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Das Gesundheitsamt Nürnberg informiert über die gesundheitliche Bewertung einer PCB-Belastung

Zur Gruppe der polychlorierten Biphenyle (PCB) zählen 209 systematisch numerierte Einzelsubstanzen. Seit 1929 wurden PCB wegen ihrer technischen Eigenschaften in großer Menge eingesetzt. Aufgrund der mit der Anwendung verbundenen Gesundheits- und Umweltproblematik wurde für Deutschland 1989 eine umfassende Verbotsverordnung erlassen.

Höherchlorierte PCB

PCB sind überall in der Umwelt nachweisbar, in Wasser, Boden, Luft, in Pflanzen und Tieren und auch im Körper des Menschen. Der Mensch nimmt PCB in der Regel zu 90 % über die Nahrung auf. Die Aufnahme über Atemwege und Haut ist insgesamt als gering einzuschätzen.

Von großer Wichtigkeit ist die Halbwertszeit einzelner PCB, also der Zeitraum, nach welchem noch die Hälfte der Ausgangssubstanz vorhanden ist. Diese variiert sehr - zwischen einigen Tagen und einigen Jahren. Die sogenannten niederchlorierten PCB, welche in der Hauptsache über die Raumluft aufgenommen werden, baut der Körper viel schneller ab als die höherchlorierten PCB, die vor allem über die Nahrung in den Organismus gelangen.

Die vom Körper aufgenommenen PCB werden zu einem großen Teil in der Leber verstoffwechselt und anschließend über den Urin sowie zu einem kleinen Teil über die Gallenflüssigkeit und den Stuhl ausgeschieden. Dies gilt vor allem für die niederchlorierten PCB. Je mehr Chloratome eine PCB-Substanz besitzt, umso fettlöslicher ist sie. Deshalb reichern sich die PCB mit einer langen Halbwertszeit, also die höherchlorierten Substanzen, zum Teil im Fettgewebe der Leber und im Fett des zentralen Nervensystems an.

Über die giftigen Wirkungen der PCB bei Aufnahme sehr hoher Dosen haben wir vor allem Informationen aus 2 Unglücksfällen 1968 in Japan (Yushi-Krankheit) und 1979 in Taiwan ( Ju-cheng-Krankheit ). Bei Aufnahme hoher Dosen in den Organismus wurden akneähnliche Veränderungen der Haut, Leberfunktionsstörungen sowie entzündliche Wirkungen auf das Atemwegs- und Nervensystem beobachtet. Auswirkungen auf das Immunsystem sind ebenfalls bekannt.

Die akute Giftigkeit im Niedrigdosisbereich ist gering.

In tierexperimentellen Studien wurde nachgewiesen, dass bestimmte PCB wohl nicht die Krebsentstehung, aber das Wachstum von Tumoren fördern können (=tumorpromovierende Wirkung). Beim Menschen wurden krebserzeugende oder tumorpromovierende Wirkungen bisher nicht nachgewiesen. Die MAK (=Maximale Arbeitsplatz-Konzentration-) Werte-Kommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat die PCB in die Gruppe der Substanzen mit Krebsverdacht beim Menschen entsprechend Gruppe 3 eingeordnet.

Zum Vergleich: In der Gruppe 2 sind Stoffe eingeordnet, bei denen durch Tierversuche bzw. epidemiologische Studien hinreichende Ergebnisse vorliegen, dass sie einen nennenswerten Beitrag zum Krebsrisiko leisten. Beispiele für Substanzen aus dieser Gruppe stellen Cadmium und einige seiner Verbindungen dar. In der Gruppe 1 befinden sich Stoffe, die beim Menschen Krebs erzeugen und bei denen davon auszugehen ist, dass sie einen nennenswerten Beitrag zum Krebsrisiko leisten. In diese Gruppe ist beispielsweise das Benzol einzuordnen.

Aus den tierexperimentellen Studien wurde die täglich duldbare Aufnahmemenge (ADI-Wert, acceptable daily intake ) mit 1 µg Substanz pro kg Körpergewicht (= 0, 000001g/kg Körpergewicht) errechnet. Geht man von der Forderung aus, dass dieser Wert nur zu 10 % über die Atmung ausgeschöpft werden soll, so lässt sich für die Allgemeinbevölkerung ein Sanierungseingreifswert von 3000 ng/m³ Luft errechnen (Innenraumluftkommision des Umweltbundesamtes). Dieser Wert bezieht sich auf das Jahresmittel und einen 24 -stündigen Aufenthalt in den betroffenen Räumen. Ist dieser Wert überschritten, sollten kurzfristig Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Als Sanierungszielwert gilt 300 ng/m³ Luft ( ebenfalls im Jahresmittel ). Liegt die Konzentration von PCB zwischen 300 und 3000 ng/m³ Luft, so wird empfohlen, nach Möglichkeit die Quelle der Raumluftbelastung zu beseitigen, zumindest aber durch regelmäßiges Lüften sowie gründliche Reinigung/Entstaubung der Räume eine Verminderung der Raumluftkonzentrationen an PCB anzustreben. ( PCB-Richtlinie vom 12.04.1995, AllMBl 1995, 496)

Bei der Messung wird folgendermaßen vorgegangen: Da eine Messung aller 209 Substanzen sehr aufwändig ist, werden als Indikatoren 6 PCB Einzelsubstanzen, nämlich die Nr. 28, 52, 101, 138, 153 und 180 bestimmt.

Es ist wichtig zu wissen, dass die Kongenere 28, 52, 101 den niederchlorierten, leicht flüchtigen, besonders durch die Raumluft aufgenommenen PCB zuzuordnen sind.

Die Kongenere 138, 153 und 180 sind den höherchlorierten, schwer flüchtigen zuzuordnen, die besonders über die Nahrung aufgenommen werden.

Aufgrund der noch unsicheren Datenlage bezüglich der Wirkung der PCB auf den Organismus des Menschen wurden noch keine Human Biomonitoring I und II-Werte aufgestellt (Werte für die duldbaren Blutkonzentrationen). Für die höherchlorierten PCB existieren Referenzwerte. Referenzwerte geben Auskunft über die Hintergrundkonzentration (das heißt: 95 % der Bevölkerung weisen Werte auf, welche unter den Referenzkonzentrationen liegen). Referenzwerte sind nicht toxikologisch, also von Schwellenwerten für die gesundheitlichen Wirkungen abgeleitet. Die altersabhängigen Referenzwerte für höherchlorierte PCB in der Allgemeinbevölkerung ergeben sich aus der folgenden Tabelle der Kommission Humanbiomonitoring des Umweltbundesamtes:

Für den Altersbereich 10-18 Jahre konnte aufgrund der bisher vorliegenden Daten noch kein Referenzwert abgeleitet werden. Für diese Altersgruppe wird von uns hilfsweise der Mittelwert aus den Werten der darunter und der darüber liegenden Altersgruppe als Referenzwert angegeben. (PCB 138: 0, 65 µg/l; PCB 153: 0,75 µg/l, PCB 180: 0,5 µg/l).

Für die niederchlorierten PCB gibt es derartige Referenzwerte nicht, man definiert eine Nachweisgrenze (< 0,1 µg/ Liter Blut). Befunde in der Nähe zur methodenspezifischen analytischen Nachweisgrenze von 0,1 µg/l Blut befinden sich wohl noch im Bereich der hypothetischen allgemeinen Hintergrundbelastung der Bevölkerung. Gemäß dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand gibt es keinen hinreichenden Nachweis dafür, dass durch eine solche Belastung- als Einzelursache- konkrete gesundheitliche Störungen ausgelöst werden.

Die endgültige gesundheitswissenschaftliche Bewertung der Befunde oberhalb der Nachweisgrenze ist derzeit noch in der Diskussion und nicht abgeschlossen Den Ergebnissen der vom Bayerischen Gesundheitsministerium in Auftrag gegebenen Studie des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Interview mit dem Leiter Prof. Dr. Drexler) soll und kann deshalb hier nicht vorgegriffen werden.

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