Auf zwei Bildschirmen sind Statistiken zu Bildung zu sehen, von hinten ist eine Person mit halblangen Haaren zu sehen, sie sitzt vor den Bildschirmen.

Bildungsbüro

Sitzungen im Jahr 2025

29. Sitzung des Bildungsbeirates

Das neu gestaltete Studienforum im obersten Stock des Dokumentationszentrums erwies sich als passender Ort für die Sitzung des Bildungsbeirats im Mai, um über Bildungsperspektiven auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände im Kontext aktueller Entwicklungen und Planungen zu beraten.

Oberbürgermeister Marcus König erinnerte einführend zunächst an die überregionale Bedeutung des Geländes, das national wie international große Aufmerksamkeit erfährt. Derzeit, so König, stünden große Veränderungen bevor: 2026 soll der Ausbau des Dokumentationszentrums inklusive neuer Dauerausstellung abgeschlossen sein; die Entwicklung von Zeppelinfeld und -tribüne zu einem Lern- und Begegnungsort schreitet voran, in der Kongresshalle entsteht eine neue Spielstätte für die Nürnberger Oper, Teile der Kongresshalle sollen künftig kulturell und künstlerisch genutzt werden. In der Gesamtschau gehe es darum, die Wechselwirkungen zwischen den baulichen Neuerungen und daraus entstehender Chancen für die historisch-politische und kulturelle Bildung im Blick zu behalten, ohne die Herausforderungen für die Erinnerungsarbeit aus dem Auge zu verlieren.

Einen zugleich kursorischen und detailreichen Überblick über aktuelle Entwicklungen auf dem Reichsparteitagsgelände gab Bürgermeisterin Julia Lehner, bei der seit vielen Jahren – zunächst als Kulturreferentin, dann als Kulturbürgermeisterin – alle Entwicklungsstränge der unterschiedlichen Vorhaben zusammenlaufen. Besonders erfreulich sei, so Lehner, dass die Umwandlung des benachbarten Bahnhofs Märzfeld zu einem Erinnerungs- und Informationsort nach langjährigen Verhandlungen mit der Deutschen Bahn nun konkrete Gestalt annimmt. Das gesamte Areal des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes mitsamt Kongresshalle – ein emblematischer Ort der Täter – werde zu einem Bildungs- und Kulturort entwickelt und so durch Kunst und Kultur demokratisch besetzt.

Anschließend veranschaulichten zwei Sondierungen in die praktische Arbeit vor Ort die von Lehner formulierte Programmatik: Imanuel Baumann, Leiter des Dokumentationszentrums, gewährte einen Einblick in die neue Dauerausstellung, die ab 2026 zu sehen sein wird und betonte dabei die Handlungsorientierung des neuen Informationsangebots. Im Mittelpunkt: die Frage nach der Wahrheit, der Motivation für eine Auseinandersetzung und die Sichtbarmachung der Quellen.

Und Hans-Joachim Wagner, Leiter der städtischen Stabsstelle ehemaliges Reichsparteitagsgelände, illustrierte zentrale Eckpunkte der sich gegenwärtig vollziehenden Entwicklung des Geländes zu einem Lern- und Erinnerungsort: Ausbau des Bahnhofs Dutzendteich zu einem niedrigschwelligen Info-Zentrum, Öffnung des `Goldenen Saals´ in der Zeppelintribüne und die Erschließung des Zeppelinfeldes mit entsprechenden Informationsangeboten – alles möglichst barrierearm gestaltet.
In der anschließenden Aussprache betonten verschiedene Mitglieder des Bildungsbeirats die immense Verantwortung, die die Stadt Nürnberg für das Erbe des Nationalsozialismus übernehme. Die wiederkehrende Frage laute: Was darf die Kunst?

Stadträtin Anja Prölß-Kammerer, Leiterin der Bildungseinrichtung DoKuPäd, machte deutlich, dass die baulichen Veränderungen auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände – etwa im Innenhof der Kongresshalle – neue Rahmenbedingungen für die Erinnerungsarbeit schaffen. Diese brächten zwar „Nebenwirkungen, mit denen wir umgehen müssen“, eröffneten zugleich aber auch Chancen, insbesondere für die weitere Erschließung von Zeppelintribüne, Zeppelinfeld und Bahnhof Märzfeld. Eine kurze Exkursion in die umgestalteten Räume des Dokuzentrums rundete die informative Sitzung des Bildungsbeirats ab.

30. Sitzung des Bildungsbeirates

Lichtenreuth – so lautet der Name des neuen Stadtquartiers, das derzeit im Südosten Nürnbergs auf einer Fläche von rund 90 Hektar Gestalt annimmt. Neben der Technischen Universität Nürnberg - UTN entstehen dort neue Wohngebiete für bis zu 6.000 Menschen. Im Zuge der Quartiersentwicklung werden verschiedene Bildungseinrichtungen errichtet. Geplant sind eine fünfzügige Grundschule und fünf Kindertageseinrichtungen. Im benachbarten Umfeld ist zudem auch ein Jugendhaus geplant. Für den Campus der UTN ist etwa ein Drittel der Gesamtfläche des neuen Stadtteils vorgesehen.

Zu Beginn äußerte Oberbürgermeister Marcus König seine Freude über die neue Universität und unterstrich ihre besondere Bedeutung für Nürnberg. Zugleich betonte er die einzigartige Chance, die sich mit der Entstehung des neuen Stadtteils in zentraler Lage für Nürnberg ergebe. Dabei hob er insbesondere die Chancen des gemeinsamen Gestaltens hervor, die es zu nutzen gelte.

Anschließend kam mit Michael Ruf, dem Leiter des Stabs Stadtentwicklung der Stadt Nürnberg, ein langjähriger Kenner und Begleiter der Entwicklung des neuen Stadtteils zu Wort. Er führte aus, dass das entstehende Lichtenreuth nicht nur ein lebendiges Bindeglied zwischen den bislang unverbundenen, benachbarten Stadtteilen Hasenbuck und Bauernfeind-Siedlung sein werde. Gemeinsam mit dem sich entwickelnden Kulturareal rund um Kongresshalle und das ehemalige Reichsparteitagsgelände soll Lichtenreuth den Nürnberger Süden aufwerten und ihn in absehbarer Zeit neu definieren.

Für die erfolgreiche Entwicklung wird der sukzessive Ausbau der Technischen Universität Nürnberg (UTN) von entscheidender Bedeutung sein. Prof. Dr. Gyburg Uhlmann, seit 2023 Mitglied im Bildungsbeirat und dort als Vertretung der UTN am stadtweiten Bildungsdiskurs aktiv beteiligt, gab im Anschluss einen Überblick über den aktuellen Stand der Universitätsentwicklung. Als Gründungs-Chair des Departments für Liberal Arts and Social Sciences der UTN ist sie für den Aufbau dieses Fachbereichs verantwortlich.
Aus ihrer Perspektive als Professorin illustrierte sie die Aktualität und Bedeutung der Liberal Arts, einer im akademischen Bereich der Bundesrepublik noch wenig verbreiteten Fachdisziplin. Neben dem Department of Computer Science and Artificial Intelligence sind die Liberal Arts in der ersten Ausbaustufe die zweite große Abteilung der Universität.
Anhand aktueller Beispiele zeigte sie den konkreten Nutzen und Mehrwert auf, der sich aus der Verbindung von geisteswissenschaftlichen und technischen Forschungsbereichen ergibt. Ein Beispiel hierfür ist der Einsatz von KI zur Erkennung von Fake News oder Verschwörungserzählungen.

In ihren Statements bekräftigen die städtischen Referentinnen Cornelia Trinkl (Schule und Sport) und Elisabeth Ries (Jugend, Familie und Soziales) den Gestaltungswillen der Kommune im neuen Stadtteil Lichtenreuth. Neben dem Bau und Betrieb neuer Schulen, Kitas und Jugendeinrichtungen ist ab sofort auch ein Quartiersbüro in der mittlerweile von Mieterinnen und Mietern bezogenen Lichtenreuther Zeile tätig. Die Lichtenreuther Zeile ist der erste (Wohn-)Bauabschnitt des neuen Stadtteils.

In der abschließenden Aussprache standen die Schulentwicklung sowie die Einbindung von Wirtschaft und Zivilgesellschaft in die Quartiersentwicklung im Mittelpunkt. Auch die Kooperation der im Aufbau befindlichen UTN mit bestehenden Hochschulen und Universitäten wurde diskutiert. In diesem Zusammenhang wies Prof. Dr. Niels Oberbeck, Präsident der Technischen Hochschule Georg Simon Ohm, auf das Nachbargebäude des Cube One hin, das die Ohm-Hochschule kürzlich vom Vermieter UTN übernommen hat.

Prof. Dr. Benjamin Jörissen, Professor für Pädagogik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, langjähriges Beiratsmitglied und Experte für kulturelle Bildung, betonte die Überschneidungen der Forschungsinteressen und die Potenziale für eine Zusammenarbeit der Hochschulen. Marc Steinberger vom Kreisjugendring Nürnberg Stadt kündigte zudem an, sich an das Quartiersbüro zu wenden, um Angebote für Jugendliche im neuen Stadtteil zu verankern.