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Umgestaltung des Grünzugs „Weg am Village“

Weg Am Village Bestandsbild

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Die ehemalige Erschließungsstraße wird zu einer öffentlichen Grünanlage umgebaut.

SÖR möchte 2021 den Grünzug „Weg am Village“ zwischen Rothenburger Straße und Westpark umgestalten. Geplant sind eine Grünanlage mit Aufenthaltsbereichen und ein Fußweg entlang der bestehenden Lindenallee.

Geschichtlicher Hintergrund

Auf dem elf Hektar großen Gelände des ehemaligen Wehrmachts-Krankenhauses, das von 1935 bis 1937 als Standortlazarett errichtet und am 20. April 1945 von der US-Armee als Militär-Krankenhaus übernommen worden war, ist nach Abriss des Gebäudekomplexes im Jahr 2001 das neue Wohngebiet „Village“ mit 220 Einfamilienhäusern entstanden. Die östlich anliegende ehemalige Erschließungsstraße ist noch im Originalzustand vorhanden und Gegenstand der geplanten Maßnahme.

Städtebauliche Situation und Bedeutung

Der rund 300 Meter lange Grünzug wird gerne von den Anwohnern als Fußweg in den Westpark genutzt, mehrere Stichwege führen ins Wohnquartier „Village“. Die asphaltierte Straße ist von einer wertvollen Lindenreihe gesäumt, deren älteste Exemplare schätzungsweise 80 bis 100 Jahre alt sind. Auf einer der zwei platzartigen Aufweitungen steht eine Brunnenskulptur, die vermutlich aus der Entstehungszeit stammt. Eine gestockte Ortbetonmauer grenzt den Grünzug zu den Privatgärten der Haeselerstraße ab.

Der ruhige und verkehrsberuhigte Charakter der Grünanlage macht sie nicht nur zur wertvollen Aufenthalts- und Naherholungsfläche, sondern auch zur wichtigen Biotopverbindung zwischen den artenreichen Gärten und den ökologischen Ausgleichsflächen im Norden.

Durch die bestmögliche Integration des Bestands bleibt der historische Hintergrund ablesbar. Der Entwurf schafft so eine Verbindung zwischen der Geschichte des Ortes und einer nachhaltigen Planung, da Eingriffe minimiert werden und die Anlage ihren extensiven Charakter behält.

Ein neuer Fußweg

Die bestehende Asphaltdecke wird zurückgebaut und durch einen neuen, dreieinhalb Meter breiten Gehweg aus wassergebundener Wegedecke ersetzt.

Die Belagswahl hat einerseits gestalterische, andererseits ökologische Gründe. Es soll der Charakter einer Grünanlage entstehen, die zum Spazieren, Flanieren und Verweilen einlädt. Das feinkörnige Material unterscheidet sich visuell und taktil von Straßenbelag wie Asphalt oder Gehwegplatten, es entsteht eine Park-Atmosphäre. Die nicht versiegelte Oberfläche mit unterschiedlichen Partikelgrößen hat positiven Einfluss auf Ökologie und Kleinklima, zum Beispiel durch Aufnahme von Feuchtigkeit, verringerte Rückstrahlung, Standortverbesserung für die Linden etc. Der Regenwasserkanal wird stillgelegt, alles anfallende Niederschlagswasser zu Gunsten der Vegetation direkt versickert.

Um einen Endpunkt der Blickachse zu schaffen, wird der Mittelstreifen der Rothenburger Straße durch Großbäume ergänzt.

Vielfalt am Wegesrand

Der Grünsaum zwischen bestehender Mauer und Weg wird durch die freiwerdende ehemalige Wegfläche erweitert. Ein wärmeliebender Wildstaudensaum und vereinzelte heimische Blühsträucher ersetzen die vorhandenen, ökologisch wenig bedeutsamen Ziersträucher. Heimische Wildformen mit duftenden Blüten und essbaren Früchten bringen attraktive Aspekte das ganze Jahr hinweg und schaffen Vielfalt am Wegesrand.

In lockeren Abständen werden wegbegleitend Strukturelemente eingebracht, die die Biodiversität fördern und Lebensraum für verschiedene Insekten, Kleintiere und Vögel bieten. Naturmaterialien wie Baumstämme, Totholz, Wurzelteller, Findlinge oder ähnliches schaffen auch Bewegungsanreize für Kinder und fördern das Bewusstsein und spielerische Entdecken von Natur in der Stadt.

Die alte Lindenallee ist ein wertvolles Habitat und das raumbildende Element der Anlage. Sie bekommt im Zuge der Maßnahme einen Pflegeschnitt und Dünger. Im sensiblen Wurzelbereich wird nur etwas Mutterboden aufgebracht und es werden ein paar Frühjahrsblüher gesteckt – die sich bei zusagendem Standort selbst ausbreiten.

Entlang des Weges gibt es zwei Aufweitungen, die als Plätze gestaltet zum Aufenthalt einladen.

Platz für die Artenvielfalt

Auf dem südlich gelegenen Platz darf sich Biodiversität ausbreiten. Er wird extensiv gestaltet und eine gewisse Ausbreitung der Natur ist erlaubt. Verschiedene Elemente und Strukturen wie beispielsweise Holzstücke, Steinhaufen oder Schnittgut werden von Tierarten als Lebensraum und Winterquartier genutzt. Eine Strauchpflanzung dient als Sichtschutz zu den privaten Gärten sowie als Nahrungsquelle und Nistplatz für viele Vogelarten. Anwohner haben hier wohl vor einiger Zeit einen Walnussbaum gepflanzt. Dieser bleibt erhalten, er wird durch Obstbäume heimischer, alter Kultursorten ergänzt. Bei Interesse an einer Obstbaum-Patenschaft melden Sie sich gerne bei uns.

Es darf entdeckt, geschnuppert, geerntet und gekostet werden. So wird der Wandel der Jahreszeiten ables- und erlebbar für Klein und Groß. Eine Sitzbank lädt zum Verweilen und Beobachten ein.

Platz mit dem Brunnen

Die ehemalige Einfahrt auf das Hospitalgelände ist markiert durch den einbiegenden Bordstein und eine Brunnenskulptur. Wir wissen wenig über diesen Brunnen, da er nicht im Brunnen- oder Denkmalkataster der Stadt Nürnberg verzeichnet ist. Die Inschrift „Karl May, München, 1938“ deutet darauf hin, dass er seit der Entstehungszeit Ende der 1930er-Jahre an diesem Ort steht und damit ein wichtiger Identifikationspunkt im Quartier ist.

Untersuchungen zur Restaurierung und kosten- sowie wassersparenden Inbetriebnahme des Brunnens laufen. Als plätschernder Durchlaufbrunnen bringt er hoffentlich bald erfrischende Kühle an heißen Sommertagen und bewässert die Lindenallee bei Trockenheit.

Auch hier kann man auf einer Sitzbank abseits des Verkehrslärms entspannen und die grüne Großstadtoase genießen.

Weiteres Vorgehen

Am 18. November 2020 wurde eine digitale Bürger-Informationsveranstaltung von SÖR durchgeführt – besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Die SÖR-Projektleitung und Freiraumplanerin Melanie Meichsner stellte insgesamt rund 60 Anwohnerinnen und Anwohnern und Interessierten das Projekt vor. Zahlreiche Ideen und Anregungen aus der Bürgerschaft erreichten uns und werden in die Planung einfließen. Auch den überarbeiteten Entwurf werden Sie auf der SÖR-Website finden.

SÖR dankt dem Bürgerverein für die breite Unterstützung der Bürgerbeteiligung und lädt Interessierte weiterhin zum Dialog über die E-Mail-Adresse wege-am-village[at]stadt.nuernberg.de ein.

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