Auf zwei Bildschirmen sind Statistiken zu Bildung zu sehen, von hinten ist eine Person mit halblangen Haaren zu sehen, sie sitzt vor den Bildschirmen.

Bildungsbüro

Sitzungen im Jahr 2026

31. Sitzung des Bildungsbeirates

Am 1. Juli 2026 trat der Nürnberger Bildungsbeirat zur ersten Sitzung in der neuen Stadtratsperiode zusammen. Bei der 31. Sitzung seit seiner Gründung im Jahr 2009 stand die Nürnberger Bildungsberichterstattung mit dem derzeit aktuellen Bericht „Bildung in Nürnberg 2025“ im Mittelpunkt.

Bildungsbeirat diskutiert Ergebnisse des Bildungsberichts „Bildung in Nürnberg 2025“

In seiner Einleitung betonte Oberbürgermeister Marcus König, dass es in Nürnberg bereits gelungen sei, aus den Erkenntnissen der Bildungsberichterstattung konkrete Maßnahmen abzuleiten. Angesichts der vielfältigen Stadtgesellschaft mit vielen neu zugewanderten Bürgerinnen und Bürgern seien gelingende Bildungsübergänge und Inklusion entscheidende Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe. Sein Fazit: Nürnberg sei im Bildungsgeschehen gut aufgestellt und verfolge das Ziel, möglichst vielen Menschen Teilhabe zu ermöglichen.

Nach der Einführung durch den Oberbürgermeister übernahm Bildungsreferentin Cornelia Trinkl die Leitung der Sitzung. Sie unterstrich die Bedeutung einer bereichsübergreifenden Zusammenarbeit: Bildung sei eine Querschnittsaufgabe mehrerer Geschäftsbereiche, die entsprechend auch in der Kooperationsvereinbarung der Stadtratsfraktionen verankert wurde. Zu den aktuellen Herausforderungen zählten insbesondere die Sanierung bestehender Schulgebäude, der weitere Ausbau der Ganztagsbildung und -betreuung sowie die Umsetzung des Startchancen-Programms von Bund und Ländern. Darüber hinaus sei auch die Erwachsenenbildung ein wichtiger Bestandteil der Nürnberger Bildungslandschaft.

Nürnberger Bildungsbericht erstmals rein digital

Im Anschluss präsentierte das Team des Bildungsbüros ausgewählte Ergebnisse des siebten Nürnberger Bildungsberichts, der erstmals vollständig digital veröffentlicht wurde. Die Auswahl der Befunde konzentrierte sich auf bereichsübergreifende Themen wie Inklusion, die zunehmende Heterogenität der Lernenden, gelingende Übergänge im Bildungsverlauf sowie Grundbildung und Integration. Damit griff der Bericht zentrale Handlungsfelder auf, die auch im Nationalen Bildungsbericht besonders hervorgehoben werden, insbesondere die frühkindliche Bildung und die Gestaltung von Übergängen im Bildungsverlauf.

Dr. Martin Bauer-Stiasny, Leiter des Bildungsbüros, verdeutlichte zunächst, dass Zuwanderung seit jeher ein prägendes Merkmal der Stadt Nürnberg ist. Die Bevölkerungsentwicklung wird maßgeblich von externen Faktoren wie den Fluchtbewegungen sowie der starken Zuwanderung aus EU-Staaten beeinflusst. Diese Entwicklung trägt zu einer Verjüngung der Stadtbevölkerung bei und stellt das Bildungssystem zugleich vor wichtige Integrationsaufgaben. Als weiteres zentrales Thema hob er die Inklusion hervor, die sich an den Zielen der UN-Behindertenrechtskonvention orientiert. Diese Rahmenbedingungen bilden die Grundlage für die Einordnung der Bildungsdaten und die Ableitung bildungspolitischer Handlungsschwerpunkte.

Befunde entlang der Bildungsbiografie

Als nächstes stellten Andrea Müller und Marc Hümpfner vom Bildungsbüro ausgewählte Befunde zur frühkindlichen Bildung sowie zum Schulbereich vor. Im Fokus standen zunächst die sozioökonomische Situation von Kindern in Nürnberg sowie die Entwicklung der Anzahl der Kinder mit einer diagnostizierten oder drohenden Behinderung in Kindertageseinrichtungen. Die Auswertungen zeigen, dass die Anzahl dieser Kinder kontinuierlich zunimmt und verdeutlichen den wachsenden Bedarf an inklusiven Bildungs- und Betreuungsangeboten.

Für die öffentlichen allgemeinbildenden Schulen wurden außerdem Befunde zur Verteilung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund beziehungsweise ausländischer Staatsangehörigkeit vorgestellt. Diese verteilen sich unterschiedlich auf die einzelnen Schularten. Als wesentliche Ursachen wurden u.a. die Einrichtung von Deutschklassen sowie unterschiedliche Übergänge nach der Grundschule genannt. Zudem wurde auf eine leicht steigende Zahl von Schülerinnen und Schülern in Einzelinklusion an Grund- und Mittelschulen im vergangenen Jahr hingewiesen, während sie an den weiterführenden Schulen weitgehend konstant blieb.

Im zweiten Teil der Präsentation stellten Claudia Lehnerer und Martina Schuster Befunde zum Übergang von der Schule in den Beruf sowie zum Deutschspracherwerb von Erwachsenen vor. Die Daten zeigen, dass Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Übergangssystem stark überrepräsentiert sind. Dies gilt auch für junge Menschen, die ihren Mittelschulabschluss in Deutschland erworben haben. Gleichzeitig steigt der Anteil ausländischer Auszubildender in der dualen Ausbildung (IHK) stetig. Besonders dynamisch entwickelte sich die die Anzahl der neuzugewanderten ausländischen Auszubildenden, die sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre nahezu verdreifacht hat.

Anschließend wurden die Angebote im Bereich Alphabetisierung und Deutschspracherwerb für Erwachsene dargestellt. Um Menschen mit Deutsch als Zweitsprache den Zugang zum Arbeitsmarkt und zu beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen zu erleichtern, kommt passgenauen Sprachförderangeboten eine zentrale Bedeutung zu. Vorgestellt wurde in diesem Zusammenhang das Kommunale Programm Deutschspracherwerb (KPDe), das 2020 mit dem Ziel gestartet ist, allen nach Nürnberg Zugewanderten den Zugang zu geeigneten Sprachkursangeboten zu erleichtern. Die Zahl der Sprachberatungen in der Zentralen Anlaufstelle Migration (ZAM) – Beratung stieg von 916 im Jahr 2020 auf 2.994 im Jahr 2024 (vgl. Bildungsbericht der Stadt Nürnberg „Bildung in Nürnberg 2025“, Kapitel G).

Den Abschluss bildete ein Blick auf die non-formale Bildung anhand zweier Beispiele: Im Bereich der inklusiven Erwachsenenbildung erholten sich die Teilnahmezahlen des Angebots „barrierefrei Lernen“ nach dem pandemiebedingten Rückgang schrittweise, liegen jedoch weiterhin unter dem Vor-Corona-Niveau. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den darstellenden Künsten: Nach dem starken Rückgang der Besucherzahlen der freien Theater in Nürnberg während der Pandemie stiegen diese in den vergangenen Jahren wieder deutlich an, ohne bislang das Niveau der Spielzeit 2018/19 zu erreichen.

Heterogenität nimmt zu

Wie Elisabeth Ries, Referentin für Jugend, Familie, Senioren und Soziales ausführte, unterscheiden sich insbesondere bei Kindern im Kindergartenalter, d.h. im frühkindlichen Bereich, die Lebenslagen zusehend. Die soziale Herkunft und insbesondere die familiäre Armutssituation haben weiterhin einen erheblichen Einfluss auf Bildungs- und Entwicklungschancen von Kindern. Daraus ergibt sich die zentrale Frage, wie armutssensibel Bildungseinrichtungen gestaltet sind und wie gut es gelingt, Kinder und Familien in unterschiedlichen Lebenslagen zu erreichen. Es sei wichtig, Familien möglichst frühzeitig über Angebote der Familienbildung und Frühförderung zu adressieren und zu gewinnen. Gerade im Sinne präventiver Bildungsarbeit sei es notwendig, diese Zugänge weiter zu stärken.

Im anschließenden Austausch diskutierten die Mitglieder des Bildungsbeirats die vorgestellten Ergebnisse und ordneten sie aus der Perspektive ihrer jeweiligen Bildungsbereiche ein. Einigkeit bestand darüber, dass die Bildungsberichterstattung eine wichtige Grundlage für datenbasierte Entscheidungen bildet und dazu beiträgt, die Bildungslandschaft in Nürnberg bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.