
• Partnerstadt seit 1985
• Rund 9840 km Luftlinie entfernt
• Liegt an der Einmündung des Nicaragua-See in den Río San Juan
• Nürnbergs Partnerstadt mit der geringsten Einwohnerzahl

• Partnerstadt seit 1985
• Rund 9840 km Luftlinie entfernt
• Liegt an der Einmündung des Nicaragua-See in den Río San Juan
• Nürnbergs Partnerstadt mit der geringsten Einwohnerzahl
Nürnberger und Sancarleños mögen auf den ersten Blick wie zwei völlig verschiedene Spezies wirken, über die Jahre der Städtepartnerschaft hinweg pflegen sie aber regelmäßige Austausche, Projekte und kulturelle Verbindungen, bei denen sie sich gegenseitig besuchen, reden und voneinander lernen.
Die Kraft der Improvisation und die Leichtigkeit der Bewegungen bei Tänzen wie Salsa und Merenque bringen Sancarleños in die gemeinsamen Projekte und Begegnungen ein, die Nürnberger ihre Erfahrungen als Stadt- und Strukturstrategen.
Auch über die große Distanz hinweg finden seit Beginn der Partnerschaft regelmäßig Jugendaustausche statt. Der Aufenthalt in Gastfamilien in der Partnerstadt und das abwechslungsreiche Programm ermöglichen jeweils ein tiefes Eintauchen in eine andere Kultur. Für die Teilnehmenden sind sie immer überraschend, nachhaltig und ermöglichen einen hohen Erfahrungsschatz für die Jugendlichen.
1985 war es für alle ein Abenteurer, als sich Jugendliche aus Nürnberg, Fürth, Schwabach und Erlangen auf den Weg nach San Carlos machten und ein Jahr später, 1986, junge Sancarleños an der Noris zu Gast waren.
Ein halbes Jahr regelmäßige Vorbereitungstreffen, inklusive Spanisch Sprachkurs, waren Voraussetzung für die Teilnahme am ersten Jugendaustausch Nürnberg – San Carlos. Die Motivation zur Teilnahme war bei vielen getragen von der Solidarität mit Nicaragua, in dem nach der sandinistischen Revolution Bürgerkrieg herrschte.
In den 90er Jahren verschoben sich bei den Teilnehmern des Jugendaustausches mit San Carlos die Reisemotive erheblich: Es wurden immer mehr bunt zusammengewürfelte Gruppen, die vor allem aus sprachlichem, kulturellen oder auch „nur“ touristischem Interesse nach San Carlos reisen wollten.
Die Teilnehmer mit guten Spanischkenntnissen nahmen erheblich zu. Wohltuend war es auch manchmal, wenn jemand eher von der Lust auf die Reiseerfahrung als von dem Drang zum Helfen angeschoben wurde. Wird es doch in San Carlos verständlicherweise nicht immer geschätzt, wenn Besserwisser aus Deutschland zeigen wollen, „wo es lang geht“, sondern eher, wenn jemand mit ihnen zusammenleben und -arbeiten möchte und am Ende beide aus der Erfahrung lernen und sich fortentwickeln können.
(Karin Gleixner in: Festschrift 20 Jahre Städtepartnerschaft)
Hans (1985)
„Man hat Aktionen in Nürnberg durchgeführt, um Geld zu sammeln, für die materielle Unterstützung. Ist auf Stadtteilfest gegangen… die Jugendlichen haben sich ein bisschen als „Botschafter“ Nicaraguas verstanden. Auch in Sachen Öffentlichkeitsarbeit.“
Agustin (1986)
"Fast die Hälfte des Programms bestand aus politischen Aktivitäten. Wir hielten Vorträge über die damalige Situation in Nicaragua. Was sehr schwierig war, da in Europa bestimmte Aspekte, die wir in Nicaragua diskutierten, hier oft nicht verstanden wurden.“
Karin (1991)
„Dass man nicht einfach Wasser aus der Leitung trinken oder einfach irgendwo hin fahren konnte – das war absolut nicht vorstellbar für mich. Es wurde immer Musik gehört. Selbst die Hähne haben nachts um 3, wenn wir endlich ins Bett gekommen sind, angefangen zu krähen - in einer Lautstärke“
Luis (1996)
„Mein Traum war immer gewesen, nach Frankfurt zu kommen, denn wir hatten einen Zeichentrickfilm von „Heidi“ gesehen. Alle kennen „Heidi“. Es war wie ein Traum, manchmal fragte ich mich, träume ich oder ist es wahr.“
Olivia (2004)
„Wir essen zumeist Reis und Bohnen. In Deutschland hatten wir soo viel Brot und Salate. Der Austausch hat mir Horizonte eröffnet, die ich sonst nicht erfahren hätte.“
Lena (2005)
„Zunächst war es ein kleiner Kulturschock, aber eröffnete mir so viel Interessantes. Natürlich kann man als Tourist in ein Land reisen. Aber so lernt man kein Land kennen.“
Maria (2005)
„Ich habe in Nürnberg Salsa und Merenge gezeigt. Das war für viele wirklich schwierig. Wir hatten komplett andere Sichtweisen in so vielen Dingen. Durch den Austausch wurde mir klar, was ich wollte, welche Ziele ich im Leben habe“.
Seit vielen Jahren unterstützt Nürnberg ihre lateinamerikanische Partnerstadt bei Lösungen für zentrale Zukunftsfragen: sauberes Wasser, Klima- und Waldschutz sowie Bildung.
Dabei setzen die Partner auf praxisnahe Lösungen: Bis 2021 wurden über 300 Energiesparherde in Betrieb genommen. Solarstromprojekte versorgen Schulen und öffentliche Gebäude in abgelegenen Regionen mit Energie. Ergänzt wurde dies durch Maßnahmen zum Waldschutz und Wiederaufforstung, unter anderem durch Pflanzaktionen und nachhaltige Landnutzung sowie Beratung von Kakaobauern.
In den Teilgemeinden La Palmera, La Cusuca und San Augustin verbesserte sich 2024 die Bildungssituation durch die Erweiterung und Renovierung von drei Schulen. In La Cusuca stieg damit die Schülerzahl von 12 auf 30.
Wasser, das Nürnberg und San Carlos im Atlantik um Tausende von Kilometern trennt, wurde lange Zeit zum stärksten verbindenden Element zwischen den beiden Kommunen. Für die Gewinnung von sauberem Trinkwasser, dem Aufbau einer Abwasserinfrastruktur durch den Bau und die fachliche Begleitung einer kommunalen Kläranlage sowie in den Bereichen Wiederaufforstung und Umweltbildung leistete Nürnberg immer wieder finanzielle und planerische Unterstützung.
Die Klima- und Naturschutzprojekte sowie der Schulausbau und Bildungsangebote der Städtepartnerschaft konnten in Vergangenheit in Kooperation zwischen den Städten Nürnberg und Erlangen und lokalen Partnern wie der Asociación para el Fomento Local Ecosostenible (ASODELCO) und den Partnerschaftsvereinen realisiert werden.
Finanziell unterstützt wurden sie durch verschiedene Bundeseinrichtungen und Förderprogramme, darunter Engagement Global, Servicestelle Kommunen in der Einen Welt, Bundeministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, FKKP, NAKOPA, Deutsche Botschaft in Managua und private Spenden.