Auf zwei Bildschirmen sind Statistiken zu Bildung zu sehen, von hinten ist eine Person mit halblangen Haaren zu sehen, sie sitzt vor den Bildschirmen.

Bildungsbüro

BildungsDate zum Bildungsbericht: Schule Vision 2040

Beim 14. BildungsDate standen ausgewählte Befunde des aktuellen Nürnberger Bildungsberichts und die kommunale Schulentwicklung im Mittelpunkt. Zu Gast waren Susanna Endler (Institut für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg – IPSN) und Theresa Hühnlein (Wirtschaftsschule Nürnberg). Im 45-minütigen Livestream via MS Teams gaben sie Einblicke in die Strategie Schule Vision 2040 und zeigten auf, wie deren praktische Umsetzung gestaltet ist.

Zunehmende Heterogenität

Zu Beginn des BildungsDates war Cornelia Trinkl, Referentin für Bildung, per Livestream zugeschaltet und führte in die Veranstaltung ein. Dabei zeigte sie auf, wie die kommunalen Schulen in Nürnberg auf gesellschaftliche Veränderungen und eine zunehmend heterogene Schülerschaft reagieren können. Vor dem Hintergrund sich verändernder Anforderungen an die Schullandschaft – geprägt unter anderem durch Internationalisierung und Demokratisierung – soll die Strategie Schule Vision 2040 einen gemeinsamen Rahmen für die Nürnberger Schulen in kommunaler Trägerschaft schaffen. Ein zentrales Anliegen sei es, die Schulentwicklung gemeinsam mit den Schulen zu gestalten. Statt Vorgaben von oben zu machen, setzt die Stadt auf einen partizipativen Entwicklungsprozess.

Dass die Heterogenität der Bildungsteilnehmenden zunimmt, verdeutlichen auch ausgewählte Befunde des Nürnberger Bildungsberichts „Bildung in Nürnberg 2025“, die während des BildungsDates vorgestellt wurden. Der kürzlich erschienene Nationale Bildungsbericht weist auf Bundesebene auf die wachsende Vielfalt in den Lernvoraussetzungen hin. Im Deutschen Bildungsbarometer 2026 wird Heterogenität zudem als zweitgrößte Herausforderung von den Lehrkräften genannt – 34 Prozent der Befragten sehen darin eine der zentralen Aufgaben ihres Schulalltags (vgl. Robert Bosch Stiftung 2026: Deutsches Schulbarometer – Befragung Lehrkräfte).

BildungsDate Bildungsbericht: Schule Vision 2040, Bild © Bildungsbüro / Stadt Nürnberg
Theresa Hühnlein (Wirtschaftsschule Nürnberg), Susanna Endler (Institut für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg – IPSN), Dr. Andrea Knecht und Andrea Müller (Bildungsbüro) (v.r.n.l.)

Schule Vision 2040 als Kompass für die kommunale Schulentwicklung

Anschließend stellte Susanna Endler, am Institut für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg für den Bereich Schultransformation zuständig, die Entstehung und die zentralen Entwicklungsfelder der Schule Vision 2040 vor. Im Mittelpunkt stehen individualisierte und kooperative Lernformen sowie ein Unterricht, der der Vielfalt der Schülerinnen und Schüler gerecht wird. Die Strategie wurde gemeinsam mit Schulen und Expertinnen und Experten entwickelt und greift erfolgreiche Praxisbeispiele auf. Als Orientierung dient ein Kompass, der die Ziele der kommunalen Schulentwicklung bündelt. Dazu zählen selbstgesteuertes Lernen, fächervernetztes und kooperatives Lernen, die Stärkung der kollaborativen Teamarbeit, eine lernförderliche Raumgestaltung sowie die Öffnung der Schule nach außen. Weitere Schwerpunkte sind der Aufbau resilienter Schulsysteme sowie eine lernwirksame Leistungsbewertung. Ziel sei es, Schulen so zu gestalten, dass Vielfalt als Chance genutzt und erfolgreiches Lernen für alle ermöglicht wird.

Die Umsetzung der Schule Vision 2040 erfolgt über einen Steuerkreis, eine jährliche Strategiekonferenz, Hospitanzen an innovativen Schulen sowie Werkstätten für Modellprojektschulen. Ergänzt wird das Angebot durch den stark nachgefragten „Fokuskurs“. Der Kompass dient den Schulen als Orientierung und bildet zugleich die Grundlage für die Prozessbegleitung durch das IPSN.

Beispiele für die Umsetzung

Im Weiteren stellte Theresa Hühnlein, Lehrkraft an der Wirtschaftsschule Nürnberg, den Fokuskurs näher vor, der Schulen dabei unterstützt, eigene Entwicklungsprozesse anzustoßen und weiterzuentwickeln. Ein zentraler Bestandteil ist der Austausch: Jeweils drei Schulen zusammen lernen voneinander und entwickeln gemeinsam Ideen. Dabei werden die Schulen durch das IPSN begleitet.

Im Rahmen dieser Entwicklungsprojekte wurden verschiedene Ansätze erprobt. Ein Beispiel ist das Projekt „Lernen durch Engagement“ in Zusammenarbeit mit dem Sebastianspital und dem NürnbergStift, bei dem insbesondere in den 5. und 6. Klassen selbstgesteuertes Lernen gefördert wird. Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten eigenständig Lernaufträge und übernehmen Verantwortung für ihren Lernprozess.

Ein weiteres Beispiel ist das Bauwagenprojekt, das aufgrund der begrenzten Raumsituation an der Wirtschaftsschule entstanden ist. Der Bauwagen bietet insbesondere den neuen 5. Klassen zusätzliche Lern- und Arbeitsmöglichkeiten außerhalb des Klassenraums. Die Beteiligung der Schülerinnen und Schüler am Aufbau stärkt Verantwortungsübernahme, Teamfähigkeit und Selbstwirksamkeit, wie Theresa Hühnlein ausführte. Besonders für Kinder mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen fördere dies das Gefühl von Zugehörigkeit.

Im BildungsDate wurde deutlich, dass Schulentwicklung vor allem durch gemeinsames Ausprobieren, Austausch und kontinuierliche Weiterentwicklung gelingt. Entscheidend sei es, Veränderungsprozesse nicht als einmalige Projekte zu betrachten, sondern langfristig im Schulalltag zu verankern. Dabei komme der Zusammenarbeit im Kollegium und der Unterstützung durch die Schulleitung eine zentrale Bedeutung zu.