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Information, die ankommt - Leicht verständliche Sprache in den Medien

capito Nordbayern Fachtag am 20.9.2018

Nicht alle Menschen verstehen, was sie lesen.
Aber alle haben ein Recht auf Information.
Die Möglichkeiten sich zu informieren sind zahlreich.
Egal ob Nachrichten oder Informationen zu speziellen Sachthemen.

Aber wird auch alles verstanden?
Muss jede Leserin, jeder Leser alles verstehen?
Müssen Nachrichten für alle verständlich sein?
Wie weit kann oder darf eine Information vereinfacht werden?

An dieser Veranstaltung im Eckstein nahmen vom Behindertenrat Dr. Susanne Jauch, Renate Serwatzy und Roland Weber teil.

Frau Sabrina Weyh, Teamleiterin von capito Nordbayern im Kompetenz-Zentrum für Barrierefreiheit der Rummelsberger Diakonie, begrüßte die Teilnehmer.

Diskussions-Runde

Zunächst gab es eine offene Diskussions-Runde zu dem Thema „Die Nürnberger Nachrichten im Fokus“ statt. Der Chefredakteur Alexander Jungkunz beantwortete die Fragen der Experten Nadine Neumann, und Sabrina Wölfel und der Experte Lukas Keim. Das Publikum konnte ebenfalls Fragen stellen, was gut genutzt wurde. Die Experten der Prüfgruppe von capito sind Mitarbeiter der Werkstätten für Menschen mit Behinderung der Rummelsberger Diakonie.

Nachrichtenleicht beim Deutschlandfunk

Nach der Kaffeepause folgte ein Vortrag von Kathrin Baumhöfer, Mitarbeiterin des Deutschlandfunks bei nachrichtenleicht. Dies ist ein Wochen-Rückblick in einfacher Sprache. Es werden von der Redaktion die wichtigen Beiträge ausgesucht und in einfache Sprache nach einem dafür erstellten Regelwerk übersetzt. Die Sendezeit ist jeden Freitag um 20:04 Uhr, ab 14:00 Uhr kann man die Sendung schon unter www.nachrichtenleicht.de online verfolgen. Man kann sich die Nachrichten vorsprechen lassen. Oder lesen. Es gibt die Themen Nachrichten, Kultur, Vermischtes und Sport. Zu den einzelnen Artikeln gibt es ein Wörterbuch, in dem Begriffe erklärt werden. Frau Baumhöfer erzählte auch: Manche Menschen ärgern sich über die leichte Sprache. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Deutschlandfunk möchten aber, dass alle Menschen die Nachrichten verstehen. Deshalb wird es nachrichtenleicht.de weiter geben.

Projekt TAZ Leicht

Frau Josephine Bilk berichtete von der Redaktion Leicht der Tageszeitung, kurz TAZ leicht. Dies ist ein Online-Projekt der TAZ seit August 2017. Ausgewählte Nachrichten, Kommentare und Interviews werden in Leichter Sprache nach Prüfung durch Experten angeboten. Jeden Freitag erschienen 1-2 Artikel auf www.taz.de/leicht , Facebook und Twitter. Manchmal wurden diese auch in der TAZ veröffentlicht. Seit Oktober gibt es nur noch ab und zu Berichte in Leichter Sprache. Das für dieses Projekt gespendete Geld ist aufgebraucht.

Einmal gemacht – vielfach gebracht

Als letzte Referentin kam Frau Walburga Fröhlich vom Projekt „Topeasy: Einmal gemacht –vielfach gebracht“. Sie kommt auch von capito und ist Mit-Begründerin von atempo. atempo ist ein gemeinnütziges Sozialunternehmen in Österreich. Im Projekt arbeiten atempo, capito, und di APA zusammen. APA ist die Austria Presse Agentur. Wie die dpa (Deutsche Presse-Agentur) für Deutschland bietet diese Agentur den Medien in Österreich die aktuellen Nachrichten für Tageszeitungen und Rundfunksender an.

Bei Untersuchungen von wurde festgestellt, dass ungefähr 80% aller Menschen Informationen nicht oder nicht gut verstehen. Die Auswirkungen sind:

1. eingeschränkte (politische) Meinungsbildung
2. eingeschränkte gesellschaftliche Teilhabe
3. Gefühl von Hilflosigkeit und Wut gegenüber „denen da oben“
4. Manipulation und Populismus haben „leichte Beute“

Daher wurde das Projekt Topeasy gestartet. Die APA wählt Nachrichten aus. Diese werden von der capito-Redaktion in Einfache Sprache ( Leicht lesen Level B1) übersetzt und von Experten geprüft. Danach werden diese übersetzten Nachrichten wieder an die APA geleitet. So muss nicht jede Tageszeitung oder jeder Rundfunksender die Nachrichten in einfache Sprache übersetzen.

Ein Erfolg dieses Projektes ist die Einstellung eines Menschen mit Behinderung bei der APA, der den Redakteuren beim Schreiben der Nachrichten in einfache Sprache hilft. So müssen die Nachrichten nicht mehr hin und her gesendet werden.

Frau Fröhlich betonte nochmals: Es ist sehr wichtig, dass alle Menschen Nachrichten verstehen. Und sich zum Beispiel über die Landtagswahl in Bayern informieren zu können. Dann können sie entscheiden, welche Partei sie wählen wollen. Wer die Nachrichten nicht versteht, kann leicht beeinflusst werden.

Es gibt aber laut Frau Fröhlich immer noch manch harte Nuss zu knacken. Dies zeigt dieses Zitat aus einer Redaktionsstube einer Bundesländer- Zeitung aus Österreich: „Die Dummen sind eh nicht unsere Zielgruppe“.

Nach der Mittagspause konnten sich die Teilnehmer für jeweils eine der Referentinnen entscheiden und einzelne Themen bearbeiten. Die Ergebnisse wurden im Plenum vorgestellt und werden noch an die Teilnehmer versendet.

Bewertung des Fachtags

Es war ein sehr interessanter Fachtag, der auch neue Informationen gebracht hat. So zum Beispiel die Einstufung der Sprache in Level von A1 bis B2, vergleichbar dem Level eines Sprachkurses. Es gibt dann nicht mehr die vielen Unterscheidungen Leichte Sprache, leichte Sprache, einfache Sprache, schwere Sprache, normale Sprache oder Alltagssprache. Dies bedeutet auch, dass damit anerkannt wird, dass viele Menschen Probleme mit der Sprache und dem Lesen haben. Es betrifft nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch Migranten und alte Leute. Mit der Einstufung und Übersetzung können alle gemäß ihres jeweiligen Levels an allen Informationen teilhaben und sich am gesellschaftlichen, politischen Leben beteiligen.

Hier nochmals die Verweise auf die online-Nachrichten:

www.nachrichtenleicht.de

www.taz.de/leicht

Probiert es doch mal aus!

-Renate Serwatzy Vorstandsmitglied-

Aktualisiert am 02.10.2018, 08:07 Uhr

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