Die Welt, in der wir leben ist ein menschliches Gestaltungsprodukt, das sich seit Generationen fortsetzt und verändert: Alte Techniken verschwinden, werden fast vergessen, um später wiederentdeckt zu werden. Kunstwerke und Architekturen werden in fortlaufenden Prozessen bewahrt, restauriert, neu rezipiert und auf diese wird wiederum in neuen Werken referiert. Bilder und Kunstgegenstände wurden in der Steinzeit mit einfachen Naturmaterialien angefertigt und zeugen vom damaligen Leben. Zum Teil gestalten Menschen noch heute ihre Umwelt auf die gleiche Art und Weise, zum Beispiel wenn sie ein politisches Graffiti auf einer Mauer platzieren, oder aber auch wenn sie auf einem Spaziergang am Wegesrand Steine so anordnen, dass sie anderen als Intervention auffallen.
Seit den technischen Innovationen im 19. Jahrhundert entstehen neue ungeahnte kulturelle Gestaltungsmöglichkeiten, wie die Fotografie, in Serie hergestellte Produkte, aber auch Werkstoffe wie Stahlbeton usw. Die scheinbar unendliche und wirklichkeitsgetreue Reproduzierbarkeit sind noch Novum. Die Kulturschaffenden waren zu jeder Zeit die ersten, die neue Impulse und inhaltliche Spannungen aufgriffen, mit diesen spielten und Fragen, häufig stellvertretend für uns alle, stellten oder Thesen formulierten.
Die gestaltete Welt, in der wir aktuell leben, ist überfüllt mit alten und neuen Bildern, Gebäuden, Filmen und Objekten – ganz zu schweigen von Designs, Mode und Styles. Durch Internet und Digitalisierung haben sich die Menge und Zugänglichkeit von Gestaltungsprodukten, Bildern, Filmen usw. wenigstens scheinbar vervielfältigt, neue Technik ermöglicht wieder neue zum Teil einfachere Gestaltungs- und Reproduktionsmöglichkeiten, die erneut die Grenze zwischen Konsum und Kunst verändern. Und trotzdem ist die Welt nicht komplett neu erfunden worden, die Grundlagen und Vorbilder bleiben oder koexistieren mit allem Neuen.
Um in eben dieser Welt ein gutes Fundament für die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten zu schaffen, legt die Fachschaft Wert auf eine sinnvolle Grundlagenbildung mit analogen Techniken und Materialien wie zum Beispiel Zeichnen mit Stift und Papier. Diesen kommt elementare Bedeutung zu, gerade, wenn diese später oder währenddessen durch digitale Techniken erweitert oder ersetzt werden. Hierbei sind Experimente, Skizzen und Entwürfe ebenso relevant wie planerisches und materialgerechtes Vorgehen sowie theoretische Grundlagen und kanonisches kunsthistorisches Wissen. Unser Ziel ist eine solide inhaltliche und praktische Kompetenz der Schülerinnen und Schüler, die deren eigenen Gestaltungsspielraum berücksichtigt, und sie dazu motiviert und befähigt, unsere Umwelt aktiv mitzugestalten und sich ein reflektiertes Urteil bilden zu können.
Keep on creating!
Aktuelles aus der Fachschaft:
Was ist Kultur? Fotoausstellung der Q11
Von der Hochkultur bis zum Ackerbau, von den Kulten, die gepflegt werden, bis hin zur kulturellen Identifikation, der Kulturlandschaft und dem Verhalten - was Kultur alles sein kann oder auch nicht, dem gehen die Fotografinnen und Fotografen des Fotokurses der Q 12 bei Frau Jozwiak in dieser Ausstellung auf den Grund.
Termin: 11.01.-11.02.2022 Vischers Kulturladen
Doch, wir dürfen das!
Im Rahmen der Feier zum 25-jährigen Jubiläum der Straße der Menschenrechte hat das Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg in Kooperation mit vielen verschiedenen Partnern, darunter auch Schulen, zu dieser Aktion eingeladen. Herr Theiss, Kunstlehrer an der PVS, hat sich zusammen mit 8 Schülerinnen und Schülern der 10. Klassen der PVS daran gemacht, das Thema zeitgemäß umzusetzen. Dass dies hervorragend gelungen ist, davon konnte man sich im Herbst 2018 in der Brückenstraße in Johannis überzeugen…
Ein Montag im Herbst, einer der letzten schönen Spätsommertage. Eine Gruppe Schülerinnen und Schüler zieht, mit Gepäck, Leiter und Abdeckplane ausgestattet, los und macht es sich vor einer großen Plakatwand gemütlich, um sie zu gestalten und 25 Jahre Menschenrechte zu feiern.
Es dauert keine 10 Minuten, bis die Polizei mit Blaulicht kommt und fragt, was denn hier los sei. Dürfen die da? Ja, dürfen sie! Es gibt Mails und Telefonkontakte, bis sichergestellt ist, dass hier nicht illegal gesprayt, sondern ein Schulprojekt in Zusammenarbeit mit der Stadt umgesetzt wird. Besorgte Anwohner haben die Polizei geholt, die berichtet, dass sie nicht nur einmal, sondern immer wieder angerufen worden ist, um auf die Aktion aufmerksam zu machen. Auch vorbeikommende Spaziergängerinnen und Spaziergänger, manche mit Rollator, nehmen das Projekt interessiert zur Kenntnis und fragen nach, so dass schnell ein Dialog entsteht.
Mindestens ebenso interessiert ist das später ankommende Filmteam, das sich sowohl für den umfangreichen Arbeitsprozess als auch die Meinung und Anliegen der Schülerinnen und Schüler interessiert und sie ausführlich interviewt. Besonderer Dank für diesen Einsatz an Herrn Theiss sowie alle Schülerinnen und Schüler, die durch ihren Arbeitseinsatz sehr zum tollen Ergebnis beigetragen haben.



