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Ein Tag mit der Architektin

Architektin Anke Seitz auf der Baustelle im Künstlerhaus.

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Architektin Anke Seitz vom Hochbauamt ist verantwortlich für die Generalsanierung des Künstlerhauses. Auf der Baustelle behält sie mitten im Geschehen den Überblick.


Als Anke Seitz um 10 Uhr morgens auf der Baustelle ankommt, umringen sie sofort vier Handwerker. Einige reparaturbedürftige Fallrohre sind verstopft, das Wasser läuft nicht ab. Sie gestikulieren aufgeregt. Zwischen Gerüsten lärmen Maschinen und Bagger schieben sich über den schlammigen Boden. Das Problem: Die Handwerker können nicht weiterarbeiten. So etwas ist für Anke Seitz Alltag. Die 52-Jährige ist Projektleitung der Generalsanierung des Künstlerhauses im dritten Bauabschnitt.

Seit 2015 koordiniert sie das ca. 27,5 Millionen Euro teure Großprojekt. Bauherrin ist die Stadt. Als deren Vertretung lenkt und leitet Anke Seitz 60 externe Firmen, die die Sanierung planen und durchführen, darunter Architektur- und Ingenieurbüros sowie Handwerksbetriebe. Pläne zeichnet sie keine, stattdessen greift sie bei Problemen ein, trifft Kostenentscheidungen und behält den Zeitplan im Blick. Die Architektin und Stadtplanerin arbeitet seit 2007 im Hochbauamt, seit sechs Jahren als stellvertretende Leitung der Abteilung Kultur.

Ihr Tag hat dort bereits um 8 Uhr begonnen. In ihrem Büro im Marientorgraben beantwortet sie morgens Mails und Anrufe. Bauzeichnungen hängen an den Wänden, bedecken den Schreibtisch, ein Papiermodell des Künstlerhauses steht daneben. Den ganzen Tag verbringt sie selten hier. Auch heute hat sie gegen halb zehn die Schuhe gewechselt. Raus aus den Stiefeletten, rein in die Sicherheitsschuhe mit der festen Kappe. Ein weißer Schutzhelm unter dem Arm und eine rote Funktionsjacke über dem Strickkleid – mehr braucht sie nicht auf der Baustelle.


Täglicher Kontrollgang

Zum Künstlerhaus muss sie gerade jeden Tag. „In einem Jahr werden wir fertig. Zu dieser Zeit fängt auf einer Baustelle die heiße Phase an“, weiß sie aus Erfahrung und meint damit Probleme bei sich gegenseitig bedingenden Arbeitsabläufen der verschiedenen Firmen. „Auf einem Balkon soll der Estrich entfernt werden, aber vorher muss das Gerüst weg, und davor muss der Dachdecker fertig sein.“ Statt einer großen gibt es im Künstlerhaus viele kleinere Baustellen. Über die verschafft sie sich an diesem Tag bei der Hausbegehung mit dem Absolvent Martin Pfeiffer, der bei seiner Mitarbeit im Projekt Künstlerhaus Berufserfahrung sammelt, einen Überblick.

In erster Linie kontrollieren sie, ob die Handwerker wie geplant anwesend sind und ob sie tun, was sie sollen: Im Saal neue Luftschächte einbauen, im Kulturgarten eine Abdichtung verschweißen, die Sicherheitsvorschriften einhalten und dafür zum Beispiel herumliegendes Material wegschaffen. Vergangene Nacht haben Unbekannte zudem ein Vorhängeschloss aufgebrochen. „Einbruchschäden?“, notiert Martin Pfeiffer. Zum Glück stellen sie keine fest. In den feuchtkalten Kellerräumen ist dafür Wasser aus den Wänden getreten, das ein Arbeiter mit einem Industriesauger absaugt. Anke Seitz stapft durch Pfützen und leuchtet mit der Smartphone-Taschenlampe in eine Ecke, in der Pappbecher und Kabel auf dem Boden liegen. Nächste Woche müssen die Kellerräume aufgeräumt und trocken sein, dann kommt der Elektriker.

Nach dem Baustellen-Rundgang trifft sie sich mittags mit Kollegin Sonja Schaaf, Bauingenieurin im Hochbauamt und zuständig für Bauunterhalt, und einem Vertreter des von der Stadt beauftragten Architekturbüros. Sie informiert beide über Fortschritte und Schwierigkeiten auf der Baustelle. Anke Seitz und Sonja Schaaf suchen eine Lösung für das Problem mit den verstopften Rohren. Auf einer der großen Bauzeichnungen, die alle Wände des Baubüros bedecken, finden die Kolleginnen gleich die betroffene Stelle und stellen fest: Erneut müssen Rohbauer kommen und aufgraben.


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Verständnis für das Haus

Teil ihrer Aufgaben als Projektleiterin ist das Ziel, „den Charme des Hauses zu erhalten“. Verständnis für das Projekt ist das Fundament ihrer Arbeit. „Es soll keine museale Sanierung werden, und nicht zu clean.“ Wandbemalungen aus dem frühen 20. Jahrhundert, Graffitis und Sticker sowie die mittelalterliche Stadtmauer aus Sandstein sollen nach der Sanierung zu sehen sein. Im Haus beheimatete Gruppen wie die verschiedenen Werkstätten, Zentralcafé und Kulturkellerei bekommen im sanierten Gebäude wieder einen Platz. Räume dürfen in weiten Bereichen so bleiben, wie sie gestaltet waren. Auch äußerlich wird sich nicht viel verändern.

Bevor sie nachmittags ins Büro zurückkehrt, macht Anke Seitz Pause im Café Deuerlein in der Lorenzer Straße, sitzt in der Sonne und kommt kurz zur Ruhe. Bei all den verschiedenen Akteuren, zwischen denen sie vermittelt, und den Problemen, die auf der Baustelle täglich auftreten, behält sie den Überblick. Wenn es schwierig wird, sagt sich: „Wir sind schon so weit gekommen. Egal, was passiert, am Ende wird das Haus fertig.“ Bis dahin ist noch eine Menge zu tun: Wenige Minuten später wechselt sie wieder die Schuhe, legt den Helm weg und setzt sich an den Schreibtisch, kümmert sich um Verträge und Ausschreibungen, beantwortet Fragen der Stadtverwaltung und koordiniert mit dem Hausmeister des Künstlerhauses telefonisch Anlieferungen. Und am nächsten Tag wartet sicher eine neue Überraschung auf der Großbaustelle Künstlerhaus auf sie.

Text: Hanna Quitterer, Fotos: Christine Dierenbach


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