Als Anerkennung für künstlerische und soziokulturelle Leistungen, die neue Akzente in der Kultur und Stadtgesellschaft setzen, vergibt die Stadt Nürnberg jährlich Kulturpreise im Wert von insgesamt 20.000 Euro. Jetzt stehen die Preisträgerinnen und Preisträger 2026 fest. Am Mittwoch, 22. Juli 2026 hat der Nürnberger Stadtrat die Vergabe auf die Empfehlung des Beratergremiums für kulturelle Fragen beschlossen.

Der große Kulturpreis (Dotierung 10 000 Euro) geht an die Harfenistin Prof. Lilo Kraus.
Die fünf, jeweils mit einem Preisgeld in Höhe von je 4.000 Euro dotierten Kulturpreise gehen an die Musikerin und Dirigentin Yudania Gómez Heredia, die Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin, Choreographin und Autorin Julia Kempken, Poetry Slammerin, Improtheaterspielerin und Moderatorin Katharina Mock, die Bildende Künstlerin und Kuratorin Kasia Prusik-Lutz, das Revue Theater PARADIES.
Der Große Kulturpreis (Dotierung 10 000 Euro) für:
Lilo Kraus hat sich als Solo-Harfenistin der Staatsphilharmonie und als Professorin an der Nürnberger Musikhochschule einen international beachteten Namen erarbeitet. Doch ihr künstlerisches Wirken reicht weit über diese beiden Rollen hinaus: Seit vielen Jahren bewegt sie sich mit bemerkenswerter Vielseitigkeit zwischen den Genres – vom Blues bis zur musikalischen Umrahmung von Autorenlesungen. Als Kulturpreisträgerin der Stadt Deggendorf ist Lilo Kraus längst nicht nur deutschlandweit, sondern auch international gefragt. Auch musikalisch scheut sie keine Grenzen: In eigenen Projekten verbindet sie die Harfe mit zeitgenössischer Musik und erschließt gemeinsam mit unterschiedlichsten Ensembles – etwa im Duo Harp oder im Lilo Kraus Quartett – immer wieder neue Klangwelten für ihr Instrument.
Die Kulturpreise (Dotierung je 4 000 Euro) für:
Yudania Gómez Heredia verkörpert wie kaum eine andere die Verbindung von Nürnberger Kulturarbeit und internationaler Strahlkraft. Seit 2014 lebt und arbeitet sie in Nürnberg, wo sie an der Hochschule für Musik studierte. Hier hat sie sich nicht nur als Dirigentin und Musikerin einen Namen gemacht – unter anderem mit der vielbeachteten Uraufführung ihrer Vertonung des Gedichts „Décima“ ihrer kubanischen Landsfrau Mirta Aguirre im Rahmen des Deutschen Chorfestes 2025 –, sondern engagiert sich auch als Vermittlerin: in der Arbeit mit unterschiedlichen Gesangs- und Posaunenchören sowie als Kursleitung am Bildungszentrum der Stadt Nürnberg (Pop Chor). Ihren internationalen Durchbruch verdankt sie nicht zuletzt der Zusammenarbeit mit dem spanischen Superstar Rosalía: Als Dirigentin verantwortet sie Produktionen von globaler Reichweite, darunter eine Tournee mit rund 40 Konzerten in zahlreichen Ländern.
Seit 1987 bereichert Julia Kempken das Nürnberger Kulturleben als Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin, Choreographin und Autorin – bislang fünf abendfüllende Theaterstücke tragen ihre Handschrift. 2006 gründete sie das Theater Rote Bühne in Nürnberg, das Stücke im Stil der 1920er Jahre und der Weimarer Republik auf die Bühne bringt und sich seit 2008 zudem zu einem gefragten Spielort für hochkarätiges Burlesque entwickelt hat. Diese Entwicklung ist maßgeblich Julia Kempkens Verdienst: Mit enormem Einsatz, Optimismus und Kreativität hat die Gründerin das Theater Rote Bühne zu einer der ersten Adressen für niveauvolle Kleinkunst in Stadt und Region gemacht. Darüber hinaus engagiert sie sich politisch und gesellschaftlich, unter anderem mit zahlreichen Benefizveranstaltungen.
Katharina Mock zählt zu den vielseitigsten und umtriebigsten Kulturschaffenden der Region – als Poetry Slammerin, Veranstalterin, Moderatorin, Improtheaterspielerin und Kolumnistin. Dabei produziert sie nicht nur selbst, sondern setzt sich mit großem Engagement auch für die Förderung des Nachwuchses ein. Seit 2010 steht sie als Poetry Slammerin auf der Bühne. Im Januar 2015 gehörte sie zum Gründungsteam des monatlichen U20-Poetry-Slam in Erlangen, wo sie Anfang 2024 gemeinsam mit Cris Ortega zudem die queer-feministische Veranstaltungsreihe „LAUTST*RK“ ins Leben rief. Seit 2015 ist sie Mitglied des Improtheaterensembles „holterdiepolter!“, dessen Vorstand sie von 2016 bis 2022 angehörte. Für das Nürnberger Stadtmagazin CURT schreibt sie eine Poetry-Slam-Kolumne, seit Februar 2020 verantwortet sie zudem die monatlichen Poetry Slams im Parks und im Erlanger E-Werk. Alle zwei Monate lädt sie außerdem als Gastgeberin zur Reihe „Lesen für Bier“.
Kasia Prusik-Lutz, geboren 1984, prägt seit Jahren als freischaffende Künstlerin und Kuratorin die Kunst- und Kulturszene Nürnbergs. 2010 kam sie als Stipendiatin erstmals an die AdBK, seit 2012 lebt und arbeitet sie fest in der Stadt. Ihr interdisziplinärer Ansatz verbindet Malerei, Grafik, Videokunst, Illustration und Kuration zu einem unverwechselbaren künstlerischen Profil.
So realisiert sie unter anderem Installationen, Plakate und grafische Interventionen im Stadtraum (#kunstanschlag, Straßenbahngestaltung) ebenso wie visuelle Konzepte für Festivals (texttage.nuernberg, Polnische Filmwoche). Zahlreiche Ausstellungen in Nürnberg zeugen von ihrem vielseitigen Schaffen, das 2016 unter anderem mit einer Auszeichnung für die Blaue Nacht gewürdigt wurde. Längst reicht ihre Wirkung über Nürnberg und Deutschland hinaus: Ihre Arbeiten sind in verschiedensten europäischen Ländern sowie in den USA präsent.
Das Paradies Revue Theater zählt zu den Institutionen mit Geschichte: als nach Hamburg zweitältestes deutsches und Süddeutschlands einziges Travestietheater sorgt es seit seiner Eröffnung 1978 für ein monatlich wechselndes Programm aus der bunten Welt der Revue. Travestieshows, Live-Gesang, Comedy-Veranstaltungen und Striptease für sie und ihn garantieren dabei keine Langeweile.
Große Namen der Szene wie Elke Winter oder Olivia Jones haben im Paradies Revue Theater bereits gastiert – ein Beleg für den festen Platz, den das Haus sich in der deutschen Travestie- und Revuelandschaft erarbeitet hat.
Gemäß der Satzung der Stadt Nürnberg über die Verleihung von Kulturpreisen werden die Vorschläge für Kulturpreise der Stadt Nürnberg durch das Beratergremium für kulturelle Fragen ausgesprochen.
