Die Veranstaltungsreihe von Stadtbibliothek und Bildungszentrum beleuchtet in mehreren Veranstaltungen mit Expertinnen und Experten aus den unterschiedlichen Bereichen der Buchkultur aktuelle und relevante Fragen zur gesellschaftspolitischen Einflussnahme auf das Grundrecht auf Bildung.
Bücher stehen und standen immer wieder auf Listen, aktuell fallen in den USA in vielen Bundesstaaten bestimmte Titel unter die sogenannten Book Bans. Bücher mit bestimmten Inhalten zu Rasse, Geschlecht oder Sexualität verschwinden aus Schulbibliotheken und der politische Druck auf Bildungseinrichtungen steigt.
Welche Mechanismen greifen hier und ist dies auf Deutschland übertragbar? Welche Inhalte machen Angst und wieso ist das historisch gesehen kein neues Phänomen? Entdecken Sie mit uns diese wichtigen Bücher und erfahren Sie, warum es entscheidend ist, für die Vielfalt einzustehen.
Ein mit rotem Stift gezeichneter Kreis – die kleine Markierung in Büchern der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek in Nürnberg hilft, die Mechanismen von Zensur und der Unterdrückung unerwünschter Meinungen zu verstehen. Unmittelbar nach der lokalen Machtübernahme der Nationalsozialisten in Nürnberg Ende Januar 1933 wurde im April befohlen, unerwünschte Literatur aus den Regalen der städtischen Volksbücherei sowie der Schüler- und Lehrerbibliotheken zu entfernen. Das schmale Bändchen mit einer Einführung in die abstrakte Kunst des Wassily Kandinsky ist damals einer allgemeinen Nutzung entzogen und aus den Beständen der städtischen Volksbücherei in die Wissenschaftliche Stadtbibliothek überführt worden. Hier durfte es mit Genehmigung Forschenden zur Einsicht vorgelegt werden – die Markierung mit dem roten Kreis diente als Hinweis auf die Nutzungseinschränkung. Die ebenfalls im April 1933 erfolgte Aussortierung von Werken der als entartet betrachteten Kunst in den Städtischen Kunstsammlungen und die Schließung der städtischen Volkshochschule vervollständigten die Zensurmaßnahmen: Der Zugang zu Schrift- und Kunstwerken der Verfemten sowie die Lehre über diese waren effektiv blockiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der rote Kreis durch ein schwarz darüber gezeichnetes Kreuz getilgt, der Band konnte von jedem wieder ausgeliehen werden. Heute sind die einst mit einem roten Kreis markierten Bücher nicht mehr gesperrt, sondern wichtige Zeugnisse der nationalsozialistischen Zensurpolitik. Umgekehrt wird NS-Propagandaliteratur heute nicht verborgen, sondern im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen für Forschung, Wissenschaft und Lehre zugänglich gemacht – als Quelle der Aufklärung statt der Indoktrination.
Den ganzen Sommer über bis in den Herbst lädt die Stadtbibliothek zu einer besonderen Medienpräsentation ein: Im Mittelpunkt stehen Bücher von der Liste der „Banned Books“ – also Werke, die in den USA aus unterschiedlichen Gründen zeitweise verboten oder aus Bibliotheken und Schulen entfernt wurden – sowie weitere Medien rund um die Themen Demokratie, USA und Zensur. Medien unter diesem Schwerpunkt sind sowohl in der Stadtbibliothek Zentrum sowie in den Stadtteilbibliotheken zu finden.