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33. Bundeskongress für Amateurfunk und Telekommunikation an Schulen

B1 am 33. Bundeskongress für Amateurfunk und Telekommunikation an Schulen

Jeweils im März findet in der alten Kaiserstadt Goslar, der Bundeskongress für Amateurfunk und Telekommunikation an Schulen statt.
Beim dreitägigen Wochenend-Bundeskongress handelt es sich um eine MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) - Lehrerfortbildung, die vom AATiS e. V. organisiert wird.

Thema der 33. Tagung waren naturwissenschaftlich-technische Projekte zur Unterstützung des MINT-Unterrichts an allgemein- und berufsbildenden Schulen.
Schwerpunkte in 2018 bildeten Telekommunikationsprojekte, Elektronik- und Mikrocontrolleranwendungen, Hard- und Softwaredesignlösungen für Ausbildung und Unterricht.
Teilnehmer dieses Forums sind neben Lehrervertretern aus ausgewählten Schulen, Hochschullehrer, Ingenieure und Wissenschaftler aus der gesamten Bundesrepublik und dem benachbarten Ausland (z.B. Belgien).
2018 war die B1-Nürnberg mit mir als Teilnehmer erstmals eingeladen und vertreten.
Das dreitägige Intensivseminar hatte eine Informationsdichte, die kaum noch zu überbieten war.
Eröffnet wurde die Fortbildungsveranstaltung von den beiden Vorsitzenden des AATiS e. V., Dipl.-Ing. Schönwitz, DL2HSC und StD Eichler, DJ2AX.

Hier einige Auszüge aus Seminaren und Workshops, an denen ich mitwirken konnte:
Dr.-Ing. K. Hansky, DL3HRT startete mit einem interessanten Vortrag zum Thema 160 Jahre Internet – die spannende Geschichte der ersten transatlantischen Telegrafenkabel.
Ein Vortrag der zum Einstieg in die Kapitel Netzwerk- und Telekommunikationsleitungen (Kl. 10 und 12) sowie für Anwendungen aus der Wechselstromtechnik (R-L-C an Wechselspannung 11. Klasse) verwendet werden kann.
Nebenbei erfährt man, dass es seit August 1858 immer wieder Kabelverbindungen zwischen Europa und Amerika gegeben hat, über die ursprünglich digitale Daten (Impulse übertragen wurden). Der Querschnitt der ersten Adern betrug in etwa 2,5mm² Kupfer.
Küstenkabel waren stabiler als Hochseekabel gebaut, da sie immer wieder durch Schiffsanker, die hervorragenden Halt in den Kabeln fanden, abgerissen wurden.

V. Loose, DK2MT hatte eine Einführung in den 3D-Druck anhand kleiner Werkstücke (hier sonst umständlich durch Zerspanung herzustellenden Verbindungselemente einer Antenne), die sich innerhalb zweier Doppelstunden (Konstruktionsphase mit Open Source Zeichenprogramm und Erstellung des Werkstücks mit dem 3D-Drucker) vorbereitet.

Theresa Thoma, DC1TH (Masterstudentin) stellte unter dem Thema Lernen mit der App die Programmiersprache UNITY (eine Entwicklungsumgebung mit objektorientierter Programmiersprache vorwiegend für 2D- und 3D-Spiele) vor, mit der man Lernspiele programmieren kann.
Hintergrund: Junge Leute lernen nicht weniger, sie lernen anders.

Innerhalb praktischer Arbeitsphasen konnten Teilnehmer an zwei praktischen Workshops (jeweils 90 min) teilnehmen.
Hier zeigte sich, dass auch Lehrer und Wissenschaftler mit richtigem Werkzeug, ohne Arbeitsunfälle und Kollateralschäden umgehen konnten und meine anfänglichen Bedenken, grundlos waren.
Geleitet wurden beide praktische Workshops von Dipl.-Ing. Schönwitz, DL2HSC und StD Eichler, DJ2AX.

• Workshop 1: Teilnehmer mit Amateurfunklizenz hatten die Aufgabe einen Minimal-Sende-Empfänger für Notfunkkommunikation mit einem Colpits-Oszillator als Herzstück - im Wettbewerb, auf Zeit, – aufzubauen und zu betreiben.
Ausgehend vom Szenario es gäbe einen lokalen Stromausfall – mit dem damit heute einhergehenden Ausfall unserer Kommunikationssysteme – müsste Hilfe für einen Verletzten über einen Kurzwellensender angefordert werden. Besondere Schwierigkeit: Es gibt jedoch nur eine Experimentierplatine, etwas Werkzeug (ohne Messgeräte) und ca. 15 elektronische Bauelemente…
Die Lösung: Für Kurzstreckenkommunikation auf Kurzwelle ist ein Sende-Empfänger für das 80 m – Band aufzubauen und eine Nachricht in Telegrafie abzusetzen.

• Workshop 2: Einige Teilnehmer hatten die Möglichkeit den neuen Bausatz AS628 des AATiS e. V. aufzubauen und zu testen. Bei diesem Bausatz handelt es sich um ein mikrocontrollergesteuertes HF-Multimeter, das im Grundbetrieb als Frequenzzähler bis 50 MHz arbeitet, jedoch durch weitere steckbare Sensoren (ebenfalls Bausätze) zum Leistungsmesser, SWR-Brücke, etc. erweitert werden kann. Meiner Meinung nach ein sehr schönes Projekt. Das Projekt benötigt jedoch etwas Vorerfahrung im Löten von Baugruppen.

Gerrit Buhe, DL9GFA zeigte den Einsatz der freien Software QUCS zur Elektroniksimulation im Unterricht. Die Software ist in etwa vergleichbar mit LTSpice.

Ein spannender Vortrag zum Thema informationelle Selbstbestimmung von Prof. Franke, DJ6II zeigte die Chancen, Risiken und das Problem der allgegenwärtigen Überwachungskultur auf. Ebenso bekam man einen Einblick welche Daten von Betreibern moderner Kommunikationssysteme aber auch von kriminellen Elementen abgefischt werden könnten.
Im Vortrag wurde auch gezeigt, wie durch den Umbau der Telefonnetze auf VoIP basierende Kommunikation selbst die bisher als sicher angesehene Kommunikation über Fax angreifbar geworden ist. Weiterhin wurde gezeigt, wie Smartphones durch Installation scheinbar harmloser Apps genauso wie moderne PKWs ohne Wissen ihrer Eigentümer „nach Hause“ telefonieren.

Dr. Achim Mester vom Forschungszentrum Jülich stellte die Möglichkeiten der Anwendung elektromagnetischer Induktion anhand vieler Beispiele zur Erkundung des Bodens und für die Bereiche Energienutzung und Klimaschutz vor.
Mittels neuer, ebenfalls auf Induktion basierender Verfahren wie EMI, etc. können Bodenuntersuchungen ohne schädigende Eingriffe in die Natur durchgeführt werden. Ebenso wird man demnächst versuchen die statische Sicherheit von Bauwerken (z.B. Deiche) mittels induktiver Messmethoden zu prüfen.

In einem weiteren Workshop wurde von Dr.-Ing. Hansky, DL3HRT und Kathrin und Jens Home, DM4JH (Liborius-Gymnasium Dessau) unter dem Thema Kartengrüße aus der Vergangenheit ein Unterrichtsprojekt mit dem Hintergrund Datenschutz durch Verschlüsselung vorgestellt.
Dr. Hansky sammelt privat Postkarten aus der Zeit um 1920. In dieser Zeit war es weit verbreitet, dass sich junge Leute um Porto zu sparen statt Briefe, Postkarten geschickt haben. Damit der Postbote und auch die eigenen Eltern vom Inhalt der Nachricht nichts mitbekommen sollten, wurden diese Karten verschlüsselt beschrieben.
Diese Postkarten mit relativ einfachen Verschlüsselungen nutzt Dr. Hansky als Unterrichtsbeispiele und lässt sie von seinen Schülern entschlüsseln.
Jens Home vom Gymnasium Dessau nutzt im Unterricht die verschlüsselte und in deutsche Sprache übersetzte Wegbeschreibung zum Schatz im Buch „Der Goldkäfer“ von E. A. Poe. Eine Unterrichtsstunde, die selbst in fachfremden Klassen im Rahmen einer Vertretung immer gut angenommen worden sei.
Zeitgleich fanden neben diesen Seminaren viele weitere Workshops, Seminare und Vorträge zum Thema MINT-Unterricht statt.
Das hochwertige Programm und auch der Austausch mit Lehrern anderer Schulen aus dem Bundesgebiet und aus dem benachbarten Ausland machte den notwendigen Aufwand der langen Anfahrt und des arbeitsintensiven Wochenendes wett.

Text und Bilder: Stephan Vogl

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