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Samuel Ruíz García

Samuel Ruíz García wurde 1924 im mexikanischen Bundesstaat Guanajuato als Sohn von Mestizen geboren. Nach Beendigung seiner theologischen Studien an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und anschließender Promotion in Theologie und Bibelwissenschaften empfing er 1949 dort auch seine Priesterweihe.

1960 wurde Samuel Ruíz García Bischof der im Indio-Gebiet gelegenen südmexikanischen Diözese San Cristóbal de Las Casas und damit einer der Nachfolger des berühmten Dominikanerbischofs Bartholome de Las Casas, der bereits im 16. Jahrhundert für die Rechte der Ureinwohner eintrat.

Auch Bischof Ruíz engagierte sich für die Rechte dieser unterdrückten und ausgebeuteten Volksgruppe, die über 80 Prozent der Christen seiner Diözese stellt. Er tat dies so vehement, dass ihn die einen ehrfürchtig „Vater”, andere jedoch, insbesondere Großgrundbesitzer und Politiker, den „roten Bischof” oder „Vaterlandsverräter” nannten. Im Jahre 1994 tauchten sogar Fahndungsfotos mit seinem Porträt auf Stromkästen und Hauswänden auf, und Morddrohungen waren, so sagte er, für ihn an der Tagesordnung.

Unbeliebt gemacht hat sich der unermüdliche Kämpfer für die Indios im Bundesstaat Chiapas aber auch bei der Amtskirche. Als Anhänger der Befreiungstheologie abgestempelt, warf ihm der Vertreter des Vatikan in Mexiko, Nuntius Girolamo Prigione, bereits 1993 „doktrinäre und pastorale Fehler” vor und legte ihm den Rücktritt nahe, den der heute wohl populärste Bischof Mexikos jedoch ablehnte. Zuvor hatte Ruíz García einen scharf formulierten Hirtenbrief verfasst, in dem er den von der Regierung praktizierten Neoliberalismus kritisierte, den immer wiederkehrenden Wahlbetrug in seinem Land anprangerte und eindringlich eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Indios forderte.

Als sich 1994 die Indios in Chiapas zu einer Rebellion erhoben, verurteilte er eindringlich die Gewalt, äußerte aber auch Verständnis für die Verzweiflung der in der „Nationalen Zapatistischen Befreiungsarmee” organisierten Ureinwohner. Für Ruíz García war es selbstverständlich, sich als Vermittler zwischen Regierung und aufständischen Indios zur Verfügung zu stellen. Ende 1994 trat er sogar in einen Hungerstreik, um die festgefahrenen Verhandlungen wieder in Gang zu bringen. Welch massivem Druck der Bischof ausgesetzt war, wurde daran deutlich, dass ihm von wirtschaftlich und politisch einflussreichen Kreisen in Mexiko vorgeworfen wurde, die Unruhen provoziert und durch die Internationalisierung des Problems dem Ansehen des Landes geschadet zu haben.

Auch von einer Amtsenthebung durch den Vatikan war zeitweilig die Rede, was angesichts des Rückhalts, den der Bischof in der Bevölkerung nach wie vor genießt, schwierig geworden wäre: Nach seiner ersten „Abmahnung” hatten Seelsorger seines Bistums erklärt, wenn man die pastorale Arbeit von Samuel Ruíz García in Frage stelle, bedeute dies nichts anderes, als die Arbeit von Tausenden von Männern und Frauen im Dienste der Neu-Evangelisierung zu kritisieren. Darüber hinaus protestierten ca. 20.000 Bauern in einem Brief an Papst Johannes Paul II. gegen die drohende Absetzung des Bischofs. Und die Nuntiatur in Mexiko-Stadt wurde von Solidaritätsbotschaften für Samuel Ruíz García überschwemmt.

Durch seinen mutigen Einsatz für Frieden und Menschenrechte wurde Bischof Ruíz immer wieder in seinem Leben bedroht. Am 5. November 1997 wurde ein Anschlag auf ihn und Weihbischof Raúl Vera López verübt, der fehlschlug. Das Attentat dürfte auf das Konto der paramilitärischen Gruppe “Paz y Justicia” gehen, die schon lange gegen die Friedensaktivitäten der beiden Bischöfe kämpfte. Am 24. Januar 1998 erhielt Bischof Samuel Ruíz García telefonisch Todesdrohungen. Als er Anfang 2000 in den Ruhestand ging, äußerten Vertreter der Diözese San Cristobal die Auffassung, dass Samuel Ruíz García gerade jetzt gefährdet sei, da die mexikanische Regierung nicht mehr unmittelbar für sein Leben bürgen müsste.

Bischof Samuel Ruíz García zählte zu den herausragenden Persönlichkeiten der katholischen Kirche in Lateinamerika. Für sein großes Engagement zur Wahrung der Menschenrechte wurden ihm zahlreiche Auszeichnungen verliehen, darunter die Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen u.a. für seinen „leidenschaftlichen Einsatz zur Verteidigung der Rechte der indigenen Völker”. Samuel Ruíz García wurde mehrmals für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, 1997 erhielt er den Martin-Ennals-Preis und 2000 den Simon-Bolivar-Preis der UNESCO.

Nach langer Krankheit starb Samuel Ruíz García am 24. Januar 2011 im Alter von 86 Jahren in einem Krankenhaus in Mexiko Stadt.

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