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Umweltamt Nürnberg

Freiraumkonzept Nürnberger Süden

Blick in den Hummelsteiner Park, Bild © Gerhard Illig / Stadt Nürnberg / Umweltamt

Das Umweltamt hat ein Freiraumkonzept für den Nürnberger Süden erstellt. Ziel ist es, die Grün- und Freiraumsituation in dem dichtbesiedelten Bereich der Süd- und Südweststadt nachhaltig zu verbessern. Die Ergebnisse des Konzepts liegen seit Juni 2022 vor.

Die Stadt Nürnberg und insbesondere der Nürnberger Süden steht vor großen Herausforderungen: Die Bevölkerung nimmt zu, die Stadt wächst und der Bedarf an Wohnraum und Arbeitsplätzen steigt. Die Anpassungen an die Folgen des Klimawandels durch Zunahme von Hitzestress und Starkregenereignissen, die Stärkung von Biodiversität, die Veränderung des Mobilitätsverhaltens durch einen zunehmenden Anteil von Rad- und Fußverkehr, sozio-demografische Veränderungen und wirtschaftliche Transformationsprozesse erfordern neue Lösungen und Strategien für die Planung in dichten Stadtstrukturen. Zudem hat die Corona-Pandemie zu einem spürbaren Bedeutungsgewinn von wohnungsnahem Grün- und Freiraum geführt.

Das urbane Grün hat vielfältige Funktionen. Neben einem guten Stadtklima mit sauberer Luft reduziert Stadtgrün die Lärmbelastung und ist die Grundlage für unbelastete Böden und Gewässer sowie Lebensraum für Flora und Fauna. Der Freiraum dient daneben auch der Erholung und Bewegung. Freiräume tragen zum Wohlbefinden und zur Gesundheit bei und fungieren als Orte für Kinderspiel und Sport. Zudem sind sie Orte des sozialen und interkulturellen Austausches.

Die Nürnberger Stadtentwicklung ist daher eine qualifizierte („doppelte“) Innenentwicklung, die ein ausreichendes Angebot an Grün- und Freiraum sicherstellt und in einem weiteren Schritt mit dem Einbezug des Verkehrsraums im Sinne einer „dreifachen Innenentwicklung“ erweitert werden soll. Eine forcierte Grün und Freiraumplanung ist wichtiger denn je.

Bausteine des Masterplan Freiraum, Bild © Umweltamt / Stadt Nürnberg

Im Frühjahr 2017 wurde die Erstellung eines Freiraumkonzepts für den Bereich innerhalb der Ringstraße als weiterer Baustein des Masterplans Freiraum beschlossen. Dabei wurde die Süd- und Südweststadt in den Fokus genommen.

Ziel ist es überall wo möglich, neues und kühlendes Stadtgrün zu schaffen. Existierende Grün- und Parkflächen sollen gesichert werden, attraktiver, klimaangepasster gestaltet und auch erweitert werden. Umfassend begrünte Plätze, Hinterhöfe, Dächer und Fassaden sollen ebenso wie neue klimagerechte Straßenbäume den Folgen des Klimawandels entgegenwirken und den Süden kühlen, lebenswerter, gesünder und biodiverser machen.

Der Planungsraum befindet sich innerhalb der Ringstraße und enthält süd- und südwestliche Stadtbereiche. Die nördliche Grenze bilden der Stadtgraben und die Bahngleise, die östliche Abgrenzung verläuft entlang der Allersberger Straße, die südliche und westliche Grenze stellt die Ringstraße dar.

Planungsraum des Freiraumkonzepts Nürnberger Süden, Bild © bgmr / 2022

In diesem rund 800 ha großen Bereich leben circa 93.000 Einwohner. In Folge der historischen Stadtentwicklung und der hohen Einwohner- und Bebauungsdichte ist die Versiegelung sehr hoch und der Raum verzeichnet die höchsten innerstädtischen Defizite an öffentlichem Grün. Rechnerisch stehen einem Einwohner durchschnittlich nur 2 m² öffentliche Grün- und Parkanlage zur Verfügung (der gesamtstädtischer Wert beträgt 12 m²). Zudem sind zahlreiche Straßen und ihr Umfeld stark verlärmt und großflächige Bereiche thermisch stark belastet. Natürliche Gewässer fehlen. Bis auf den östlichen Westpark, liegen alle großen Nürnberger Parkanlagen und Erholungsflächen, wie der Volkspark Dutzendteich, die Wöhrder Wiese oder der Schweinauer Buck außerhalb des Untersuchungsgebiets. Die vorhandenen Grün- und Freiflächen sind meistens klein dimensioniert, ungenügend untereinander vernetzt und einem sehr hohen Nutzungsdruck ausgesetzt. Daher ist die Erholungsfunktion der Grünflächen für die Bürgerinnen und Bürger eingeschränkt. Potenzialräume für neue Grün- und Parkanlagen sind im Nürnberger Süden rar gesät.

Die Ergebnisse des Freiraumkonzepts liegen seit Juni 2022 vor. Mit dem Gutachten „Mehr Grün für den Nürnberger Süden – Eine Potenzialanalyse!“ ist nun ein umfassendes und integratives Freiraumkonzept für einen gestärkten, aufgewerteten und nachhaltigen Nürnberger Süden entstanden, das zahlreiche und vielfältige Maßnahmenvorschläge enthält. Die Ergebnisse der Konzeptstudie zum Grünen Weg zum Faberwald sind ebenfalls in das Freiraumkonzept eingeflossen.
Im ersten Schritt wurde ein räumlich konzeptionelles Leitbild erarbeitet, welches aus verschiedenen Freiraum-Ebenen besteht: Blau-Grüne-Meilen sowie Netze und Punkte.

Räumlich konzeptionelles Leitbild Freiraumkonzept Nürnberger Süden, Bild © bgmr, Arbeitsstand 01/2022

Insbesondere die sogenannten Blau-Grünen Meilen sollen als Grüne Bänder, durch die Stadtquartiere verlaufen und die innere Stadt mit den äußeren Landschaften oder großen Parkanlagen verknüpfen. Diese Meilen integrieren dabei verschiedene bereits bestehende Freiräume wie Parkanlagen, Plätze, Sportanlagen, Kleingärten oder Schulhöfe sowie auch neu qualifizierte Straßenräume und Wegeverbindungen und sind gleichzeitig Schwerpunkträume für eine wassersensible und hitzeangepasste Stadtentwicklung.

Ein Wegenetz aus Grünen Wegen und übergeordneten Freiraumverbindungen, sonstigen Geh-/Radwegen und sogenannten Blau-Grünen-Magistralen verbindet die Quartiere untereinander und soll den Erholungssuchenden einen qualitätsvollen Weg zu den Grünräumen und anderen Zielorten bieten. Eine Aufwertung bzw. Transformation des Straßenraumes zum Aufenthalts- und Bewegungsraum wird hierbei eine zentrale Rolle spielen. So kann das Zielbild der „15-Minuten-Stadt“ freiraumplanerisch umgesetzt werden (alle Stationen des Alltags sollen in max. 15 Minuten fußläufig oder mit dem Fahrrad erreicht werden; dies entspricht 1 km Fußstrecke oder 3-4 km Fahrradweg). Über das Wegenetz werden verschiedene Parks und Plätze, die sogenannten Punkte, erreicht, die wichtige Anker- und Begegnungsorte im Quartier darstellen.

Aufbauend auf dem räumlich konzeptionellen Leitbild wurden zahlreiche, vielfältige und innovative Maßnahmen und Umsetzungsstrategien entwickelt. Für ausgewählte Maßnahmen bzw. Themen wurden sog. Lupen & Toolboxen sowie zukunftsweisende Visualisierungen erarbeitet.

Freiraumkonzept Nürnberger Süden Zielbild, Bild © Umweltamt / Stadt Nürnberg

Das entwickelte Zielbild zeigt eine Freiraumvision für den Nürnberger Süden und enthält einen bunten Strauß an Maßnahmenvorschlägen. Der Fokus liegt auf der Schaffung von neuen Grün- und Freiräumen, auch unter Einbeziehung des Verkehrsraumes.

Die klimasensitive und hitzeangepasste Umgestaltung bestehender Freiräume nach dem Prinzip der Schwammstadt spielt eine wesentliche Rolle. Dabei soll das anfallende Niederschlagswasser vor Ort gespeichert werden und in Hitzeperioden durch Verdunstungskälte das lokale Mikroklima verbessern. Wasserrückhalt, Versickerung, Verdunstung und Kühlung sollen als Wasserkreislauf zusammenwirken.

Bereits während der Konzepterstellung wurden erste Projekte, wie z.B. die Pflanzung von Blumenzwiebeln, das Anlegen von Blühflächen, die Errichtung von Parklets oder das Projekt Straßenbaumoffensive Nürnberger Süden“ für mehr klimagerechte Straßenbäume, gestartet.

Prioritäre Maßnahmen

Zehn Maßnahmen wurden aus dem Gutachten ausgewählt, die im Rahmen des Masterplan Freiraum und dem Aktionsplan „Kompaktes, Grünes Nürnberg“ Schritt für Schritt bis 2035 umgesetzt oder vorbereitet werden sollen.

  • Hiroshimapark (neue Parkanlage)
  • Urbane Parklandschaft „Grünes Westband“ (Westparkerweiterung)
  • Erweiterung Grünanlage Pferdemarkt
  • Südstadt.Klima.Meile (nördlicher Teil, klimasensitive Umgestaltung)
  • Annapark & Umfeld (klimagerechte Sanierung)
  • Grün-Blauer Gustav & Umfeld (klimasensitive Umgestaltung)
  • Melanchthonplatz (klimagerechte Sanierung)
  • Kopernikusplatz (klimasensitive Umgestaltung)
  • Leonharder Promenade (Klima-Boulevard)
  • Straßenbaumoffensive Nürnberger Süden (neue Straßenbäume)
Freiraumkonzept Nürnberger Süden Prioritäre Maßnahmen, Bild © Umweltamt / Stadt Nürnberg

Eine prioritäre Maßnahme ist der nördliche Abschnitt der Südstadt.Klima.Meile. Diese Meile verläuft aus der Altstadt kommend über den Südstadtpark, die Karl-Bröger-Straße, den Aufseßplatz, den Kopernikusplatz, den Annapark, den Platz an der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche, entlang der Allersberger Straße in Richtung des geplanten Hiroshimaparks bis zum Volkspark Dutzendteich und Luitpoldhain.

Südstadt.Klima.Meile, Bild © bgmr / 2022

Die Ergebnisse des Freiraumkonzepts wurden am 05. Oktober im Umweltausschuss vorgestellt. Dort wurden die prioritären Maßnahmen sowie die weiteren Schritte in Richtung Umsetzung beschlossen.

Freiraumkonzept Nürnberger Süden Infostand © Umweltamt / Stadt Nürnberg

Informationsstände

In den Jahren 2020 und 2021 hat das Umweltamt am Leonhardsplatz, am Kopernikusplatz und im Annapark die Bürgerinnen und Bürgern zum Freiraumkonzept informiert und ihre Wünsche und Anregungen aufgenommen.

Speed Dating Freiraumkonzept Nürnberger Süden © Wendelin Reichl / KommVorZone

Speed-Dating im Rahmen der KommVorZone

Im Juli 2021 fand im Rahmen des Kulturprojekts „KommVorZone“ vom Amt für Kultur und Freizeit (KuF) ein „Speed-Dating“ zum Thema Umwelt und Bau statt, bei dem interessierte Bürgerinnen und Bürger sich auch zum Freiraumkonzept Nürnberger Süden informieren und austauschen konnten.

Führung „Grünanlagen im Wandel der Zeit“

Im Frühjahr und Herbst 2021 wurden in Zusammenarbeit mit dem Verein Geschichte Für Alle e.V. Parkrundgänge in der Südstadt mit dem Motto „Vom Annapark zum Hummelsteiner Park“ veranstaltet. Dabei stand neben der Historie der bestehenden Parkanlagen und Plätze, die zukünftige Entwicklung im Rahmen des Freiraumkonzepts Nürnberger Süden im Vordergrund.

Stadtverführungen

Im September 2022 wurde im Rahmen der Stadtverführungen eine Führung vom Kopernikusplatz, über den Annapark bis zum Platz an der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche angeboten. Dies betrifft den zentralen Abschnitt der konzipierten Südstadt.Klima.Meile, die als prioritäre Maßnahme zur zeitnahen Umsetzung vorgeschlagen ist.

Grün- und Landschaftsplanung

Edda Witthuhn

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