29. Sitzung des Bildungsbeirates
Das neu gestaltete Studienforum im obersten Stock des Dokumentationszentrums erwies sich als passender Ort für die Sitzung des Bildungsbeirats im Mai, um über Bildungsperspektiven auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände im Kontext aktueller Entwicklungen und Planungen zu beraten.
Oberbürgermeister Marcus König erinnerte einführend zunächst an die überregionale Bedeutung des Geländes, das national wie international große Aufmerksamkeit erfährt. Derzeit, so König, stünden große Veränderungen bevor: 2026 soll der Ausbau des Dokumentationszentrums inklusive neuer Dauerausstellung abgeschlossen sein; die Entwicklung von Zeppelinfeld und -tribüne zu einem Lern- und Begegnungsort schreitet voran, in der Kongresshalle entsteht eine neue Spielstätte für die Nürnberger Oper, Teile der Kongresshalle sollen künftig kulturell und künstlerisch genutzt werden. In der Gesamtschau gehe es darum, die Wechselwirkungen zwischen den baulichen Neuerungen und daraus entstehender Chancen für die historisch-politische und kulturelle Bildung im Blick zu behalten, ohne die Herausforderungen für die Erinnerungsarbeit aus dem Auge zu verlieren.
Einen zugleich kursorischen und detailreichen Überblick über aktuelle Entwicklungen auf dem Reichsparteitagsgelände gab Bürgermeisterin Julia Lehner, bei der seit vielen Jahren – zunächst als Kulturreferentin, dann als Kulturbürgermeisterin – alle Entwicklungsstränge der unterschiedlichen Vorhaben zusammenlaufen. Besonders erfreulich sei, so Lehner, dass die Umwandlung des benachbarten Bahnhofs Märzfeld zu einem Erinnerungs- und Informationsort nach langjährigen Verhandlungen mit der Deutschen Bahn nun konkrete Gestalt annimmt. Das gesamte Areal des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes mitsamt Kongresshalle – ein emblematischer Ort der Täter – werde zu einem Bildungs- und Kulturort entwickelt und so durch Kunst und Kultur demokratisch besetzt.
Anschließend veranschaulichten zwei Sondierungen in die praktische Arbeit vor Ort die von Lehner formulierte Programmatik: Imanuel Baumann, Leiter des Dokumentationszentrums, gewährte einen Einblick in die neue Dauerausstellung, die ab 2026 zu sehen sein wird und betonte dabei die Handlungsorientierung des neuen Informationsangebots. Im Mittelpunkt: die Frage nach der Wahrheit, der Motivation für eine Auseinandersetzung und die Sichtbarmachung der Quellen.
Und Hans-Joachim Wagner, Leiter der städtischen Stabsstelle ehemaliges Reichsparteitagsgelände, illustrierte zentrale Eckpunkte der sich gegenwärtig vollziehenden Entwicklung des Geländes zu einem Lern- und Erinnerungsort: Ausbau des Bahnhofs Dutzendteich zu einem niedrigschwelligen Info-Zentrum, Öffnung des `Goldenen Saals´ in der Zeppelintribüne und die Erschließung des Zeppelinfeldes mit entsprechenden Informationsangeboten – alles möglichst barrierearm gestaltet.
In der anschließenden Aussprache betonten verschiedene Mitglieder des Bildungsbeirats die immense Verantwortung, die die Stadt Nürnberg für das Erbe des Nationalsozialismus übernehme. Die wiederkehrende Frage laute: Was darf die Kunst?
Stadträtin Anja Prölß-Kammerer, Leiterin der Bildungseinrichtung DoKuPäd, machte deutlich, dass die baulichen Veränderungen auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände – etwa im Innenhof der Kongresshalle – neue Rahmenbedingungen für die Erinnerungsarbeit schaffen. Diese brächten zwar „Nebenwirkungen, mit denen wir umgehen müssen“, eröffneten zugleich aber auch Chancen, insbesondere für die weitere Erschließung von Zeppelintribüne, Zeppelinfeld und Bahnhof Märzfeld. Eine kurze Exkursion in die umgestalteten Räume des Dokuzentrums rundete die informative Sitzung des Bildungsbeirats ab.














