Kontakt

Geschichte und Sozialkunde

Sozialkundefahrt der 10. Klassen nach Berlin 2018

Begonnen hat die Berlinfahrt am ersten Tag mit einer Fotorallye, bei der wir in Gruppen Bilder von uns und den Sehenswürdigkeiten machen sollten. Auf diese Weise konnte jede Gruppe selbst entscheiden, welche Sehenswürdigkeiten für sie am interessantesten sind und diese daraufhin besichtigen. Der Gruppe mit den besten Bildern wurde natürlich noch ein Preis versprochen, weshalb sich alle um möglichst schöne Fotos bemühten und wobei auch erstaunliche Ergebnisse entstanden sind!
Am zweiten Tag machten wir uns gemeinsam auf den Weg zur Friedrichstraße, wo wir eine Bootstour entlang der Spree machten. Mit ein paar Decken schützten wir uns vor der Kälte und hörten dem Sprecher zu, der uns über einige Sehenswürdigkeiten und Berlin selbst informierte.
Später begaben wir uns gemeinsam zum Bundestag. Dort durften wir live bei der Regierungserklärung dabei sein, wobei wir erst die Bundeskanzlerin reden hörten und dann die Parteivorsitzenden einiger anderer Parteien. Wir konnten uns leider nicht alle Reden anhören, da die Zeit für Schulklassen nur begrenzt war, dennoch war es eine schöne Erfahrung und etwas ganz Besonderes, selbst dabei gewesen zu sein und die Parteivorsitzenden und die Bundeskanzlerin einmal in Person gesehen zu haben. Danach hat ein Vorsitzender der Grünen einen Vortrag über seine Stellung und Politik generell gehalten, wobei wir auch Fragen stellen konnten.

Weiterlesen...

Am Abend machten wir uns auf den Weg zum Kabarett der Stachelschweine. Dort wurden verschiedene, besonders politische, Themen angesprochen und auf lustige Weise veräppelt.

Am dritten Tag hatten wir einen Termin beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Nach einem Vortrag über genveränderte Sojasprossen sollten wir uns nun selbst in bestimmte, zugeteilte Rollen versetzen und in einem Planspiel in Gruppen gegeneinander debattieren, ob z.B. beim Anbau Mindestabstände zwischen normalen und genveränderten Sojasprossen eingeführt werden sollten. Wir mussten uns in die Rolle des Fachverbands der Imbissbesitzer, der Gemeinschaft der naturnahen Landwirte, der Gemeinschaft der Saatguthersteller, des Verbands der Landwirte, des Imkerverbands, des Verbraucherschutzes, des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und der Landesverbände Baden-Württembergs und Sachsen-Anhalts versetzen und Argumente sammeln, um später bei der Diskussion die anderen Interessensgruppen von ihren Standpunkten zu überzeugen. Nachdem die Ministerin und ihre Stellvertreterin alle Meinungen gehört hatten, entschieden sie über das weitere Vorgehen in Bezug auf den Einsatz der genmanipulierten Sojasorte "Sustain".

Auf jeden Fall kann man sagen, dass die Berlinfahrt eine sehr schöne Fahrt war, auf der wir einiges über Politik und auch Geschichte dazulernen konnten. Es war für jeden was dabei und wir hatten alle sehr, sehr viel Spaß mit den Lehrkräften, die uns eine schöne und lustige Zeit ermöglichten.

Honja, Laura (10. Klasse)

Vergangenheit, die nicht vergeht

Antifaschismuswoche der 9. Klassen

Die 9. Klassen des Gymnasiums genießen das „Privileg“, dass sie anstelle dreier Thementage eine ganze Woche Zeit haben, sich mit ihrem Thema, dem Nationalsozialismus und seinen heutigen Erscheinungsformen auseinanderzusetzen.

Ein Zeitzeuge

„Ich habe Gott gefragt: Warum? – Ich warte noch auf die Antwort.“
Im Februar 2017 hatten wir das Glück, dass wir die Themenwoche mit einem der letzten noch lebenden Zeitzeugen der NS-Barbarei eröffnen konnten. Auf Vermittlung des Nürnberger Lehrer- und Lehrerinnenvereins NLLV durften wir Herrn Abba Naor an unserer Schule begrüßen. In seinem zweistündigen Vortrag schilderte der 89-Jährige den Schülerinnen und Schülern seine Lebensgeschichte unter der NS-Herrschaft.

Weiterlesen...

Der 1928 in Kaunas in Litauen Geborene erlebte als Kind den Beginn der Judenverfolgung in seiner Heimat. Nachbarn wurden plötzlich zu Feinden, die Juden waren an den Übeln der Welt schuld. Mit der deutschen Besetzung 1941 begann der systematische Massenmord an den litauischen und nach Litauen deportierten Juden durch die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD mit tatkräftiger Unterstützung durch litauische Hilfswillige – lange vor der „Wannseekonferenz“ 1942.
Naors Familie muss in das Ghetto in Kaunas umziehen. Sein älterer Bruder Chaim wird dort von der SS erschossen. 1944 wird die Familie in das KZ Stutthof bei Danzig deportiert. Abba wird von seinem Vater getrennt und erlebt mit, wie seine Mutter und der jüngerer Bruder nach Auschwitz-Birkenau abtransportiert werden. Er sieht sie nie wieder. Vom Lager Utting am Ammersee, wo der inzwischen 16-Jährige eine relativ erträgliche Arbeit hat, meldet er sich freiwillig für das Lager Kaufering I, weil er dort seinen Vater vermutet. Die Außenlager des Konzentrationslagers Dachau bei Kaufering/Landsberg waren die fürchterlichsten in Süddeutschland. Ungefähr die Hälfte der 30 000 jüdischen Zwangsarbeiter für die deutsche Rüstungsindustrie kam zu Tode. Nach der Befreiung, die er auf einem „Todesmarsch“ der Dachauer KZ-Häftlinge am 2. Mai 1945 erlebt, findet er seinen Vater wieder. Als er 1946 in München einen ehemaligen Schutzpolizisten erkennt, der in Kaunas den Leuten gerne gefüllte Wasserflaschen vom Kopf geschossen hatte, beschließt Abba Naor, nach Palästina zu gehen.
Trotzdem kehrt er in den 1960er Jahren nach Deutschland zurück, inzwischen pendelt er zwischen seinem Wohnsitz in Israel und Deutschland: Er arbeitet im Internationalen Dachau-Komitee und erzählt Schülern seine Geschichte, so oft er kann. Am Tag vor seinem Auftritt an der PVS führte er den neuen US-Vizepräsidenten Mike Pence durch die Dachauer Gedenkstätte. Er berichtete Pence und Familie persönlich von dem Grauen damals. „Da ich ein Erzähler bin, habe ich ihm erzählt“, sagt Naor nachher. „Und er war sehr neugierig, er hat alles wissen wollen.“

Ort der Täter

Nach dem Bericht über die Leiden der Opfer erkunden die Schüler am nächsten Tag den Ort der Täter: Das Nürnberger Reichsparteitagsgelände und das Dokumentationszentrum. Wie einen Pfahl in des Herz des Vampirs hat der Architekt die Achse des Dokuzentrums durch den Kopfbau der Kongresshalle getrieben. Die Schüler erlaufen die monströse Anlage, die den einzelnen verschwinden und nur Menschenmassen sichtbar werden lässt: Kongresshalle, Große Straße, Zeppelinfeld. An der Zeppelintribüne stellt sich die Frage, was mit den Überresten der faschistischen Selbstdarstellung geschehen soll – verfallen lassen oder konservieren? Lohnt es sich, 70 Millionen Euro für die Erhaltung der steinernen Zeugnisse der NS-Ideologie auszugeben, weil die letzten noch lebenden Zeitzeugen ihre Erinnerungen nicht mehr lange weitergeben können?

Weiterlesen...

Die Entstehung der NSDAP nach dem ersten Weltkrieg, ihren Aufstieg in den 1920er Jahren bis hin zur Machtübertragung an die Regierung Hitler 1933 zeigen die ersten Räume des Dokuzentrums. Es folgen Propaganda und Selbstinszenierung auf den Reichsparteitagen, Verfolgung und Vernichtung der politischen Gegner und der als „minderwertig“ bezeichneten Menschen, der Weg in den Krieg und die Ankunft des Krieges in Deutschland mit Zerstörung und Tod, der Verwandlung Nürnbergs in eine Trümmerlandschaft. Der Schlusspunkt der Ausstellung bietet einen Blick auf die Nürnberger Prozesse, auch darauf, wie viele der verurteilten Täter, nach wenigen Jahren entlassen und rehabilitiert, ihre Karrieren fortsetzen konnten. Das letzte Wort am Ende der Ausstellung haben aber Überlebende des Grauens wie der Vorsitzende der Nürnberger Israelitischen Kultusgemeinde Arno Hamburger.

Ort des Grauens

Schon auf dem Weg nach Dachau erfahren die Schüler aus den Medien, wie eng die Geschichte mit der Gegenwart verknüpft ist: Am Tag unseres Besuchs in der KZ-Gedenkstätte wird das vor zwei Jahren gestohlene Lagertor mit seiner zynischen Aufschrift „Arbeit macht frei“ nach Dachau zurückgebracht. Wer die Diebe waren, weiß man nicht, es lässt sich aber vermuten, dass sie oder ihre Auftraggeber das Tor als makabren Spiegel ihrer eigenen Gesinnung besitzen wollten.

Weiterlesen...

Der Rundgang führt vom Besucherzentrum durch das Lagertor im Jourhaus auf den riesigen Appellplatz. Rechts stehen die Wirtschaftsgebäude, dahinter das Lagergefängnis, der „Bunker“: ein Ort unmenschlicher Strafen und unvorstellbarer Qualen, aber auch Unterkunft der „Sonderhäftlinge“ wie des Pastors Martin Niemöller oder des Hitler-Attentäters Georg Elser. Im Wirtschaftsgebäude nahm der so genannte Schubraum bei der Einlieferung der Häftlinge in das Lager eine zentrale Rolle ein. Dies war der Ort, an dem die Gefangenen den gewaltsamen Verlust aller persönlichen Rechte, Freiheiten und menschlicher Eigenständigkeit erlebten. Sämtliche persönlichen Gegenstände mussten hier abgegeben werden, die Gefangenen mussten sich ausziehen und wurden registriert. Bei Verlassen des Raumes hatten sie zuletzt auch noch ihren Namen verloren und wurden fortan von der SS nur noch über ihrer Gefangenennummer identifiziert.
Wir folgen der Lagerstraße, vorbei an den Steinfundamenten der Häftlingsbaracken und kommen zu den beiden Krematorien: das erste aus dem Jahr 1940, gegenüber die so genannte Baracke X, die im Jahr 1942/43 erbaut wurde. Daneben findet sich auch der Exekutionsort, an dem sowjetische Kriegsgefangene oder Gestapo-Häftlinge erschossen wurden. Die Öfen der Krematorien waren meist Tag und Nacht in Betrieb. Ende 1944 reichte die Kapazität für die Verbrennung der vielen Toten aus dem Lager nicht mehr aus. Bei der Befreiung des Lagers Ende April 1945 stießen die Amerikaner auf unzählige Leichen, die im Krematorium lagen. Die Bilder hiervon gingen um die Welt und zeigten das Ausmaß und die Konsequenz der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik.
Der Rückweg führt uns noch einmal in das Wirtschaftsgebäude, wo wir zum Abschluss den 1969 entstandenen Dokumentarfilm „Konzentrationslager Dachau 1933-1945“ sehen.

Aussteiger aus der Szene

Am Donnerstag kommen die Schüler zurück in die Gegenwart: Im Film „Kriegerin“ sehen sie die harte und gar nicht so seltene Geschichte einer jungen Frau, die fest in einer Neonazi-Clique verwurzelt ist. Die „Kriegerin“ Marisa, von ihrem Großvater im Geist des Nationalsozialismus erzogen, ist Anfang 20, sie ist aggressiv und schlägt zu, wenn ihr jemand dumm kommt. Sie hasst Ausländer, Politiker, den Kapitalismus, die Polizei und alle anderen, denen sie die Schuld daran gibt, dass ihr Freund im Knast sitzt und dass alles um sie herum den Bach runter geht. Trotzdem bringen traumatische Erfahrungen mit eigener Schuld ihr Weltbild so ins Wanken, dass sie sich aus der Szene zu lösen beginnt und einen Flüchtling unterstützt. Diese Befreiung aus ihrem ideologischen Käfig überlebt sie nicht.

Weiterlesen...

Nicht viel weniger spektakulär erscheint den Schülern die Erzählung von Felix Benneckenstein, eines Aussteigers aus der Nazi-Szene: In jungen Jahren ist er in die Szene gerutscht, zuerst über Musik. Er war dann jahrelang dabei, erlebte und lebte Gewalt, Ideologie und Hass in einem radikalen Umfeld. Als Liedermacher "Flex" hat er rechtsradikale Musik verfasst, gesungen und ist mit dieser in der Szene bekannt geworden. Hier lernte er auch seine spätere Frau kennen, mit der er gemeinsam - nach mehreren Rückschlägen, die ihn wieder an die Szene gefesselt haben, unter anderem eine Fehlgeburt - den Ausstieg vollzogen hat. Der Weg führt Felix Benneckenstein zu "Exit", eine Organisation, die Aussteiger aus dem Rechtsextremismus unterstützt, ein neues Leben aufzubauen. Zusammen mit seiner Verlobten gründet er schließlich die Aussteigerhilfe Bayern und wird Journalist. Mit der Angst vor seinen ehemaligen Kameraden hat er inzwischen gelernt zu leben. Aufgegeben hat er die Musik: Auch wenn die Gitarre nichts dafür kann, sagt er, erinnert ihn das zu sehr an die Lieder, die er in der Szene gespielt hat.

Medizin ohne Gewissen

Zum Abschluss der Woche wählen die Schüler zwischen zwei Workshops:
Im Memorium Nürnberger Prozesse im „Justizpalast“ in der Fürther Straße sehen sie zuerst die Ausstellung zum Hauptkriegsverbrecherprozess 1945/46, zu den Nachfolgeprozessen 1946-1949 und der weltgeschichtlicher Bedeutung den Nürnberger Prozesse. Durch sie wurde der moralische Anspruch des Rechts auch für das Völkerrecht geltend gemacht. "Die Untaten, die wir zu verurteilen und zu bestrafen suchen, waren so ausgeklügelt, so böse und von so verwüstender Wirkung, dass die menschliche Zivilisation es nicht dulden kann, sie unbeachtet zu lassen. Sie würde sonst eine Wiederholung solchen Unheils nicht überleben." (Robert H. Jackson, Chefankläger der USA, am 21. November 1945). Als "Nürnberger Prinzipien" sollten die Rechtsprinzipien dieser Prozesse Grundlage eines künftigen Völkerstrafrechts werden.

Weiterlesen...

Im anschließenden Workshop befassen sich die Schüler mit der „Medizin ohne Gewissen“. 1946/47 saßen in Nürnberg 22 ehemals führende Ärzte und Sanitätsbeamte sowie eine Ärztin auf der Anklagebank. Verantworten mussten sie sich für zahllose Morde, Grausamkeiten und unmenschliche Experimente, begangen in Konzentrationslagern, Versuchsanstalten, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Thematisiert werden die ideologischen Hintergründe der Medizinverbrechen und die praktischen Absichten, die dabei verfolgt wurden. Dazu analysieren die Schüler Beispiele des Beweismaterials und erhalten einen Einblick in die Verteidigungsstrategien der Angeklagten und die zeitgenössische Berichterstattung. Keiner der Angeklagten äußerte während des Verfahrens ein Wort des Bedauerns.

Rechtsextremismus im Alltag

„Sind alle Skinheads rechtsradikal? - „Was bedeuten die die Codes 88, 14, 28, etc.?“ - „Welche Musik hören Neo-Nazis?“ - „Was wollen die Rechten überhaupt?“ - „Und warum ist das Hakenkreuz in Deutschland verboten?“
Diese und viele weitere Fragen werden im Workshop „Rechtsextremismus im Alltag – erkennen und handeln“ diskutiert. Es geht darum, die Wahrnehmung zu schärfen, um rechtsradikale Parolen zu erkennen und zu hinterfragen: Ist es schlimm, wenn auf der Familienfeier Witze über Ausländer erzählt werden? Und wie schlimm ist es? Soll ich mitlachen, weghören oder etwas dagegen sagen? Was kann ich tun, wenn es in der Öffentlichkeit, im Bus oder in der U-Bahn zu Pöbeleien kommt? Wie kann ich eingreifen, ohne den Helden oder die Heldin zu spielen und mich selbst zu gefährden? Die Teamerinnen von DoKuPäd diskutieren und spielen mit den Schülern einschlägige Situationen durch und geben viele nützliche Tipps für ein couragiertes Verhalten gegenüber alten und neuen Nazis.

Interner Link: Kulturhauptstadt Europas 2025. Wir bewerben uns!

Abiturprüfung in Geschichte und Sozialkunde

Peter-Vischer Schule Logo
Zurück zum Seitenanfang URL dieser Seite:
<http://www.nuernberg.de/internet/peter_vischer_schule/geschichte.html>