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Ein Tag mit dem Weiheraufseher

Klaus Kleinschroth mit einem Barsch

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Weiheraufseher Klaus Kleinschroth beschreibt seine Arbeitsstelle so: "Mein Job ist absolut abwechslungsreich. Ich bin viel draußen unterwegs. Doch empfindlich därfsd ned sei."


Das Wasser im Kleinen Valznerweiher reicht Klaus Kleinschroth gerade einmal bis zu den Knien. Große Teile des Teichs liegen trocken. Nur durch seine Mitte läuft noch ein Bach, angestaut von einer hölzernen Barriere. Daran macht sich Klaus Kleinschroth mit einem Zimmererhammer zu schaffen, lockert ein Brett. Ein Ruck: Die trübe Brühe schwappt zur tiefsten Stelle des Weihers und verschwindet gurgelnd in einem dunklen Loch. Ein eiserner Rechen bewahrt die Fische davor, vom Sog mitgerissen zu werden. Doch auch das viele Herbstlaub im Wasser bleibt daran hängen und verstopft den Ablauf. Immer wieder greift Klaus Kleinschroth zur Heugabel, um den Metallrost von den bunten Blättern zu befreien.


Herbstzeit ist Erntezeit

Kleinschroth, der Wasserbau-Azubi Rafael Segerer, sein Lehrgeselle Leonhard Beck sowie Teichwirt Peter Naumann vom Fischereiverband Mittelfranken leisten ganze Arbeit. In Gummistiefeln bis hinauf zu den Hüften, mit Keschern bewaffnet, stellen sie der Beute nach. Herbstzeit ist Erntezeit für den städtischen Weiheraufseher. Allerdings werden die gefangenen Schuppentiere nicht geschlachtet, sondern umgesetzt. Karpfen um Karpfen zappelt im Netz und landet in einem großen Bottich. Alle paar Minuten schleppen zwei Männer eines der gefüllten Behältnisse mühsam ans Ufer zu einem Transporter. Auf dessen Ladefläche steht ein großer Tank mit der Aufschrift „Lebende Fische“. Nach und nach landen dort nicht nur 168 Karpfen, sondern auch fünf Zander, ein Hecht und unzählige Karpfenbabys und andere Kleinfische, gerade einmal so groß wie eine Kinderhand.

„Das ist der Wahnsinn“, freut sich Kleinschroth über den üppigen Fischnachwuchs. Schon greift er wieder zum Kescher, denn das Wasser fließt zügig ab und immer mehr Schuppenträger schnalzen im Schlamm. Den Männern ist die Anstrengung anzusehen. Im Schlick stehend, ziehen sie Fisch um Fisch aus dem Wasser. Ein schweißtreibender Knochenjob, garniert mit einer Schlammkruste an Händen und Armen, im Gesicht und auf der Kleidung.

Im Frühling hatte der Fischereiverband Mittelfranken, der die größten der 88 städtischen Teiche und Weiher gepachtet hat und zur Zucht nutzt, 200 zweijährige Karpfen im Kleinen Valznerweiher gesetzt. Die Tiere haben den heißen Sommer erstaunlich gut überstanden. Warmes Wasser regt Karpfen zum Fressen an, sie haben kräftig zugelegt und sich zugleich fleißig vermehrt.

Nach einer guten Stunde ist die Jagd vorbei. Peter Naumann vom Fischereiverband Mittelfanken pressiert es, die Tiere im Main-Donau-Kanal wieder in die Freiheit zu entlassen, wo ihnen künftig Angler nachstellen werden. Kleinschroth dichtet den Ablauf ab und flutet den Weiher, damit das steigende Wasser zum Lebensretter für zurückgebliebene Kleinfische wird. Am Ende bringt er das Geländer wieder an, das Spaziergänger vor einem Absturz in den Weiher schützt, und reinigt Werkzeug, Watstiefel und Arme grob vom Schlamm.


Bildergalerie: Ein Tag mit dem Weiheraufseher


„Ich habe viel mit Holz zu tun“

Der gelernte Zimmermann kam 2001 zur Stadt. Er arbeitete zuerst in der Zimmerei in der Donaustraße 90, bevor er 2010 die Stelle als Weiheraufseher in der Sör-Abteilung Wasserwirtschaft mit insgesamt zwölf Mitarbeitern antrat. Ein Bauberuf ist Voraussetzung für das Amt. „Zimmerer ist ideal. Ich habe viel mit Holz zu tun. Uferbefestigungen sind meist aus Holz“, sagt er. Im Herbst, wenn die Weiher abgelassen und ausgebessert werden, bekommt er für einige Wochen Unterstützung von den Wasserbauern. Traditionell betreuen die Azubis den Kleinen Valznerweiher als ihr Projekt, bringen die Befestigungen in Ordnung, pflegen den Damm und helfen natürlich mit Feuereifer beim Abfischen. Bei allen anderen städtischen Gewässern übernehmen das die Pächter, der Weiheraufseher ist dann lediglich zur Aufsicht dabei.

Mit dem Pritschenwagen der Gewässeraufsicht geht es zurück ins Depot in der Kongresshalle. Hier hat Kleinschroth Büro und Werkstatt. Er hängt Gummistiefel und Fischnetze zum Trocknen auf und setzt ein paar Eimer mit kleinen Fischen in eine zum Aquarium umfunktionierte Streusandkiste um, in der bereits einige Junghechte ein vorübergehendes Zuhause gefunden haben.

Eine Karte an der Wand gibt einen Überblick über die städtischen Gewässer rund um das ehemalige Reichsparteitagsgelände. Kleinschroth muss darauf achten, dass ausreichend Wasser zufließt, was mithilfe zahlreicher Wehre und Schieber in Bächen und Gräben bewerkstelligt wird. Im Sommer 2015, als das Wasser knapp wurde, war das keine leichte Aufgabe. „Wir mussten mehrere Weiher notabfischen, weil sie austrockneten“, berichtet Kleinschroth.


Ein Job seit 1495: Aufseher am Dutzendteich

Er kennt die Geschichte des Dutzendteichs. Der entstand im 14. Jahrhundert, weil der Langwassergraben angestaut wurde. Im Mittelalter haben die Weiherbesitzer teils blutige Fehden ums Wasser ausgetragen. Dem hat der Magistrat im Jahr 1495 einen Riegel vorgeschoben, indem die Reichsstadt die Weiher kaufte und einen Aufseher abstellte. Das Amt hat sich bis heute gehalten. So heißt es unter anderem in der Arbeitsanweisung des „Dutzendteichaufsehers“ aus dem Jahre 1948, dass der Aufseher täglich ein bis zweimal täglich sämtliche Weiherdämme zu begehen habe – auch sonntags. Seitdem ist sein Aufgabengebiet gewachsen, dafür kann er im Gegensatz zu seinen Vorgängern auf ein Auto statt das Fahrrad zugreifen, um auch abgelegene Weiher in kurzer Zeit zu erreichen.

Gerald Mayer, Bautechniker und fachlicher Vorgesetzter, schaut kurz im Depot vorbei und lässt sich auf den aktuellen Stand bringen. Dann zieht sich Klaus Kleinschroth einen frischen Pullover über und macht sich wieder auf den Weg. Zu seinen Hauptaufgaben gehört es, regelmäßig sogenannte wasserstaugefährdete Stellen wie Durchlässe und Abläufe zu kontrollieren und zu reinigen. Die Liste dieser Stellen umfasst vier DIN-A4-Seiten. Kleinschroth befreit den Ablauf des Dutzendteichs vom Laub, danach den Martin-Behaim-Rechen nahe der Meistersingerhalle. Der zweifache Vater gerät ins Schwärmen: „Mein Job ist absolut abwechslungsreich. Ich bin viel draußen unterwegs. Ich bin eigentlich rund um die Uhr zu erreichen, dafür genieße ich viele Freiheiten. Das macht mir voll Spaß. Körperlich anstrengend und hart ist das aber schon. Empfindlich därfsd ned sei.“ Und wortkarg ebenfalls nicht. Kleinschroth ist sichtbar im Stadtbild, vor allem im Volkspark Dutzendteich. Er wird häufig angesprochen, nach dem Weg gefragt, über illegale Müllablagerungen informiert, etc. Und häufig angerufen: Am „Steinernen Wehr“ im Reichswald südlich des Valznerweihers kurbelt er gerade eine Absperrvorrichtung hoch, um einen Kanal zu wässern, als sein Handy klingelt. Am Langwassersee ist ein Weg eingebrochen. Kleinschroth macht sich sofort auf den Weg. Während ein Sör-Trupp die Gefahrenzone absperrt und über die Ursache rätselt, entdeckt Kleinschroth ein verzweigtes System aus Gängen in der Uferböschung. Schon steckt er mit dem Arm bis zur Schulter in einem Erdloch. „Das ist tief. Hier hat ein Biber seinen Bau angelegt“, verrät er den Kollegen.


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