Vogelperspektive, ein Apfel, eine Tastatur mit Händen darauf und ein Stethoskop

Gesundheitsamt Nürnberg

Auftakt zur "Woche der seelischen Gesundheit" 2026

Menschen mit eigener Erfahrung psychischer Belastungen eröffneten die Auftaktveranstaltung im Schönen Saal im Rathaus Nürnberg mit eindrücklichen, sehr persönlichen und berührend offenen Einblicken in ihr Erleben.

Dabei wurden psychologische Begriffe und Symptome sichtbar, die durch Nadine Riedel, Psychiatriekoordinatorin für Kinder und Jugendliche im Gesundheitsamt, mit Erläuterungen veranschaulicht wurden.

Als Schirmherr der dritten Nürnberger Woche der seelischen Gesundheit fungiert der Nürnberger Oberbürgermeister marcus König.

120 Veranstaltungen erwarten Interessierte im Stadtgebiet Nürnberg. Dabei sind Ausstellungen, Workshops, Online-und analoge Vorträge, Tage der offenen Tür in Einrichtungen der ambulanten Versorgung, viele Bewegungsangebote in Grünanlagen und dem Faberwald, Exkursionen und Schnuppernachmittage für verschiedene Sportarten, Handwerk und Handarbeiten.

Psychische Gesundheit sichtbar machen

Woche der seelischen Gesundheit Kampagne 2026: Resilienz, Bild © Pasdedeux
Vorgestellt werden sechs Begriffe aus Psychotherapie und Psychologie mit positiver und ngativer Valenz. Kongruenz, Validierung und Resilienz stehen für positive psychische Ressourcen. Rumination, Dissoziation und Prokrastination beschreiben typische Muster oder Schutzmechanismen, die Menschen belasten können. Die sechs häufig verwendeten Fachbegriffe stehen dabei stellvertretend für unterschiedliche Aspekte seelischer Gesundheit und psychischer Erkrankungen – und bilden zugleich die thematischen Schwerpunkte der dritten „Nürnberger Woche der seelischen Gesundheit“ 2026.
Woche der seelischen Gesundheit Kampagne 2026: Prokrastination, Bild © Pasdedeux
Seit Ende September ist dieser Begriff mit den fünf anderen im gesamten Stadtgebiet sichtbar: Auf City-Light-Boards, im Fahrgast-TV in den U-Bahnen, Bussen und Strassenbahnen, in ansprechend gestalteten Postkarten in Kulturläden, gastronomischen Betrieben, Arztpraxen und Apotheken. Diese Begriffe bilden den Kern der stadtweiten Informationskampagne zum Thema mentale Gesundheit. Sie macht psychologische Begriffe verständlich, schafft Wissen und will Hemmschwellen im Umgang mit psychischer Gesundheit abbauen.

Drei Begriffe mit positiver Valenz aus der Psychotherapie und Psychologie

- Kongruenz
beschreibt die Echtheit und Übereinstimmung zwischen dem Denken, Fühlen und Handeln, das heißt dem inneren Erleben eines Menschen. Sie steht für Authentizität.
- Validierung
bezeichnet die wertschätzende Anerkennung der Gefühle und subjektiven Erfahrungen eines Menschen. Erlebnisse werden als nachvollziehbar ernst genommen, ohne sie automatisch zu bewerten oder zu bestätigen.
- Resilienz
beschreibt die Fähigkeit eines Menschen, Krisen, Belastungen und Rückschläge zu bewältigen - mit Optimismus, Akzeptanz, erreichbarer Hilfe und Vertrauen in die eigene Selbstwirksamkeit.

Drei Begriffe mit negativer Valenz aus der Psychotherapie und Psychologie

- Rumination
bezeichnet das andauernde, kreisende Grübeln über belastende Gedanken oder vergangene Ereignisse, ohne zu einer Lösung zu gelangen.
- Dissoziation
ist ein psychischer Schutzmechanismus, bei dem Wahrnehmung, Bewusstsein oder Erinnerungen zeitweise voneinander getrennt werden. Betroffene beschreiben häufig das Gefühl, neben sich zu stehen oder die Umgebung wie durch einen Schleier wahrzunehmen.
- Prokrastination
die „Aufschieberitis“ beschreibt das wiederholte Aufschieben wichtiger Aufgaben trotz negativer Folgen und über das "Aufschieben" hinaus.

  1. Psychiatriekoordinatorin Nadine Riedel

    Die Psychiatriekoordinatorin für Kinder & Jugendliche moderierte und begann mit der Hauptfrage: Was trägt Menschen durch solche Zeiten?

    Begrüßung bei der Auftaktveranstaltung der dritten Nürnberger Woche der seelischen Gesundheit, Bild © Janina Barth/Gesundheitsamt Stadt Nürnberg
  2. Die persönliche Expertin Nadja zum Thema Rumination

    Die persönliche Expertin Nadja kommt mit ihren Gedanken von Verantwortlichkeit und Schuldgefühl nicht zu einem Abschluss - sie "kreisen" unaufhörlich.

    Nadja, persoenliche Expertin für Rumination, Bild © Janina Barth, Gesundheitsamt Stadt Nürnberg
  3. Validierung, Kongruenz und Resilienz der Positivvalenz

    Wenn inneres Erleben und äusseres Verhalten übereinstimmen, Erfahrungen anerkannt und innere Kraft entstehen kann, ist viel gewonnen.

    Sechs Begriffe aus der Psychotherapie - mit positiver und negativer Valenz, Bild © Janina Barth/Gesundheitsamt Stadt Nürnberg
  4. Dr. Domenika Mahr, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

    Die Oberärztin leitet die Station für affektive Störungen & DBT-Krisenintervention an der Klinik für Psychiatrie & Psychotherapie am Klinikum Nürnberg

    Dr. Domenika Mahr vom Klinikum Nürnberg mit einem Fachvortrag, Bild © Dr. Ulrike Goeken-Haidl / Gesundheitsamt Stadt Nürnberg
  5. Referentin Britta Walthelm und Andrea Sitzmann/Sozialreferat

    Britta Walthelm und Andrea Sitzmann vom Sozialreferent dachten über die mentale Gesundheit als essentielle Aufgabe einer Stadt(gesellschaft) nach.

    Psychische Gesundheit als Aufgabe einer Stadt, Bild © Dr. Ulrike Goeken-Haidl / Gesundheitsamt Stadt Nürnberg
  6. 120 Veranstaltungen mit zahlreichen Kooperationspartnern

    Interessierte erwartet ein umfangreiches Programm mit 120 Veranstaltungen zum Thema - mit unterschiedlichen Zugängen und überall im Stadtgebiet.

    Die Kooperationspartner der dritten Woche der seelischen Gesundheit, Bild © Janina Barth/Gesundheitsamt Stadt Nürnberg

Ausstellung rückt junge Perspektiven in den Mittelpunkt

Begleitend zur Aktionswoche zeigt das Gesundheitsamt im Gesundheitsstudio in der Burgstraße 4, 2. Stock, die Ausstellung „YOUth Mental Health Matters“. Sie rückt die psychische Gesundheit junger Menschen in den Mittelpunkt und ist während des gesamten Veranstaltungszeitraums zu den Öffnungszeiten des Gesundheitsamts zugänglich. Die vom Verein Mutmachleute e.V. entwickelte Ausstellung setzt dort an, wo der Handlungsbedarf besonders groß ist: Psychische Erkrankungen sind häufig und beginnen vielfach bereits in den ersten beiden Lebensjahrzehnten. „YOUth Mental Health Matters“ verbindet persönliche Erfahrungsberichte junger Menschen mit fachlichen Impulsen aus Psychologie und Sozialer Arbeit. Entstanden ist sie in einem partizipativen Projekt, bei dem junge Menschen ihre Erfahrungen, Gedanken und Perspektiven aktiv eingebracht haben. Ein gemeinsames Fotoshooting in Berlin war dabei ein kreativer Bestandteil.

Die Ausstellung kann montags bis freitags von 8 bis 11.30 Uhr sowie von 13 bis 16 Uhr im barrierefrei zugänglichen Gesundheitsstudio im 2. Stock im Gesundheitsamt besucht werden.

Ausstellung YOUth mental health matters, Bild © mutmachleute e.V.

Besonders vulnerabel in Zeiten der multiblen Krisen: Kinder und Jugendliche

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene stehen angesichts globaler Krisen, gesellschaftlicher Umbrüche und wachsender Leistungsanforderungen unter erheblichem Druck. Studien zeigen, dass inzwischen rund jedes fünfte Kind und jeder fünfte Jugendliche in Deutschland Hinweise auf psychische Auffälligkeiten aufweist. Besonders häufig sind Symptome von Depressionen, Angststörungen und ADHS.

Nicht jede psychische Belastung mündet in eine behandlungsbedürftige Erkrankung. Entscheidend ist jedoch, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und jungen Menschen niedrigschwellige Unterstützung anzubieten. Präventionsangebote und frühe Hilfen stärken die seelische Gesundheit, fördern den offenen Umgang mit psychischen Belastungen und können dazu beitragen, die Entstehung oder Verschlimmerung psychischer Erkrankungen zu verhindern.

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