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Streifzüge über den Johannis- und den Rochusfriedhof

Sehenswert sind sie beide: der berühmtere Johannisfriedhof im gleichnamigen Stadtteil und der touristisch weniger frequentierte, aber ebenfalls 500 Jahre alte Rochusfriedhof in Gostenhof. Die kunst- und sozialgeschichtlich aufschlussreichen Bronzeauflagen auf den Sandsteingräbern führen die Besucher aber nicht nur in frühere Jahrhunderte. Die Tradition der Epitaphien lebt – höchst individuell und top-modern. Text: Alexandra Foghammar

Bilder aus Bronze erzählen Geschichte(n)


Vom Pestfriedhof zur Promi-Grablege

Sowohl der Johannis- als auch der Rochusfriedhof wurden vor fünf Jahrhunderten angelegt, um Seuchenopfer außerhalb der Stadtmauern begraben zu können. Aber auch berühmte Nürnberger fanden und finden hier ihre letzte Ruhestätte.

Der Johannisfriedhof Ende des 16. Jahrhunderts

Der Johannisfriedhof in einer kartographischen Darstellung, die der Patrizier Paul Pfinzing (1554-1599) anfertigte, lässt die damalige Lage außerhalb der Stadt gut erkennen. Bei der Ausrichtung der liegenden Grabsteine irrte der Kartograph jedoch: Entgegen der Darstellung orientiert sie sich streng von Osten nach Westen. Der südlich angrenzende Schießplatz wurde aufgelassen und diente 1856 der Erweiterung des Friedhofs, dessen Fläche sich damit in etwa verdoppelte. (Staatsarchiv Nürnberg, Fotosammlung B-443; Original in: Reichsstadt Nürnberg; Karten und Pläne 230 (Pfinzing-Atlas) S. 24)

Das „Todtenbuch“ von St. Rochus

An die Ursprünge der beiden Friedhöfe St. Johannis und St. Rochus als Grabstätte für Seuchenopfer erinnert das „Todtenbuch“ von St. Rochus aus den Jahren 1597/98. „Anno 1597 den 25. Septemb. hat sich die Seüch der abscheulichen Pestilenz alhie widerumb ereignet“ beginnt die Niederschrift. Noch am selben Tag wurden die „inficiert befundene personen“ in den Peststadel auf dem St. Rochus-Friedhof verbracht. Über die Zu- und Abgänge wurde genau Buch geführt. Trotz des wenig optimistisch stimmenden Umfelds überlebte diese eher milde Pestwelle mehr als die Hälfte der eingelieferten Patienten. 22 Wochen später lautet die Bilanz: „Einkommen 80, Gestorben 39, Gesund worden 41“. (Stadtarchiv Nürnberg B 19 Nr. 488, S. 47)

Albrecht Dürer & Co.

Das meist ge- und besuchte Grab auf dem Johannisfriedhof ist das des weltberühmten Künstlers Albrecht Dürer (1471-1528). Die Besucher können beim Gang durch die Grabreihen aber noch viele weitere prominente Nürnberger entdecken, die hier bestattet sind. Der Humanist Willibald Pirckheimer (1470-1530), der Goldschmied Wenzel Jamnitzer (1508-1585) und der Philosoph Ludwig Feuerbach (1804-1872) gehören ebenso dazu wie der Bleistiftfabrikant Gustav Schwanhäußer (1840-1908) und der „Eiskönig“ Theo Schöller (1917-2004).

Der Johannisfriedhof Anfang des 19. Jahrhunderts

Diese Szene auf dem Johannisfriedhof mit dem Blick auf die Kaiserburg von Westen hielt Johann Adam Klein um 1810 in einer aquarellierten Federzeichnung fest. Immer noch lag der Friedhof weit außerhalb der Stadt, gehörte aber bereits zu den gern besuchten Sehenswürdigkeiten Nürnbergs. Links im Bild ist mit der Kreuzigungsgruppe die vorletzte Station des von Adam Kraft (1455-1509) geschaffenen Kreuzwegs zu sehen, der vom Pilatushaus in der Altstadt hinaus bis zum Johannisfriedhof führt. Seit 1902 befindet sich die Kreuzigungsgruppe im Kreuzigungshof des Heilig-Geist-Spitals. (Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg, Inventar-Nr. Norica 639)

Eine Grufthalle für die Wohlhabenden

Im 19. Jahrhundert wurde auf dem Johannisfriedhof eine Grufthalle im neogotischen Stil errichtet, um dem im Industriezeitalter zu Reichtum gekommenen Bürgertum eine Bestattung in architektonisch herausgehobenen Rahmen zu ermöglichen. Bei der Einrichtung des Gräberfelds ab 1517 hatte der Rat der Freien Reichsstadt darauf geachtet, dass durch die Verwendung genormter, gleich langer und breiter Grabsteine die sozialen Unterschiede nicht gleich ins Auge fielen. Aber schon bald ließen sich wohlhabende Kaufleute unter deutlich höheren Steinen bestatten und demonstrierten ihren Status durch besonders große und prächtige Bronzeepitaphien.

Ein Grabzettel von 1747

Ein 1747 gefertigter Grabzettel, bei dem das Siegel verloren ging, erteilt mehreren Personen das Recht zur Bestattung in dem bereits seit 1568 belegten Grab Nr. 150 auf dem Rochusfriedhof. Einen Grabzettel erhielt jeweils der Erwerber, ein Duplikat verwahrte das Kirchenamt. Bei jeder neuen Vergabe des Grabes wird ein neuer Grabzettel – heute: Grabbrief – ausgestellt. (Stadtarchiv Nürnberg B 5/II Nr. 128)

Unter Rosen ruhen

Wer sich nach dem Ableben gerne in der Nachbarschaft von Rosen betten lassen möchte, sollte auf dem Johannisfriedhof auf Schilder wie dieses achten. Denn freie Grabstätten gibt es sowohl auf dem Johannis-, wie auch auf dem Rochusfriedhof. Sie werden neu vergeben, wenn die letzte Ruhefrist abgelaufen ist. Die Frist beträgt für Leichname von Erwachsenen 15 Jahre, für Leichenbrand zehn Jahre. Beerdigen lassen können sich hier nicht nur Nürnberger Bürger, sondern alle, die einer christlichen Religion angehören. Immer seltener werden Familiengräber angelegt, da Angehörige oft an anderen Orten leben und zudem die Bestattungskultur weitere Möglichkeiten eröffnet, wie etwa die anonyme Urnenbestattung in einem Friedwald.


Nürnberg Heute

Dieser Text ist ein Online-Extra zum Artikel „Bloß kein Kitsch“, der in der Zeitschrift „Nürnberg Heute“ Nr. 103/2017 erschienen ist. Das Heft können Sie an den Auslegestellen kostenlos mitnehmen oder online lesen.


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