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Standort der Ausweichspielstätte des Staatstheaters

Alternative Standorte der Verortung des Ergänzungsbaus der Ausweichspielstätte des Nürnberger Staatstheaters

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Die Kongresshalle wird Standort für die Ausweichspielstätte des Staatstheaters. Hierfür soll ein Ergänzungsbau mit Bühne, Orchestergraben und Zuschauerraum auf dem Areal der Kongresshalle errichtet werden. Wo, genau, entscheidet sich in den kommenden Wochen.

Der Stadtrat stimmte im Dezember 2021 mit großer Mehrheit für die Kongresshalle als Standort einer Ausweichspielstätte. Betriebs- und Produktionsräume sollen in der Kongresshalle untergebracht werden, zusätzlich soll ein Ergänzungsbau mit Bühne, Orchestergraben und Zuschauerraum errichtet werden. Notwendig wurde die Ausweichspielstätte, da 2025 die Betriebserlaubnis für das Opernhaus ausläuft und dort dringend notwendige Sanierungsarbeiten beginnen sollen.

Offen gelassen hat der Stadtrat die Frage nach einem geeigneten Standort für den Ergänzungsbau. Aspekte der Nachhaltigkeit, Zugänglichkeit und Barrierefreiheit, der Wirtschaftlichkeit, des Umwelt- und Naturschutzes, des Naherholungscharakters des Geländes sowie der Erinnerungskultur und der Etablierung von Ermöglichungsräumen für Kunst und Kultur sollen hierbei berücksichtigt werden.

Zur Beantwortung dieser komplexen Frage hat die Stadt im Mai ein Gutachterverfahren etabliert. Betreut wird das Verfahren vom Büro C4C competence for competitions, Berlin. Nationale und internationale Architekturbüros sind aufgefordert worden, Ideen zu einem Standort zu entwickeln und entsprechende Vorlagen einzureichen. Am 30. Juni tagt ein Gremium mit Persönlichkeiten aus Architektur, Geschichtswissenschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft. Aufgabe des Fachgremiums ist es, eine Empfehlung für den Standort zu formulieren.

Die Empfehlung des Entscheidungsgremiums

Das Entscheidungsgremium im Gutachterverfahren „Ausweichspielstätte für die Musik- und Tanztheatersparten des Staatstheaters Nürnberg“ hat in nichtöffentlicher Sitzung am 30. Juni 2022 die Empfehlung ausgesprochen, den Ergänzungsbau für das Interim von Oper und Tanz des Staatstheaters Nürnberg im sog. Innenhof der Kongresshalle zu platzieren. Das Gremium empfiehlt weiterhin, den Ergänzungsbau – der Bühnenraum, Orchestergraben, Zuschauerraum und Nebenräume umfasst – an der nordwestlichen Innenseite des Kongresshallen-Torsos zu verorten. Die Funktionsräume des Theaterbetriebs sollen sich im Bestand der Kongresshalle in Anbindung an den Ergänzungsbau befinden.

Das Gremium ist mit großer Mehrheit überzeugt, dass die Gesamtwirkung des Innenhofs unwesentlich beeinträchtigt und insbesondere die architektonische Intervention von Günther Domenig aus dem Jahre 2001 in ihrer Wirkung nicht geschmälert wird. Der Relevanz der Kongresshalle für die Erinnerungskultur und die Bildungsarbeit wird umfassend Rechnung getragen.
Darüber hinaus werden die bisherigen Nutzungen in und im Umgriff der Kongresshalle nicht beeinträchtigt. Sie prägen weiterhin ohne Einschränkung die vielfältige demokratische Nutzung und Aneignung des Geländes.
Eine Positionierung des Ergänzungsbaus im Innenhof berücksichtigt zentrale ökologische Aspekte und ist Kriterien der Nachhaltigkeit verpflichtet: der Gewässerschutz bleibt gewährleistet; Eingriffe in den Baumbestand im Umgriff der Kongresshalle sind nicht notwendig; Ersatz-Habitate sind zu schaffen.
Ein Ergänzungsbau an der nordwestlichen Seite des Innenhofs garantiert schließlich eine zwingende funktionale und architektonische Verschränkung mit dem Bestand der Kongresshalle, in dem die verbleibenden Funktionsräume für das Interim untergebracht werden sollen. Diese Verschränkung verringert den Flächenbedarf für den Ergänzungsbau und scheint insofern wirtschaftlich.

Die Entscheidung für den Standort stärkt die Perspektiven zukünftiger Auseinandersetzungen und Nutzungen. Der Ergänzungsbau im Innenhof hat das Potential, dazu beizutragen, diesen historisch kontaminierten Ort wahrzunehmen und im demokratisch künstlerischen Sinn zu nutzen.

Jury

Jurysitzung Operninterim

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  • Prof. Dr. Norbert Frei, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Prof. Nadja Letzel, Architektin und Studiendekanin; Professorin für Entwerfen und Bauen im Bestand an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm
  • Dr. Birgit Meyer, Intendantin Oper Köln
  • Prof. Dip.-Ing. Architekt Mathias Pfeil, Generalkonservator, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
  • Birgit Rapp, Architektin, Amsterdam, Mitglied der Stadtgestaltungskommission der Stadt München
  • Dr. Rachel Salamander, Literaturwissenschaftlerin und Publizistin
  • Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland
  • Prof. Dr. Jörg Skriebeleit, Leiter KZ-Gedenkstätte Flossenbürg; Honorarprofessor an der Universität Regensburg; Direktor Zentrum Erinnerungskultur
  • Prof. Dr. Stephan Trüby, Leiter des Instituts für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen an der Universität Stuttgart

Beratung

  • Prof. Dr. Charlotte Bühl-Gramer, Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg; Vorsitzende Wissenschaftlicher Beirat für den Erinnerungsort ehemaliges Reichsparteitagsgelände Nürnberg
  • Dr. Axel Drecoll, Direktor Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten; Wissenschaftlicher Beirat für den Erinnerungsort ehemaliges Reichsparteitagsgelände Nürnberg
  • Prof. Jens-Daniel Herzog, Intendant Staatstheater Nürnberg
  • Werner Karg, Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus
  • Marcus König, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg
  • Prof. Dr. Julia Lehner, Bürgermeisterin der Stadt Nürnberg
  • N.N., Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
  • N.N., Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien BKM
  • Dr. Oscar Schneider, Bundesminister a.D., Kuratorium Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Ehrenbürger der Stadt Nürnberg
  • Daniel F. Ulrich, Planungs- und Baureferent der Stadt Nürnberg

Architekturbüros

Acht renommierte nationale und internationale Architekturbüros folgten der Einladung der Stadt, sich an dem Verfahren zu beteiligen. Deutlich wurde hierbei die internationale Relevanz, die dem Gesamtvorhaben zugeschrieben wird. Die eingeladenen Büros besitzen fundierte Expertise bei der Errichtung von großen, emblematischen und repräsentativen Kulturbauten. Weltweit waren und sind sie beteiligt an Planung und Errichtung großer Opern- und Konzerthäuser und weiterer Kultureinrichtungen.

bez + kock architekten Generalplaner GmbH, Stuttgart

BIG Bjarke Ingels Group, Copenhagen, New York, London, Barcelona, Shenzhen

Glöckner Architekten GmbH, Nürnberg

gmp International GmbH, Hamburg, Berlin, Aachen, Shanghai, Peking, Shenzhen, Hanoi

Hilmer Sattler Ahlers Albrecht Gesellschaft von Architekten mbH, München, Berlin

LRO GmbH & Co. KG, Stuttgart

Sauerbruch Hutton Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

Snøhetta AS, Oslo, New York, Innsbruck, San Francisco, Paris, Hong Kong, Adelaide

Zur Kongresshalle

Die Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände ist eine der bundesweit größten noch existierenden baulichen Hinterlassenschaften der NS-Diktatur. Der 1935 begonnene Bau wurde nie vollendet und nie im ursprünglichen Sinne als Ort der Parteikongresse der NSDAP genutzt. Die Nutzungsgeschichte seit 1945 ist divers und reicht von profanem Gebrauch als Lager eines Großversands oder Kfz-Sammelstelle bis hin zu kultureller Nutzung – seit 1962 spielen vor Ort die Nürnberger Symphoniker, seit 2001 befindet sich hier das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände. Die Frage nach einer erweiterten kulturellen Nutzung des Bauwerks schließt nicht nur die Interimsspielstätte für das Nürnberger Staatstheater ein, sondern weiterhin auch die zusätzliche Etablierung von kulturellem Ermöglichungsraum für Kunstschaffende und kulturelle Institutionen.

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Aktualisiert am 27.07.2022, 04:45 Uhr

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