw – Die Partnerschaft

Die Städtepartnerschaft zwischen Charkiw und Nürnberg besteht seit 1990. Eines der wichtigsten Anliegen war Versöhnung und Annäherung beim gemeinsamen Gedenken der Schrecken des 2. Weltkriegs. Mehrfach nahmen Nürnberger Oberbürgermeister und Bürgermeister sowie offizielle Delegationen an großen, bewegenden Gedenkfeiern zur Befreiung Charkiws und zum Kriegsende teil. Beide Stadtverwaltungen stehen in regem Kontakt, etwa wenn es darum geht, Schulungen für Verwaltungsmitarbeiter der Stadt Charkiw durchzuführen, Lehrkräfte aus beiden Städten die Möglichkeit zu bieten, sich über den Deutschunterricht auszutauschen, oder aber bei Bedarf Spendenaktionen und Hilfsmaßnahmen zu organisieren – beispielsweise im August 2014 eine Spendensammlung für zahlreiche schwangere Flüchtlingsfrauen und Wöchnerinnen, die in Charkiwer Kliniken nicht mehr ausreichend versorgt werden konnten.

Großes Interesse und Engagement für diese Städtepartnerschaft

Die Städtepartnerschaft löste großes Interesse aus: an den ersten „Nürnberger Tagen“ in Charkiw (1991) nahmen 140 Nürnberger Bürgerinnen und Bürger teil. Darunter viele Bürger, die dort im Krieg bzw. in Gefangenschaft gewesen waren. Eine Reihe von Aktivitäten wurde initiiert: Praktika in Banken, Einladung von Charkiwer Geschäftsleuten zu Nürnberger Messen, Tanz- und Theatervorführungen, ein Symposium zur Aufarbeitung der Geschichte, Begegnung und Austausch u.a. von Journalisten und Journalistinnen, Tänzer/innen, Schüler/innen, Studierenden, Schriftsteller/innen und Künstler/innen. "Tschernobyl-geschädigte" Kinder wurden eingeladen, die ersten Hilfstransporte organisiert.

Mit der Unabhängigkeit der Ukraine 1991 wuchsen in Charkiw die sozialen und wirtschaftlichen Probleme dramatisch an. Der niedrige Lebensstandard der Bevölkerung und die schlechte medizinische Versorgung ließen Hilfsaktionen dringend notwendig erscheinen. Deshalb standen zunehmend humanitäre und karitative Hilfeleistungen von West nach Ost im Mittelpunkt. Dieser Schwerpunkt der Zusammenarbeit wurde ergänzt und so weit wie möglich ausgerichtet auf Hilfe zur Selbsthilfe mit der Vermittlung von "Know-how". So fanden Seminare statt, ein Austausch im Medizin- und Pflegebereich, die Entwicklung eines Lebensmittellabors und ein TACIS-Projekt zur Abfallbewältigung. Kontinuierlich lebte und lebt die Partnerschaft aber auch von kulturellen Veranstaltungen wie Ausstellungen, Tanzaufführungen, Vorträgen und Lesungen sowie gemeinsamen Sportveranstaltungen.

Gründung des Partnerschaftsvereins Charkiw-Nürnberg

1993 gründeten engagierte Nürnberger Bürgerinnen und Bürger den Partnerschaftsverein Charkiw-Nürnberg. Mit Spenden der Nürnbergerinnen und Nürnberger sowie mit Zuschüssen von Organisationen wie Sternstunden e.V. hat der Verein Hilfsprojekte ins Leben gerufen, die zum Teil bis heute andauern. Dazu zählen die Finanzierung einer Armenküche, die Versorgung leukämiekranker Kinder mit Medikamenten und notwendiger medizinischer Apparatur, die Behandlung tuberkulosekranker Kinder und präventive Arbeit im Kampf gegen die Tuberkulose in Charkiw, die Erholung von bedürftigen Kindern im Ferienlager "Grüner Hügel" nahe Charkiw, die Beschaffung von Büchern und Medien für Schulen sowie von Medikamenten und medizinischer Ausrüstung für Krankenhäuser und Sozialzentren sowie die Unterstützung eines Kinderförderzentrums. Der Verein und das Amt für Internationale Beziehungen arbeiten sehr eng zusammen und können viele gemeinsame Projekte in Kooperation organisieren – eine vorbildliche "Win-win-Situation", die allen Beteiligten Vorteile bietet.

Weitere Akteure und Aktivitäten

Die ehemalige Nürnberger Werkstatt für Behinderte, jetzt "noris inklusion gGmbH", engagiert sich ebenso nachhaltig, in diesem Fall für Charkiwer Kinder mit Behinderung, und lädt jedes Jahr eine Kindergruppe nach Nürnberg ein. Besonders beliebt und überall in Charkiw bekannt ist Fritz Körber, der ehemalige Bürgermeister von Schwaig in der Umgebung Nürnbergs. Mit Hilfe der Arbeiterwohlfahrt organisierte er seit 1992 umfangreiche Hilfstransporte nach Charkiw und engagierte sich darüber hinaus auch persönlich für verschiedene humanitäre Projekte. Ein großes Lob verdient auch der Verein "Ökumenische Partnerschaft Nürnberg–Charkiw", der in Charkiw seit 1999 eine Sozialstation unterhält. In der Ukraine war das soziale Netz lange Zeit so löchrig, dass viele Menschen einfach durchfielen, wenn niemand half. Der Kirchenpartnerschaftsverein hat die Einrichtung auf einen guten Weg gebracht, denn die Sozialstation betreut als "ambulantes Hospiz" alte und unheilbar kranke Menschen.

Seit der Fußball-Europameisterschaft 2012 hat sich Charkiw in eine moderne europäische Stadt verwandelt. Damals halfen auch Nürnberger Volontäre den Organisatoren, und die Stadt präsentierte sich weltoffen und gastfreundlich. Der aktuelle Krieg in der Ukraine und dessen katastrophale Auswirkungen auf Menschen und Infrastruktur in Charkiw haben dazu geführt, dass in Nürnberg erneut eine Spendensammlung initiiert wurde und Hilfsmaßnahmen für die Menschen in der Partnerstadt organisiert werden:

Spendenaufruf für Charkiw

Gemeinsam mit dem Partnerschaftsverein Charkiw-Nürnberg e.V. hat die Stadt Nürnberg eine Spendenaktion zur Unterstützung der ukrainischen Partnerstadt Charkiw gestartet.

Spenden können überwiesen werden auf folgendes Konto bei der Sparkasse Nürnberg:
Kontoinhaber: Partnerschaftsverein Charkiw-Nürnberg
IBAN: DE12 7605 0101 0001 3500 58
Verwendungszweck: "Hilfsprojekte in Charkiw"

Das "Nürnberger Haus" in Charkiw

1995 gründete der Partnerschaftsverein in Charkiw das "Nürnberger Haus". Dieses Kultur- und Bildungszentrum ist zu einer beliebten Begegnungsstätte, zum Sprachlernzentrum des Goethe-Instituts und zur anerkannten deutsch-ukrainischen Mittlereinrichtung geworden, eine wichtige Anlaufstelle für alle an Deutschland interessierten Ukrainerinnen und Ukrainer sowie für Deutsche, die Charkiw besuchen.

Bis zum Beginn des derzeitigen Krieges in der Ukraine umfasste das Programm Deutschkurse bis zur Oberstufe und anerkannte Sprachprüfungen, außerdem Seminare, Lesungen und Vorträge, Ausstellungen und eine deutschsprachige Bibliothek mit aktuellen Zeitschriften. Darüber hinaus fungierte das "Nürnberger Haus" als Kontakt- und Informationsbörse, es betreute das Lehrmittelzentrum des Goethe-Instituts für Deutschlehrer der Region, leistete Au-Pair-Beratung für den Verein für Internationale Jugendarbeit und organisierte vom Auswärtigen Amt in Berlin geförderte Kulturveranstaltungen in Charkiw, wie etwa Kabarett aus Franken, neues deutsches Kino, deutsch-ukrainische Konzerte und Lesungen etc.

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