Wegweiser Partnerstädte Stadt Nürnberg

Internationale Beziehungen

Nürnberg war international, bevor es den Begriff dafür gab

Nürnberg war nie eine Stadt, die nur auf sich selbst schaute.
So ist sie auch heute international stark verflochten: wirtschaftlich, kulturell und gesellschaftlich. Unternehmen verkaufen ihre Produkte weltweit, Menschen aus vielen Ländern leben in der Stadt, Hochschulen und Institutionen arbeiten international zusammen. Und Nürnberg unterhält ein Netzwerk aus 15 Partnerstädten und 9 befreundeten Kommunen.

Papiertüte mit einer Skizze von Albrecht Dürers Kopf und den Worten  "I love Nürnberg" © ctz nuernberg

Das ist mehr als eine Momentaufnahme

Internationale Beziehungen gehören seit Jahrhunderten zur DNA der Stadt und folgen einem gemeinsamen Muster: Nürnberg war dann stark, wenn es über seine eigenen Grenzen hinausblickte. Sie braucht Menschen, die Kontakte pflegen, Vertrauen schaffen und verstehen, wie man sich begegnen kann.

Eine international verflochtene Wirtschaft

Wie stark Nürnberg und die Region heute vom Auslandsgeschäft abhängen, zeigen die Zahlen der IHK Nürnberg für Mittelfranken im Mai 2026. 18,1 Prozent der regionalen Wertschöpfung sind demnach exportrelevant. Rund 189.000 Arbeitsplätze im IHK-Bezirk hängen unmittelbar vom Exportgeschäft ab. Rund 1,7 Milliarden Euro des regionalen Steueraufkommens sind direkt oder indirekt vom Export abhängig.

Für Nürnberg und sein Umland bedeutet Internationalität deshalb ganz konkret: Sie betrifft Unternehmen und Arbeitsplätze, Kaufkraft und letztlich auch die finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommunen. Internationalität ist damit kein Zusatz zur Stadtentwicklung. Sie ist Teil ihrer Grundlage.

Weltmärkte funktionieren nicht nur mit Verträgen

Doch internationale Wirtschaftsbeziehungen bestehen nicht allein aus Warenströmen, Verträgen und Zahlen. Wer in anderen Ländern erfolgreich sein will, braucht Informationen über Märkte und rechtliche Rahmenbedingungen. Ebenso wichtig sind persönliche Kontakte, Vertrauen, kulturelles Verständnis und die Fähigkeit, Beziehungen langfristig aufzubauen. Deshalb verbindet Außenwirtschaftsarbeit ausdrücklich Information und Networking.

Das zeigt ein grundsätzliches Prinzip: Internationale Beziehungen entstehen zwischen Menschen. Partnerschaften und Netzwerke helfen, Türen zu öffnen, Ansprechpartner zu finden und unterschiedliche Perspektiven zu verstehen.

Plakatmotiv "Nürnbergs Partnerstädte" 2023 © Kasia Prusik-Lutz / Amt für Internationale Beziehungen, Stadt Nürnberg

Städtepartnerschaften: internationale Beziehungen auf Augenhöhe

Städtepartnerschaften können Teil dieser internationalen Infrastruktur sein. Sie ersetzen keine Wirtschaftsförderung und garantieren keine Geschäftsabschlüsse. Aber sie schaffen Kontakte und ermöglichen Begegnungen, aus denen neue Verbindungen entstehen können: zwischen Unternehmen, Hochschulen, Verwaltungen, Schulen, Kultureinrichtungen und Zivilgesellschaft.

Ihr Wert liegt dabei nicht nur darin, Erfahrungen aus Nürnberg weiterzugeben. Internationale Zusammenarbeit bedeutet auch, von anderen zu lernen. Wie gehen andere Städte mit Klimawandel, Mobilität, Digitalisierung, Integration oder gesellschaftlichem Zusammenhalt um? Welche Lösungen funktionieren dort, welche nicht?

Aus der Geschichte gelernt: Städtepartnerschaften als Friedensarbeit

Nach den Verbrechen der NS-Zeit stand Nürnberg vor der Aufgabe, ein neues Verhältnis zu seinen europäischen Nachbarn und zur internationalen Gemeinschaft aufzubauen. Städtepartnerschaften wurden dabei zu einem wichtigen Instrument: Sie ermöglichten Begegnungen, Austausch und den schrittweisen Aufbau von Vertrauen.

Bereits 1954 war Nürnberg an einer wichtigen Initialzündung der modernen Städtepartnerschaftsbewegung beteiligt. Oberbürgermeister Otto Bärnreuther (1908–1957), der selbst Repressalien während der NS-Zeit erfahren hatte, unterzeichnete gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus Brügge, Nizza, Locarno und Venedig auf dem Markusplatz in Venedig einen wegweisenden Verbrüderungseid.

Das geschah fast zehn Jahre vor dem berühmten Élysée-Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich. Auf kommunaler Ebene wurde damit bereits praktiziert, was später auch die europäische Politik prägen sollte: dauerhafte persönliche und institutionelle Beziehungen als Grundlage für Verständigung und Frieden.
In den damaligen Unterlagen heißt es, man wolle „das Werk der Geschichte in einer erweiterten Welt“ fortsetzen und „ständige Bande zwischen den Stadtverwaltungen“ aufrechterhalten. Der Austausch der Einwohner sollte gefördert und damit ein Beitrag zu Frieden, Wohlstand und europäischer Einheit geleistet werden.

Heute agieren Städtepartnerschaften teilweise in anderen Formen, ihre Aufgabe aber ist im Kern die Gleiche. Kriege, internationale Spannungen und gesellschaftliche Polarisierung zeigen, wie schnell Verständigung verloren gehen kann. Persönliche Kontakte zwischen Städten können Vertrauen schaffen, Austausch ermöglichen und Verbindungen auch dann lebendig halten, wenn die große Politik schwieriger wird.

Nürnbergs Städtepartnerschaften sind deshalb mehr als ein Stück Geschichte. Sie sind ein Netzwerk, das über Jahrzehnte gewachsen ist und bis heute von Menschen, Vereinen, Schulen, Institutionen und den Städten selbst getragen wird.

Vom Handelszentrum zum Industriestandort

Im 19. Jahrhundert veränderte sich Nürnberg grundlegend. Mit Industrialisierung, Eisenbahn und Maschinenbau wurde die Stadt zu einem bedeutenden Industriestandort. Unternehmen produzierten zunehmend für überregionale und internationale Märkte, Waren und Rohstoffe wurden über neue Verkehrswege bewegt, und Arbeitskräfte kamen aus anderen Regionen in die wachsende Stadt.
Internationalität war damit nicht mehr nur eine Frage des Handels. Sie prägte zunehmend auch die Stadtgesellschaft. Menschen kamen nach Nürnberg, Unternehmen knüpften neue Verbindungen und technische Entwicklungen wurden aufgenommen, weiterentwickelt und wiederum in die Welt getragen.

Kunst und Wissen überschreiten Grenzen

Noch weiter zurück führt der Blick in die Renaissance. Nürnberg war damals nicht nur Handelsstadt, sondern auch ein Zentrum von Kunst, Wissenschaft und Wissensaustausch.

Albrecht Dürer steht dabei für eine Entwicklung, die weit über seine eigene Person hinausreicht. Um ihn herum versammelte sich ein bemerkenswertes geistiges und kulturelles Netzwerk. Humanisten und Gelehrte trafen und tauschten sich hier aus. Sie machten Nürnberg zu einem Ort, an dem Kunst, Naturwissenschaften, Geschichte und Geografie miteinander verbunden wurden.

Kunst und Wissenschaft entstanden also nicht im luftleeren Raum. Reisen, Kontakte, Handel, Buchdruck und Wissenstransfer gehörten zu den Voraussetzungen für die kulturelle Blüte Nürnbergs.

Handel brachte Waren und Wissen

Auch im Mittelalter prägte die internationale Vernetzung die Noris. Nürnberg lag an wichtigen Handelswegen und entwickelte sich zu einem bedeutenden Handelszentrum. Kaufleute unterhielten Verbindungen in andere Teile Europas, Waren kamen aus entfernten Regionen in die Stadt und Nürnberger Produkte wurden weit über die eigenen Grenzen hinaus gehandelt.
Gold- und Silberschmiede, Handwerker und Händler profitierten von diesen Verbindungen. Über Handelsplätze wie Venedig gelangten nicht nur Waren, sondern auch Nachrichten und Informationen nach Nürnberg.

Nürnberg war international, bevor es den Begriff dafür gab

Und vielleicht liegt genau darin eine der wichtigsten Konstanten der Stadtgeschichte: Internationalität war nie nur eine Frage der Entfernung. Sie entstand dort, wo Menschen Kontakte knüpften, Wissen austauschten, Geschäfte machten, voneinander lernten und Vertrauen aufbauten.
Vom mittelalterlichen Handelsweg über Dürers europäisches Netzwerk und die Industrialisierung bis zur heutigen global verflochtenen Wirtschaft und Stadtgesellschaft hat sich die Form dieser Beziehungen immer wieder verändert.

Das Prinzip ist geblieben: Nürnberg war und ist dann stark, wenn die Stadt Verbindungen in die Welt hat und Menschen diese Verbindungen mit Leben füllen.