Auf zwei Bildschirmen sind Statistiken zu Bildung zu sehen, von hinten ist eine Person mit halblangen Haaren zu sehen, sie sitzt vor den Bildschirmen.

Bildungsbüro

BildungsDate zum Bildungsbericht: Fokus Berufsvorbereitung am 7.10.26

„Aktuelle Herausforderungen und Möglichkeiten in der Berufsvorbereitung“ standen im Fokus des BildungsDates am 7. Oktober 2026. Unsere Gäste Karen Böschen (Amt für Berufliche Schulen, Berufsvorbereitung), Stefanie Riedel (IHK Nürnberg für Mittelfranken) und Kristin Rieper (Bildungscampus Nürnberg/Bildungszentrum) diskutierten aktuelle Herausforderungen in der Praxis der Berufsvorbereitung und mögliche Lösungsansätze – darunter das Modell der „2+1-Klasse“ sowie das Grundbildungsangebot StartBEREIT.

Entwicklungen in der Berufsvorbereitung

Berufsvorbereitende Angebote wie das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) und die Berufsintegrationsklassen (BIK) sind eine wichtige Brücke auf dem Weg in die Berufsausbildung. In den einjährigen Bildungsgängen erfüllen junge Menschen ihre Berufsschulpflicht und erhalten zugleich die Möglichkeit, einen allgemeinbildenden Schulabschluss nachzuholen.

Zunächst wurde anhand von Daten aus dem Nürnberger Bildungsbericht die Entwicklung der Schülerzahlen in der Berufsvorbereitung in den vergangenen Jahren gezeigt. Karen Böschen vom Amt für Berufliche Schulen gab einen Einblick in die aktuelle Klassenplanung in der Berufsvorbereitung. Im neuen Schuljahr werden unter anderem drei sogenannte „Neustart-Klassen“ eingerichtet. Diese werden im Rahmen des ESF+ gefördert und sehen einen höheren Anteil an sozialpädagogischer Begleitung vor. Gleichzeitig wird die Zahl der Berufsintegrationsklassen weiter zurückgehen.

In der Berufsvorbereitung sähen sich viele Schülerinnen und Schüler mit vielfältigen Problemlagen konfrontiert. Insbesondere psychische Belastungen haben deutlich zugenommen. Zudem bestehe nicht nur in den Berufsintegrationsklassen, sondern auch bei den Schülerinnen und Schülern im BVJ häufig ein erheblicher Sprachförderbedarf. Rund die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen findet nach dem BVJ unmittelbar Anschluss – etwa in einer Ausbildung oder in einer Maßnahme. Für die übrigen ist der weitere Bildungsweg häufig noch unklar.

An diesem Bedarf setzt auch das neue Angebot StartBEREIT an. Es ist im Rahmen des Modellprojekts Mind-the-GAP der Stadt Nürnberg, des bvv und der Münchner Volkshochschule in Zusammenarbeit mit den Beruflichen Schulen entstanden.

BildungsDate 15, Bild © Bildungsbüro / Stadt Nürnberg
Stefanie Riedel (IHK Nürnberg für Mittelfranken), Kristin Rieper (Bildungscampus Nürnberg/Bildungszentrum), Karen Böschen (Amt für Berufliche Schulen, Berufsvorbereitung), Claudia Lehnerer und Martina Schuster (Bildungsbüro) (v.r.n.l.)

Das Grundbildungsangebot StartBEREIT

In StartBEREIT stehen die individuellen Bedarfe und Lebenssituationen der Teilnehmenden im Mittelpunkt. Die pädagogische Arbeit orientiert sich am Prinzip der Subjektorientierung, weshalb nicht ein festgelegter Lehrplan, sondern vielmehr die persönlichen Voraussetzungen, Interessen und Entwicklungsmöglichkeiten der jungen Erwachsenen handlungsleitend sind. Die inhaltlichen Schwerpunkte werden partizipativ, teilnehmendenorientiert und situativ gestaltet.

StartBEREIT setzt verschiedene Schwerpunkte: Im Mittelpunkt stehen zunächst die Verbesserung der Lese- und Schreibkompetenzen sowie die Vermittlung weiterer Grundbildungskompetenzen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Persönlichkeitsbildung. Hier entwickeln und reflektieren die Teilnehmenden eigene Ziele und berufliche Perspektiven. Ergänzt wird das Angebot durch Einzelcoachings, theaterpädagogische Aktivitäten sowie Freizeit- und Sportangebote. StartBEREIT ist inklusiv ausgerichtet und steht allen jungen Erwachsenen offen, die ihre Berufsschulpflicht erfüllt haben.

Kombi-Modell 2+1 zur Ausbildung für Verkäufer/innen

Am Thema Sprachkompetenz setzt ein weiteres Pilotprojekt an, das von der IHK gemeinsam mit der Beruflichen Schule 6 in Kooperation mit dem Netzwerk der Jugendberufsagentur umgesetzt wird: Das „Kombi-Modell 2+1 zur Ausbildung für Verkäufer/innen“. In diesem Modell ist die Ausbildung zum Verkäufer / zur Verkäuferin von zwei auf drei Jahre („2+1“) verlängert. Auszubildende mit Sprachlernbedarf können hier in einer eigenen Berufsschulklasse besonders intensiv gefördert werden.

Stefanie Riedel berichtete, dass die Ausbildungsbetriebe dadurch mehr Zeit für die Vermittlung praktischer Ausbildungsinhalte gewinnen und von der verbesserten Deutschsprach-Kompetenz der Azubis profitieren.

Netzwerk und Kümmerer als Erfolgsfaktoren

Alle Beteiligten nannten ein eng verzahntes Netzwerk mit gut gepflegten Schnittstellen als wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Projekte. Besonders wichtig sei eine feste Ansprechperson, die diese Vernetzung dauerhaft koordiniert und pflegt. Auf die Frage nach weiteren Angebotslücken nach dem BVJ nannten die Beteiligten insbesondere den Bedarf an mehr niedrigschwelligen Unterstützungsmöglichkeiten für junge Menschen. Diese Angebote sollten niedrigschwellig eine Tagesstruktur vermitteln und die jungen Menschen individuell begleiten. Solche Angebote könnten oft entscheidend dazu beitragen, langfristig berufliche und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Außerdem wurden Ansätze gefordert, die ihre Inhalte im Austausch mit der Praxis regelmäßig an den Bedürfnissen der Zielgruppe ausrichten und weiterentwickeln.