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Juryentscheidung Menschenrechtspreis 2015

Am Sonntag, dem 28. September 2014 hat die Jury des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises unter Vorsitz des Oberbürgermeisters der Stadt Nürnberg im Rathaus getagt und folgende Entscheidung über die elfte Preisverleihung getroffen:

Jurysitzung 2014

Der Preisträger ist Herr Amirul Haque Amin aus Bangladesch

Die Jury begründete ihre Entscheidung folgendermaßen:

Amirul Haque Amin kämpft mit bewundernswertem Mut für die Rechte von Arbeiterinnen und Arbeitern. Er ist Präsident und Mitbegründer der seit 1984 bestehenden National Garment Workers Federation (NGWF - Nationale Gewerkschaft der Textilarbeiter), der größten nationalen Gewerkschaft in Bangladesch. Diese setzt sich mit Hartnäckigkeit und Unerschrockenheit für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen und damit für die Würde der Menschen ein, die in der exportorientierten Bekleidungsindustrie von Bangladesch tätig sind.

In der Textil- und Bekleidungsindustrie gibt es zahllose Arbeitsrechtsverletzungen, nicht nur in Bangladesch, sondern auch in anderen Ländern des Südens. Es konnten zwar einige Fortschritte erzielt werden, aber viele weitere sind noch nötig. In Anbetracht der Einsturzkatastrophe des Rana Plaza Gebäudes in Dhaka, die zum Tod von 1135 Arbeiterinnen und Arbeitern und über 2000 Verletzten geführt hat, will die Jury auch einen Appell an die Modeunternehmen richten, deren Produkte in dieser Fabrik gefertigt wurden und die bisher noch keine Entschädigungszahlungen geleistet haben. Außerdem möchte die Jury ihre Entscheidung auch als einen Aufruf an die gesamte Bekleidungsindustrie verstanden wissen, dafür zu sorgen, dass faire Bedingungen in allen Gliedern der Produktionskette eingehalten werden.

Mit der Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises 2015 ehrt die Jury zum ersten Mal einen Aktivisten für soziale und wirtschaftliche Menschenrechte. Damit möchte sie die Aufmerksamkeit in drei Richtungen lenken: Zum einen auf die Wahrnehmung der Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Ort. In Bangladesch ist Gewerkschaftsarbeit außerordentlich gefährlich. Die Aktivistinnen und Aktivisten laufen nicht nur Gefahr, ihre Arbeitsstelle zu verlieren, wenn sie sich gegen die schrecklichen Arbeitsbedingungen wehren; sie werden oft schikaniert, bedroht oder verhaftet. Die Jury hofft, dass der Preis Herrn Amin und seinen Mitstreitenden den notwendigen Schutz gibt, um ihre wichtige Arbeit für menschenwürdige Arbeitsbedingungen fortsetzen zu können. Zum anderen möchte die Jury an das Verbrauchergewissen appellieren und für verantwortungsvollen Konsum sensibilisieren. Die Öffentlichkeit hat das Recht zu erfahren, unter welchen Bedingungen ihre Bekleidung produziert wird. Nicht zuletzt möchte die Jury ihr Votum in einem wirtschaftsethischen Rahmen eingebettet sehen, denn globalisierter und freier Handel ohne die Einhaltung sozialer Standards widerspricht grundlegenden menschenrechtlichen Anforderungen.

Nürnberg, den 28. September 2014

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