Einladung zum Auftakt der "Woche der seelischen Gesundheit" 2026
Auftaktveranstaltung zur therapeutischen Haltung
Die offizielle Auftaktveranstaltung der "Woche der seelischen Gesundheit" am Freitag, 9. Oktober, im Schönen Saal im Rathaus, Rathausplatz 2, von 17 bis 19 Uhr, wird die Frage zum Mittelpunkt haben, wie das Thema psychische Gesundheit erfahrbar gemacht weden kann, wie Betroffenen eine Stimme gegeben, Fachwissen verständlich vermittelt und die Verantwortlichkeit der Stadtgesellschaft sichtbar gemacht werden kann.
Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Bedeutung die innere Haltung von Fachkräften, Angehörigen und der Gesellschaft insgesamt für die psychische Gesundheit hat. Wertschätzung, Empathie, Authentizität und Respekt bilden die Grundlage gelingender Beziehungen – unabhängig davon, ob es um Kinder und Jugendliche, Erwachsene oder ältere Menschen geht. Die Veranstaltung beleuchtet das Thema generationenübergreifend und lädt zum fachlichen wie persönlichen Austausch ein. Interessierte sind herzlich willkommen.
Menschen mit eigener Erfahrung psychischer Belastungen werden den Themenabend eröffnen. In Form von etwa fünfminütigen Poetry- oder Erfahrungsbeiträgen werden sie Einblicke in ihr Leben geben. Dabei werden psychologische Begriffe und Symptome sichtbar gemacht und diese mit kurzen Erläuterungen verknüpft.
Den fachlichen Input bestreitet Dr. med. Dominika Mahr, Oberärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, am Klinikum Nürnberg, Campus Nord. Sie wird die therapeutischen Perspektiven vorstellen und damit wesentliche Antworten auf die überwölbende Frage des Abends geben: "Was trägt Menschen durch diese herausfordernden Zeiten einer psychischen Erkrankung?"
Beiträge der Referentin für Umwelt und Gesundheit Britta Walthelm runden den Auftaktabend thematisch ab, der mit einem moderierten Gespräch zum Thema psychische Gesundheit und Stadtgesellschaft abschließt.
Psychische Gesundheit sichtbar machen
Ein besonderes Element der diesjährigen Aktionswoche ist eine stadtweite Informationskampagne, die zentrale Begriffe aus Psychotherapie und Psychiatrie verständlich erklärt und damit Berührungsängste abbauen möchte.
Sechs Begriffe, die in der Fachsprache häufig verwendet werden, stehen exemplarisch für unterschiedliche Aspekte seelischer Gesundheit und psychischer Erkrankungen. Diese sechs Begriffe bilden zugleich die thematischen Schwerpunkte der dritten Nürnberger Woche der seelischen Gesundheit.
Während der Aktionswoche werden sie im gesamten Stadtgebiet sichtbar sein – auf City-Light-Boards, im Fahrgastfernsehen des öffentlichen Nahverkehrs sowie auf ansprechend gestalteten Postkarten, die in Kulturläden, gastronomischen Betrieben, Arztpraxen und Apotheken ausliegen werden.
Ziel der Kampagne ist es, psychologische Fachbegriffe verständlich zu machen, Interesse zu wecken und niedrigschwellige Gesprächsanlässe über psychische Gesundheit zu schaffen.
Drei Begriffe mit positiver Valenz aus der Psychotherapie und Psychologie
- Kongruenz beschreibt die Echtheit und Übereinstimmung zwischen dem Denken, Fühlen und Handeln eines Menschen. Sie steht für Authentizität und dafür, mit sich selbst im Einklang zu sein.
- Validierung bezeichnet die wertschätzende Anerkennung der Gefühle und subjektiven Erfahrungen eines Menschen. Erlebnisse werden als nachvollziehbar ernst genommen, ohne sie automatisch zu bewerten oder zu bestätigen.
- Resilienz beschreibt die Fähigkeit eines Menschen, Krisen, Belastungen und Rückschläge zu bewältigen - mit Optimismus, Akzeptanz und Vertrauen in die eigene Selbstwirksamkeit.
Drei Begriffe mit negativer Valenz aus der Psychotherapie und Psychologie
- Rumination bezeichnet das andauernde, kreisende Grübeln über belastende Gedanken oder vergangene Ereignisse, ohne zu einer Lösung zu gelangen.
- Dissoziation ist ein psychischer Schutzmechanismus, bei dem Wahrnehmung, Bewusstsein oder Erinnerungen zeitweise voneinander getrennt werden. Betroffene beschreiben häufig das Gefühl, neben sich zu stehen oder die Umgebung wie durch einen Schleier wahrzunehmen.
- Prokrastination die „Aufschieberitis“ beschreibt das wiederholte Aufschieben wichtiger Aufgaben trotz negativer Folgen und über das "Aufschieben" hinaus.
Ausstellung rückt junge Perspektiven in den Mittelpunkt
Begleitend zur Aktionswoche zeigt das Gesundheitsamt in seinem Gesundheitsstudio in der Burgstrasse 4, 2. Stock, die Ausstellung „YOUth Mental Health Matters“, die während des gesamten Veranstaltungszeitraums zu den Öffnungszeiten des Gesundheitsamts besucht werden kann.
Mit seinen Modulen setzt der Verein Mutmachleute e.V. genau dort an, wo der Handlungsbedarf derzeit besonders groß ist: bei der psychischen Gesundheit junger Menschen Psychische Erkrankungen sind häufig und beginnen meist in den ersten zwei Lebensjahrzehnten.
Die Ausstellung verbindet persönliche Erfahrungsberichte junger Menschen mit fachlichen Impulsen aus Psychologie und Sozialer Arbeit. Sie entstand im Rahmen eines partizipativen Projekts, bei dem junge Menschen ihre Erfahrungen, Gedanken und Perspektiven aktiv eingebracht haben. Ein gemeinsames Fotoshooting in Berlin bildete dabei einen kreativen Bestandteil des Projekts. Die Ausstellung macht deutlich, wie unterschiedlich psychische Belastungen erlebt werden und wie wichtig Offenheit, Verständnis und frühzeitige Unterstützung insbesondere für junge Menschen sind.
Besonders vulnerabel in Zeiten der multiblen Krisen: Kinder und Jugendliche
Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene stehen angesichts globaler Krisen, gesellschaftlicher Umbrüche und wachsender Leistungsanforderungen unter erheblichem Druck. Studien zeigen, dass inzwischen rund jedes fünfte Kind und jeder fünfte Jugendliche in Deutschland Hinweise auf psychische Auffälligkeiten aufweist. Besonders häufig sind Symptome von Depressionen, Angststörungen und ADHS.
Nicht jede psychische Belastung mündet in eine behandlungsbedürftige Erkrankung. Entscheidend ist jedoch, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und jungen Menschen niedrigschwellige Unterstützung anzubieten. Präventionsangebote und frühe Hilfen stärken die seelische Gesundheit, fördern den offenen Umgang mit psychischen Belastungen und können dazu beitragen, die Entstehung oder Verschlimmerung psychischer Erkrankungen zu verhindern.