Atlanta gilt als Wiege der Bürgerrechtsbewegung in den USA und Nürnberg gibt sich das Leitbild als „Stadt des Friedens und der Menschenrechte“. Das Bekenntnis beider Städte zu den Schutz- und Freiheitsrechten bietet der Städtepartnerschaft besondere Perspektiven. Speziell bei den Jugend- und Schulbegegnungen.
Deep Dive 2026: Youth investigating signs of equality
Was bedeutet der Gleichheitsgrundsatz der Menschenrechte im Alltag und wie kann er geschützt werden? Zehn Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe des Pirckheimer-Gymnasiums und zehn Jugendlichen der Benjamin E. Mays High-School gingen diesen zentralen Fragen in Atlanta auf den Grund.
Das National Center for Civil and Human Rights in Atlanta war vom 10. bis 18. Oktober das Zentrum der Jugendbegegnung. Hier fanden persönliche Vorstellungsrunden, Speeddating und Workshops zur thematischen Auseinandersetzung statt. Die intensive Präsenz der Jugendlichen überraschte selbst die Mitarbeiter des Centers: So viel lebhafte Belegung gabs selten.
Lernen durch Begegnung und eigenes Handeln
Die Jugendlichen erlebten und reflektieren auch, was Menschenrechte im Alltag und durch ihr eigenes Handeln bedeuten.
Besonders anschaulich wurde dies beim Besuch eines „Welcoming Atlanta“ Projekts, bei der die Gruppe bei der Essensausgabe für bedürftige Einwandererfamilien half und mit deren Kindern spielte. Hier wurde aus der Beschäftigung mit Menschenrechten konkretes Engagement. Zugleich förderte die aktive Begegnung den Perspektivwechsel, die Zusammenarbeit und den Austausch über unterschiedliche Erfahrungen.



... ist eine Initiative des Bürgermeisterbüros für internationale Beziehungen und Einwanderungsfragen in Atlanta, die sich für eine inklusive Stadt und eine umfassende Unterstützung der internationalen und zugewanderten Bevölkerung einsetzt, unter anderem durch lokale Hilfsangebote und die Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Organisationen.
Eigene Ideen für Menschenrechte
Im Laufe der Woche entwickelten die Jugendlichen eigene Projekte zum Thema Menschenrechte, die sie am Abschlussabend im Rathaus von Atlanta vor den amerikanischen Gästen präsentierten. Damit brachten sie ihre Erkenntnisse in eine eigene Form und machten sichtbar, welche Themen und Werte ihnen wichtig sind.

Deep Dive ist ein gemeinsames Projekt der Stadt Nürnberg, Abteilung Internationale Beziehungen, der Stadt Atlanta und des National Center for Civil and Human Rights in Atlanta.
Gefördert durch die Halle Stiftung.

Deep Dive 2025: Der Hauptkriegsverbrecher Prozess
Nach dem ersten Austausch 2024 in Atlanta trafen sich die Teilnehmenden des Projektes „Deep Dive“ im Oktober 2025 in Nürnberg und setzen sich intensiv mit der Geschichte und der heutigen Bedeutung der Nürnberger Prozesse 1945 auseinander.
Unterschiedliche Perspektiven
Im Seminar zeigte sich schnell, dass beide Jugendgruppen bereits Vorwissen zu den Nürnberger Prozessen mitbrachten. Besonders die Jugendlichen und Teamerinnen aus Atlanta betrachteten die Rolle der USA jedoch deutlich kritischer. Sie würdigten zwar den Versuch, nach den NS Verbrechen Recht zu sprechen, statt Vergeltung zu üben, betonten aber zugleich, dass die USA zu dieser Zeit noch immer von massiver Diskriminierungen gegenüber people of color geprägt waren. Die historische Erfahrung jahrhundertelanger Ausgrenzung beeinflusst ihren Blick bis heute und führte zu intensiven Diskussionen mit den Nürnberger Jugendlichen, für die diese Perspektive neu war.

Fiktives Zeitzeugengespräch
In Kleingruppen arbeiteten die Jugendlichen zu vier Persönlichkeiten der Prozesse: Den US Chefanklägern Robert H. Jackson und Benjamin Ferencz, der französischen Richterin Dr. Aline Chalufour sowie der polnischen Auschwitz Überlebenden Seweryna Szmaglewska. In einem fiktiven "Zeitzeugengespräch" führten diese Persönlichkeiten ein Gespräch mit den Jugendlichen von heute. Dabei entstanden direkte Bezüge zu aktuellen Konflikten und Fragen von Gerechtigkeit, Krieg und Diskriminierung. Die Übung zeigte eindrucksvoll, wie relevant die Nürnberger Prozesse für heutige gesellschaftliche Debatten bleiben.

Deep Dive 2024: US Wahlen vor Ort
Im November 2024 reisten Schülerinnen und Schüler des Martin-Behaim-Gymnasium nach Atlanta um einige Tage rund um die US-Präsidentschaftswahlen zu erleben.
In Workshops zum amerikanischen Wahlsystem und zu den „Voting Rights“ gewannen sie Einblicke in politische Strukturen und gesellschaftliche Herausforderungen.
Besonders eindrucksvoll war die Begegnung mit „Mi Familia Vota“, einer Nicht-Regierungs-Organisation, die sich für die Wahlregistrierung von Migrantinnen und Migranten engagiert, um deren politische Teilhabe zu stärken.
Neben der politischen Bildung stand der interkulturelle Austausch im Mittelpunkt: Leben in Gastfamilien, gemeinsamer Unterricht mit Lernenden der Benjamin-Mays-Highschool und zahlreiche Begegnungen machten Unterschiede und Gemeinsamkeiten unmittelbar erfahrbar.

Brücken zwischen den Welten: Deutsche Auswanderung, Kunst und Menschenrechte in Atlanta
Im November 2025 war das P-Seminar Menschenrechte in Atlanta zu Gast. 15 Schülerinnen und Schüler des Sigmund-Schuckert-Gymnasiums und 15 Jugendliche der Maynard H. Jackson High School bauten „Brücken zwischen den Welten: Deutsche Auswanderung, Kunst und Menschenrechte in Atlanta“.

Demokratie in Aktion: Förderung von Fairness und Mitbestimmung
Ende Oktober 2024 begegneten sich Schülerinnen und Schüler des Sigmund-Schuckert-Gymnasium und der Maynard H. Jackson High School in Atlanta unter dem Thema „Demokratie in Aktion – Förderung von Fairness und Mitbestimmung“.
Folgende vier erarbeitete Themenbereiche stellten sie in ihrer Abschlusspräsentation vor.
Deutschland hat ein Mehrparteiensystem, in dem Regierungen meist als Koalitionen mit parlamentarischer Mehrheit gebildet werden. Politische Begriffe wie „liberal“ oder „konservativ“ sind breiter gefasst und nicht strikt an einzelne Parteien gebunden.
In den USA dominiert ein Zweiparteiensystem. Je nach Wahlausgang kann eine Partei sowohl die Präsidentschaft als auch beide Kammern des Kongresses kontrollieren oder die Macht ist zwischen den Parteien aufgeteilt. Politische Begriffe sind dort stärker parteipolitisch festgelegt.
In Deutschland müssen sich Wählerinnen und Wähler mit einem Lichtbildausweis ausweisen, zudem wird die Wahlbenachrichtigung vorgelegt.
In den USA unterscheiden sich die Regeln je nach Bundesstaat: Einige verlangen einen Lichtbildausweis, andere akzeptieren alternative Nachweise oder haben geringere Anforderungen.
Wahlkreise werden in Deutschland zumeist langfristig festgelegt, wobei parteipolitische Einflussnahme begrenzt ist. In den USA kommt es hingegen zum Gerrymandering, bei dem Wahlbezirke gezielt zugunsten einer Partei zugeschnitten werden.
In Deutschland gilt die Wahlbeteiligung als wichtiger Indikator für politische Teilhabe, wobei das Wahlsystem eine relative proportionale Abbildung der Stimmen ermöglicht.
In den USA ist die Wahlbeteiligung oft niedriger und schwankt stärker. Es ist deutlich stärker entscheidend, ob Wähler das Gefühl haben, dass ihre Stimme tatsächlich Einfluss hat.
Deutschland nutzt ein personalisiertes Verhältniswahlrecht, bei dem sich die Sitzverteilung im Parlament am Stimmenanteil orientiert.
In den USA wird der Präsident indirekt über das Wahlmännerkollegium gewählt. Da die Stimmen in den meisten Bundesstaaten nach dem Mehrheitsprinzip vergeben werden, kann das Ergebnis vom landesweiten Stimmenanteil abweichen.
In den USA gibt es keinen einheitlichen, automatischen „Wählerstatus“ wie in Deutschland. Man muss sich aktiv registrieren lassen – und genau hier beginnt das föderale Patchwork, da die Bundesstaaten verschiedene Verfahren beim Zugang zu den Wählerlisten haben
Jugend- und Schulaustausche
Auch mit unseren weiteren Partnerstädten finden Jugend- und Schulaustausche statt. Die Schwerpunktsetzungen sind dabei sehr vielfältig, auf einen bestimmten Anlass oder bestimmte Gruppen zugeschnitten. Wenn Sie mehr dazu wissen möchten, setzen Sie sich gerne mit uns in Verbindung.




