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Umweltamt Nürnberg

Freiraumkonzept Klima.Quartier "Cooler Süden"

Annapark, Bild © Gerhard Illig / Umweltamt, Stadt Nürnberg

Ein Beitrag zur Klimaanpassung auf Quartiersebene

Die Stadt Nürnberg – insbesondere die Südstadt – steht vor vielfältigen Herausforderungen: Eine wachsende Bevölkerungszahl, steigender Bedarf an Wohnraum, sozio-demografische Veränderungen sowie wirtschaftlichen Transformationen. Gleichzeitig verlangt der Klimawandel mit häufigeren Hitzeperioden, Trockenphasen und Starkregenereignissen eine umfassende Anpassung des Stadtraumes. Dabei kommt Freiräumen und Grünflächen eine zentrale Bedeutung zu.

Auch die Mobilitätsgewohnheiten verändern sich – hin zu mehr Fuß- und Radverkehr –, während Konzepte wie die „15-Minuten-Stadt“ zunehmend an Relevanz gewinnen. Der Erhalt der Biodiversität stellt zusätzliche Anforderungen an die Freiraumplanung, die mit vielfältigen und teils konkurrierenden Nutzungsansprüchen und Funktionen in Einklang gebracht werden muss.

Nicht zuletzt hat die Corona-Pandemie die Bedeutung wohnungsnaher Grünflächen als essenzielle ökologische, soziale und gesundheitliche Ressource deutlich gemacht.

Um den aktuellen Herausforderungen der Stadtentwicklung gerecht zu werden, verfolgt die Stadt Nürnberg einen integrierten Planungsansatz. Dieser berücksichtigt neben der dreifachen Innenentwicklung (Bauen, Grün, Mobilität) auch die Sicherung und ökologische Aufwertung von Grün- und Freiräumen.

Aktionsplan Masterplan Freiraum, Bild © Umweltamt / Stadt Nürnberg

Grundlage hierfür sind der Masterplan Freiraum mit dem Leitbild „Kompaktes Grünes Nürnberg 2030“ sowie das Gesamtstädtische Freiraumkonzept, die konkreten Strategien und Maßnahmen für die Stadt- und Freiraumentwicklung festlegen. Ein jährlich aktualisierter Aktionsplan bündelt die prioritären Maßnahmen in neun Handlungsfelder. Er dient dazu, Projekte verwaltungsintern zu priorisieren und den Einsatz finanzieller Mittel angesichts der angespannten städtischen Haushaltslage gezielt zu steuern.

  • Masterplan Freiraum<https://www.nuernberg.de/internet/umweltamt/masterplanfreiraum.html>
  • Aktionsplan<https://www.nuernberg.de/internet/umweltamt/aktionsplan.html>

Ein zentrales Projekt des Masterplans Freiraum ist das Klima.Quartier „Cooler Süden“. Es baut auf dem Freiraumkonzept Nürnberger Süden und der zugehörigen Potenzialanalyse „Mehr Grün im Nürnberger Süden“ auf, sowie den vorbereitenden Untersuchungen zum Stadterneuerungsgebiet „Quartier Annapark“, der Stadtklima-Analyse 2025/26 sowie weiteren umweltrelevanten Grundlagen und Konzepten. Ziel ist die Entwicklung eines klimaresilienten und nachhaltigen Stadtquartiers, das Impulse für eine lebenswerte und zukunftsfähige Südstadt setzt.

Aufbau Masterplan Freiraum, Bild © Umweltamt / Stadt Nürnberg

Das Freiraumkonzept Klima.Quartier "Cooler Süden" soll die vorangegangenen konzeptionellen Ideen inhaltlich vertiefen und weiterentwickeln sowie zur Ausarbeitung von Pilotprojekten und Gestaltungsprinzipien verwendet werden. Die Ergebnisse und Maßnahmen Klima.Quartiers „Cooler Süden“ sollen nach Möglichkeit auch auf andere Stadtteile und Straßen übertragen werden, um einen Mehrwert und eine Anwendbarkeit über das konkrete Untersuchungsgebiet hinaus zu generieren.

Das Konzept knüpft an die Planungen zur Bayerischen Landesgartenschau 2030 an, die unter anderem im nördlichen Abschnitt der konzipierten „Südstadt.Klima.Meile“ als urbane und experimentelle Gartenschau realisiert wird. Gleichzeitig bildet es die Grundlage für erste Maßnahmen zur Klimaanpassung und Freiraumgestaltung auf Quartiersebene und konkretisiert die gesamtstädtische Klimaanpassungsstrategie.

Im Frühjahr 2017 beschloss die Stadt Nürnberg in verschiedenen Gremien die Erstellung eines integrierten Freiraumkonzepts für das Gebiet innerhalb der Ringstraße (B4R). Dabei rückten insbesondere die Süd- und Südweststadt als Teil der Erweiterten Innenstadt in den Fokus – aufbauend auf bestehenden Konzepten und Untersuchungen zur Stadterneuerung.

Das Konzept orientiert sich am Gesamtstädtischen Freiraumkonzept (GFK) des Masterplans Freiraum (2014) und verfolgt einen integrierten Ansatz. Ziel ist es, angesichts der begrenzten verfügbaren Flächen im dicht bebauten Nürnberger Süden, neue Grün- und Freiräume zu schaffen sowie bestehende Freiräume zu qualifizieren, zu erweitern und multifunktional zu nutzen.

Das Freiraumkonzept Nürnberger Süden umfasst rund 800 Hektar und definiert strategische und räumliche Handlungsfelder, die vielfältige Maßnahmen zur Aufwertung, Nachhaltigkeit und Stärkung der Freiräume im Nürnberger Süden enthalten. Wichtige Grundlagen bildeten unter anderem die Konzeptstudie „Grüner Weg zum Faberwald“ (2021).

Die Ergebnisse des Freiraumkonzepts Nürnberger Süden inklusive der Potenzialanalyse „Mehr Grün für den Nürnberger Süden“, sind seit Juni 2022 abgeschlossen und wurden vom Stadtrat im Oktober 2022 einstimmig beschlossen.

Aufgrund der intensiven Flächennutzung können Zielkonflikte mit bestehenden Nutzungen auftreten, die im weiteren Planungsprozess zu berücksichtigen sind.

Das quartiersbezogene Freiraumkonzept Klima.Quartier „Cooler Süden“ soll mit einem Bearbeitungsmaßstab von 1:2.000 eine inhaltliche Vertiefung und Weiterentwicklung des Freiraumkonzepts Nürnberger Süden (M 1:4.000) darstellen.

Die in der Potenzialanalyse „Mehr Grün im Nürnberger Süden“ identifizierten Maßnahmen sollen konkretisiert werden, um für die nachfolgende Objektplanung (nicht Gegenstand der Vergabe) eine grobe Vorplanung (Prinzip-Planung) im Sinne von Leitlinien bereitzustellen.

Klima.Quartier Übersichtsplan, Bild © Umweltamt / Stadt Nürnberg
Übersichtsplan des Klima.Quartiers (bgmr Landschaftsarchitekten)

Das Freiraumkonzept Klima.Quartier "Cooler Süden" liegt in der Nürnberger Südstadt. Es umfasst ein Gebiet mit einer Fläche von rund 135 Hektar. Im Süden wird es durch die Frankenstraße begrenzt, im Osten durch die Allersberger Straße, wobei der Hiroshimaplatz, sowie Teile des Luitpoldhains einbezogen sind. Im Westen verläuft die Abgrenzung entlang der Voltastraße und Gugelstraße, im Norden entlang der Landgrabenstraße und Wölckernstraße. Die Maßnahmen des Freiraumkonzepts sollen analog zur Laufzeit des Sanierungsgebietes „Quartier Annapark“ bis spätestens 2040 umgesetzt werden.

Seit Mai 2026 arbeitet das Berliner Planungsbüro bgmr Landschaftsarchitekten GmbH intensiv an dem neuen Freiraumkonzept für unseren „Coolen Süden“.

Der Fahrplan für die kommenden Monate sieht wie folgt aus:

• Bis Ende 2026: Im Mittelpunkt stehen die gründliche Recherche und die Analyse des Planungsraums.
• Ab 2027: Die Theorie wird zur Praxis. Wir entwickeln das konkrete Konzept mit greifbaren Strategien und Maßnahmen für das Klima.Quartier.
• Frühjahr 2028: Das fertige Freiraumkonzept wird voraussichtlich vorgestellt.

Die Grundlage für ein erfolgreiches Freiraumkonzept ist eine präzise Kenntnis der Gegebenheiten vor Ort. Das Team von bgmr Landschaftsarchitekten setzt sich derzeit intensiv mit dem Plangebiet auseinander.

Dazu gehören nicht nur Daten, sondern auch das echte Leben: Neben Vor-Ort-Begehungen fangen wir durch Befragungen die alltäglichen Erfahrungen und Wahrnehmungen der Menschen im Viertel ein. Zusätzlich führen wir bilaterale Gespräche mit den verschiedensten lokalen Akteuren, um das Bild zu vervollständigen. All diese wertvollen Erkenntnisse fließen direkt in unsere umfassende Bestands- und Klimaanalyse ein – das Fundament für unseren „Coolen Süden“.

Was bedeutet das konkret? Obwohl das Klima.Quartier als zusammenhängender Raum wahrgenommen wird, zeigt es je nach Lage ganz unterschiedliche räumliche und atmosphärische Qualitäten. Drei charakteristische Teilräume lassen sich dabei unterscheiden: der Dichte.Süden, der Gemischte.Süden und der Offene.Süden.

Jeder dieser Teilräume bringt eigene Potenziale und Herausforderungen mit sich und benötigt daher eine individuelle Betrachtung. Gleichzeitig gilt es, die Räume nicht isoliert voneinander zu betrachten, sondern ihre jeweiligen Stärken miteinander zu verbinden und bestehende Defizite gemeinsam anzugehen. So kann das Klima.Quartier als Ganzes weiterentwickelt werden – mit Lösungen, die den Besonderheiten der einzelnen Teilräume gerecht werden und zugleich das Quartier insgesamt stärken.

Klima.Quartier Charakterzüge, Bild © Umweltamt / Stadt Nürnberg
Die drei Charaktere des Klima.Quartiers (bgmr Landschaftsarchitekten)

Verschiedene Karten zeigen, wo besondere Herausforderungen durch Hitze oder Starkregen bestehen und wo sich zugleich Potenziale für mehr Grün, eine bessere Klimaanpassung und eine höhere Aufenthaltsqualität bieten.

Bereits jetzt lassen sich daraus wichtige Erkenntnisse und Handlungsansätze ableiten:

• Grünräume erhalten und aufwerten: Bestehende Grünflächen, Plätze und Bäume sollen gesichert und, wo möglich, weiterentwickelt werden.
• Straßenräume neu denken: Straßenräume und Verkehrsgrün bieten besonders große Potenziale für eine klimaangepasste Gestaltung.
• Hitze gezielt begegnen: Dort, wo die Hitzebelastung besonders hoch ist, besteht vorrangiger Handlungsbedarf.
• Gesundes Leben ermöglichen: Die Gestaltung des Klima.Quartiers soll gesunde Lebensverhältnisse fördern und zu einer lebenswerten Stadt für alle beitragen.
• Junge Menschen mitdenken: Die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen sollen bei der Planung stärker berücksichtigt werden.

Klima.Quartier Grünbestand, Bild © Umweltamt / Stadt Nürnberg
Bestehende Grün- und Freiräume im Klima.Quartier (bgmr Landschaftsarchitekten)
Klima.Quartier Klima, Bild © Umweltamt / Stadt Nürnberg
Überlagerung der klimatischen Herausforderungen im Klima.Quartier (bgmr Landschaftsarchitekten)

Ihre Stimme zählt: Gestalten Sie mit! Wie soll das Klima.Quartier in Zukunft aussehen? Haben Sie Ideen für mehr Grün, kühlenden Schatten und eine höhere Aufenthaltsqualität? Welche Orte müssen dringend besser an die Folgen des Klimawandels angepasst werden?

Nachdem wir bereits am 04. Juli 2026 auf dem diesjährigen Südstadtfest erste Einblicke in das Projekt geben konnten, geht es nun in die aktive Phase. Bringen Sie sich ein:

• 17. November 2026 (18–20 Uhr) | Auftaktveranstaltung: Öffentliche Beteiligung im Südpunkt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, ihre Ideen und Anregungen mit uns zu teilen.
• Frühjahr 2027 | Stadtteilsafari: Hier ist die junge Generation gefragt! Kinder und Jugendliche erkunden gemeinsam das Viertel und zeigen uns ihre Perspektive: Was ist heute schon richtig gut, und was sollte sich verändern?
• Sommer 2027 | Spaziergänge & Workshops: Wir gehen raus. Bei teilräumlichen Workshops direkt vor Ort nehmen wir zwei konkrete Freiräume unter die Lupe und diskutieren mögliche Veränderungen.
• 02. bis 04. Juli 2027 | Südstadtfest: Besuchen Sie uns, informieren Sie sich über den aktuellen Arbeitsstand, reden Sie mit und steuern Sie eigene Ideen bei.

Hinweis: Die genauen Termine und Uhrzeiten für 2027 befinden sich noch in der Abstimmung und werden auf dieser Seite regelmäßig aktualisiert.

Aufbauend auf den bisherigen Erkenntnissen werden konkrete Lösungsansätze und Strategien entwickelt, die in das Freiraumkonzept und einen Aktionsplan einfließen. Dieser zeigt auf, welche Maßnahmen umgesetzt werden können und wo im Stadtraum sie ansetzen.

Drei ausgewählte Bereiche – die sogenannten „Lupen“ – werden dabei genauer unter die Lupe genommen. In diesen Teilräumen werden die spezifischen Herausforderungen und Potenziale vertieft betrachtet und konkrete planerische Vorschläge erarbeitet.

So entsteht ein Maßnahmenkatalog, der vielfältige Ansätze für ein klimaangepasstes, grünes und lebenswertes Klima.Quartier aufzeigt.

Das Konzept Klima.Quartier "Cooler Süden" wird mit Zuwendungen für städtebauliche Erneuerungsmaßnahmen aus dem Bund-Länder-Programm Wachstum und nachhaltige Erneuerung – Förderinitiative „Klima wandel(t) Innenstadt“ kofinanziert.

Grün- und Landschaftsplanung

Edda Witthuhn

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