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Functional Food - Gesundheit aus dem Supermarkt?

Was ist Functional Food?

In Deutschland gibt es bisher keine verbindliche und eindeutige Erklärung für den Begriff "Functional Food". Ins Deutsche übersetzt spricht man von funktionellen Lebensmitteln. Nach der vorläufigen Definition versteht man unter Functional Food Lebensmittel, die einen Gesundheitsnutzen aufweisen, der über die normalerweise vorhandenen Nährstoffe hinaus-geht. Sie haben entweder einen fördernden Effekt auf das Wohlbefinden oder wirken der Entstehung von Krankheiten entgegen.

Wie sind die rechtlichen Grundlagen?

Das Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LMBG) definiert Lebensmittel als Stoffe, die dazu bestimmt sind, in unverändertem, zubereitetem oder verarbeitetem Zustand von Menschen verzehrt zu werden; ausgenommen sind Stoffe, die überwiegend dazu bestimmt sind, zu anderen Zwecken als zur Ernährung oder zum Genuss verzehrt zu werden. Rechtlich ist demnach ein Lebensmittel, das mit dem Hinweis z. B auf seine cholesterin-senkende Wirkung verkauft wird, gar kein Lebensmittel mehr, sondern ein Arzneimittel. Diese müssen aber klinisch auf Nebenwirkungen untersucht werden. Eine Prozedur, die man sich bei Lebensmitteln kaum vorstellen kann. Für Lebensmittel gilt außerdem das Verbot der gesundheitsbezogenen Werbung, so darf z. B. nicht damit geworben werden, dass ein Lebensmittel vor dem Herzinfarkt schützt.

Nimmt man die Aussagen, mit denen manche Functional Foods beworben werden, einmal genauer unter die Lupe, wird deutlich, dass sich viele rechtlich auf schwachem Boden bewegen. In § 17 LMBG heißt es dazu: Es ist verboten, ... Lebensmittel unter irreführender Bezeichnung, Angabe oder Aufmachung gewerbsmäßig in den Verkehr zu bringen oder für Lebensmittel allgemein oder im Einzelfall mit irreführenden Darstellungen oder sonstigen Aussagen zu werben. Eine Irreführung liegt insbesondere dann vor,

  • wenn Lebensmitteln Wirkungen beigelegt werden, die ihnen nach Erkenntnissen der Wissenschaft nicht zukommen oder die wissenschaftlich nicht hinreichend gesichert sind,
  • wenn zur Täuschung geeignete Bezeichnungen, Angaben, Aufmachungen, Darstellungen oder sonstige Aussagen über die Herkunft, der Lebensmittel, ihre Menge, ihr Gewicht, über den Zeitpunkt der Herstellung oder Abpackung, über ihre Haltbarkeit oder über sonstige Umstände, die für ihre Bewertung mitbestimmend sind, verwendet werden,
  • wenn Lebensmitteln der Anschein eines Arzneimittels gegeben wird.

Was macht aus einem Lebensmittel ein Functional Food?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten ein Lebensmittel so zu verändern, dass aus ihm ein funktionelles Lebensmittel entsteht:

  • Erhöhung der Konzentration eines natürlichen Bestandteiles (Bsp.: Lachse, die mit Omega-3-Fettsäuren gefüttert werden)
  • Entfernung eines Lebensmittelbestandteiles (Bsp.: fettarme Milch)
  • Zusatz von Stoffen, die üblicherweise in dem Lebensmittel nicht vorkommen (Bsp.: Vitaminzusätze)
  • Ersatz eines negativ bewerteten Bestandteiles durch einen positiv bewerteten (Bsp.: Süßstoffe statt Zucker)
  • Verbesserung der Bioverfügbarkeit (Bsp.: Kombination von Eisen und Ascorbinsäure)

Welche funktionellen Lebensmittel befinden sich in Deutschland auf dem Markt?

In Deutschland befinden sich zur Zeit über 1.400 funktionelle Lebensmittel auf dem Markt. Marktführend sind die mit Zusatzstoffen aufgepeppten Fruchtsaftgetränke und Fruchtsäfte sowie die probiotischen Joghurts. Aber auch Getreideprodukte, Frischkäse, Margarine und sogenannte Sportlergetränke gewinnen eine immer größere Bedeutung. Daneben findet man auch mit Zusatzstoffen angereicherte Eier, Milch, Tiefkühlgemüse, Bonbons und vieles andere mehr.


Was sind probiotische und prebiotische Joghurts?

Unter Probiotika versteht man lebende Mikroorganismen, die auf den menschlichen Organismus einen günstigen gesundheitlichen Einfluss haben sollen. Bei den Mikroorganismen, die in Joghurts eingesetzt werden, handelt es sich um Milchsäurebakterien, die sich bei regelmäßigem Verzehr in der Darmflora ansiedeln und dort krankmachende Erreger verdrängen und einen positiven Einfluss auf das Immunsystem haben sollen.
Unter Prebiotika versteht man nicht verdauliche Lebensmittelbestandteile, also Ballaststoffe, die das Wachstum und/oder die Aktivität bestimmter Bakterien selektiv fördern. In einigen Joghurts findet man sowohl Probiotika als auch Prebiotika als Nahrung für die Probiotika.

Lässt sich mit Probiotika das Immunsystem stärken?

Zwar konnte durch probiotische Joghurts ein Einfluss auf das Immunsystem gezeigt werden, ob dieser Einfluss aber auch tatsächlich zu einer Stärkung und damit zur Verhinderung von Krankheiten führt ist bislang unklar. Normale Milchsäurebakterien, wie sie in jedem Joghurt und Sauerkraut vorhanden sind, haben im Übrigen die gleiche Wirkung. Daher stellt sich die Frage, ob es wirklich notwendig ist, das zwei- bis dreifache an Geld hinzulegen um den gleichen Effekt zu erzielen.

Beugen probiotische Joghurts der Neurodermitis vor?

In einer finnischen Studie erhielten Schwangere, bei denen in der Familie Atopien (Neurodermitis) vorkamen, zwei bis vier Wochen vor der Geburt Lactobazillen (Probiotika). Ihre Neugeborenen bekamen dann über sechs Monate lang hochdosiert Lactobazillen.
Es zeigte sich, dass die Einnahme der Lactobazillen das Risiko für ein atopisches Ekzem in den ersten beiden Lebensjahren halbieren konnte. 15 der 64 Kinder, die Probiotika erhielten, und 31 von 68 ohne Lactobazillen-Zugabe bekamen in diesem Zeitraum ein atopisches Ekzem. Auch nach vier Jahren hielt der positive Effekt noch an: Nur 14 von 53 Kindern, die Probiotika eingenommen hatten, litten unter Neurodermitis. Von 54 aus der Kontrollgruppe ohne Lactobazillen waren demgegenüber 25 erkrankt.
Da die Anzahl der Studienteilnehmer zu klein war, um endgültige Aussagen zur Vorbeugung der Neurodermitis zu treffen, laufen zur Zeit weitere Studien mit einem größeren Patienten-Kollektiv.

Welchen Nutzen bieten ACE-Getränke?

Vitamin A und seine Vorstufe in pflanzlichen Lebensmitteln, das ß-Carotin, Vitamin C und Vitamin E sind seit langem für ihre antioxidative Wirkung bekannt. Sie können die körpereigenen Schutzmechanismen gegen freie Radikale unterstützen. Freie Radikale sind hochreaktive Verbindungen im menschlichen Körper, die als Mitverursacher für Krankheiten wie Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall ausgemacht wurden.
Bestärkt durch solche Forschungsergebnisse ist die Lebensmittelindustrie dazu überge-gangen, auch Säften antioxidative Vitamine zuzusetzen. Mit Werbeaussagen wie "stärkt die Abwehrkräfte" soll der gesundheitsbewusste Verbraucher zum zusätzlichen Kauf sogenannter ACE-Getränke angeregt werden. Vorwiegend bestehen solche Getränke aus Orangen- und Karottensaft, die mit Antioxidantien zusätzlich angereichert werden.
Die Heart Protection Studie mit über 20.000 Teilnehmern hat jedoch gezeigt, dass Vitaminzusätze in keinerlei gesundheitlichen Nutzen bringen. Bei ß-Carotin-Präparaten stellte sich in zwei finnischen Studien sogar heraus, dass starke Raucher bei zusätzlicher Einnahme von ß-Carotin ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs haben.
Eine reichliche Zufuhr von Antioxidantien über frisches Gemüse und Obst und naturbelassene Säfte begrüßen Ernährungswissenschaftler dagegen. Die Ernährungskampagne "5 am Tag" empfiehlt in diesem Zusammenhang den Verbrauchern, 5 Portionen Gemüse und Obst am Tag, ob roh, gekocht oder als Saft zu essen bzw. zu trinken.

Schützt mit Phytosterolen angereicherte Margarine oder Joghurt vor Herzinfarkt?

Ähnlich wie das Cholesterol für tierischen Zellen, stellen Phytosterole wichtige Bestandteile der Zellmembranen pflanzlicher Zellen dar, wobei besonders fettreiche Pflanzenteile wie z.B. Samen reich an diesen Verbindungen sind. Sie gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen. Phytosterole hemmen durch ihre Ähnlichkeit mit Cholesterol im Darm des Menschen die Aufnahme von Cholesterol und tragen somit dazu bei den Cholesterinspiegel zu senken.
Mit der Diät-Margarine "becel pro activ" wurde im Juli 2002 zum ersten Mal in Deutschland ein Lebensmittel zugelassen, das durch den Zusatz von Phytosterinen in der Lage ist, das LDL-Cholesterin im Blut um 10 - 15% zu senken und damit auch werben darf. Mittlerweile sind dem einige neue Produkte wie z.B. mit Phytostanol angereicherter Joghurt gefolgt. Empfohlen wird die Margarine Menschen mit erhöhtem Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.
Wie sich allerdings die erhöhte Zufuhr von Phytosterolen langfristig auf die Gesundheit auswirkt, welche Nebenwirkungen vor allem auch bei Kindern eventuell auftreten, ist bisher völlig unklar.


Kann man mit Phytoöstrogenen dem Brustkrebs vorbeugen?

Auch Phytoöstrogene zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen. Durch ihre chemische Ähnlichkeit mit den weiblichen Geschlechtshormonen entfalten sie im menschlichen Körper hormonähnliche Wirkungen, allerdings ist ihre Wirkung um den Faktor 100 bis 10.000 geringer. Phytoöstrogene findet man natürlicherweise in Hülsenfrüchen und hier vor allem in Soja, aber auch im Rotklee und anderen Pflanzen.
Da Asiatinnen wesentlich seltener an Brustkrebs erkranken als Europäerinnen und etwa zehnmal mehr Phytoöstrogene durch die Nahrung aufnehmen, ging man davon aus, dass die im Soja vorhandenen Phytoöstrogene vor Brustkrebs schützen können. In den bis dato vorliegenden prospektiven Studien konnte jedoch ein protektiver Effekt von Phytoöstogenen hinsichtlich Brustkrebs nicht gezeigt werden.

Helfen Phytoöstrogene bei Wechseljahrsbeschwerden?

In Apotheken und Reformhäusern werden zunehmend Phytoöstrogene auf der Basis von Soja- und Rotklee-Extrakten zur Linderung von Wechseljahrsbeschwerden angeboten. Sie gelten als Alternative zur klassischen Hormonersatztherapie.
Es wurden klinische Studien durchgeführt, um den Einfluss von Phytoöstrogenen auf Wechseljahrsbeschwerden zu testen. In der Mehrzahl der Studien konnte keine oder höchstens geringe Abnahme von Hitzewallungen und Schweißausbrüchen im Vergleich mit Placebo-Behandlung beobachtet werden. Als Problem erwies sich dabei, dass häufig bereits in der Placebogruppe eine 20-30%-ige Abnahme der Beschwerden festzustellen war, wodurch die Beurteilung der Studienergebnisse deutlich erschwert wurde.

Schützen mit Calcium angereicherte Obstsäfte vor der Osteoporose?

Bisherige Studien konnten nicht belegen, dass eine vermehrte Zufuhr von Calcium alleine das Risiko für die Osteoporose senkt. Lediglich die gemeinsame Gabe von Calcium und Vitamin D konnte die Häufigkeit von Oberschenkelhalsbrüchen senken, allerdings nur bei Patientinnen, die vor der Behandlung einen Mangel an Calcium und Vitamin D aufwiesen, also bereits eine senile Osteoporose hatten.
In einem internationalem Vergleich konnte gezeigt werden, dass mit steigendem Konsum an Calcium in Form von Milchprodukten die Schenkelhalsbrüche sogar zunehmen. Ebenso konnten Alkohol, Kaffee, Nikotin, eiweißreiche Ernährung und Bewegungsmangel als Risiko-faktor für die Osteoporose nachgewiesen werden.

Welchen gesundheitlichen Effekt haben Omega-3-Fettsäuren?

Schon seit längerem weiß man, dass fischessende Völker seltener eine Herzinfarkt erleiden als Bevölkerungsgruppen, bei denen Fisch weniger oft auf den Tisch kommt. Vor allem fettreicher Fisch, der in kalten Gewässern lebt, wie Lachs oder Hering, zeigt diesen positiven Effekt. Diese Fische sind besonders reich an sog. Omega-3-Fettsäuren, die entzündungs-hemmend wirken, der Verklumpung von Blutplättchen entgegenwirken und sich günstig auf die Verteilung der Blutfette auswirken.
In einer Studie des nationalen Instituts für öffentliche Gesundheit der Niederlande (RIVM) wurde allerdings nachgewiesen, dass die mehrfach ungesättigten Fettsäuren offensichtlich nur in Kombination mit anderen natürlichen Stoffen ihre Wirkung entfalten. Außerdem wurde inzwischen festgestellt, dass die Gabe isolierter Omega-3-Fettsäuren beispielsweise die Blutgerinnung stören kann. Das bedeutet für die Verbraucherin und den Verbraucher, dass es wenig Sinn macht mit Omega-3-Fettsäuren angereicherte Lebensmittel zu essen, wohingegen regelmäßiger Verzehr von Fisch sich tatsächlich günstig auf die Gesundheit auswirkt.

Für wen sind funktionelle Lebensmittel geeignet?

Einzelne funktionelle Lebensmittel können für kranke Menschen Sinn machen. Für die meisten Menschen gilt jedoch nach wie vor, dass der gesundheitliche Effekt von abwechslungsreicher, ausgewogener Ernährung mit einem hohen Anteil an Gemüse und Obst durch nichts zu überbieten ist und alles bietet, was der Körper braucht.

Mehr Infos erhalten Sie bei dem Sachgebiet Umweltmedizin/ Gesundheitlicher Verbraucherschutz im Gesundheitsamt Nürnberg:
Tel.: 0911/231-7620

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