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Hoch hinauf: Firmenporträt Schmitt und Sohn

Ein Aufzug von Schmitt und Sohn von innen

Nicht nur Geschwindigkeit zählt: Design wird im Aufzugbau immer wichtiger. Der Nürnberger Hersteller Schmitt und Sohn gehört weltweit zu den Top Fünf der Branche. Mit seinen Fahrstühlen landen Münchener Museumsliebhaber und österreichische Diplomaten in der richtigen Etage.

Gestalteter Innenraum statt Sardinendose

Der Nürnberger Aufzugbauer mit europaweit 1.800 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von rund 180 Millionen Euro setzt auf hochwertige Materialien wie Glas, Stahl und Stein sowie unterschiedliche Farbvariationen. Immer bedeutender wird auch der Bereich Lichtplanung. Dabei kommt moderne LED-Licht-Technologie zum Einsatz. Die Farbe der Beleuchtung im Lift kann sich beispielsweise von Stockwerk zu Stockwerk ändern – und so das Erkennen der richtigen Station vereinfachen.

Für sein Design hat das Unternehmen viele Auszeichnungen erhalten. „Im besten Fall ist der Aufzug wie ein ansprechend gestalteter Innenraum. Man fühlt sich wohl und nicht wie in einer Edelstahl-Sardinendose“, sagt die geschäftsführende Gesellschafterin des Nürnberger Aufzugherstellers Anna von Hinüber im edlen „Forum Produkt“ am Firmensitz in der Hadermühle nahe der Wöhrder Wiese. Dort können Kunden vier Personenaufzugstypen ansehen, die sich nach dem Baukastenprinzip zusammenstellen lassen. Neben diesen produziert das Unternehmen in seinen beiden Werken in Nürnberg und im portugiesischen Porto Lasten- und Bettenaufzüge. Auch individuelle Lösungen gehören zum Geschäft.

Anna von Hinüber, geschäftsführende Gesellschafterin von Schmitt & Sohn

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Seit 2015 geschäftsführende Gesellschafterin: Anna von Hinüber

Schmitt-und-Sohn-Aufzüge befördern beispielsweise Reisende am Nürnberger Flughafen in die gewünschte Etage, aber auch Kunstliebhaber im Museum Brandhorst in München und Diplomaten in der Österreichischen Botschaft in Berlin. Weitere wegen Design oder des technischen Anspruchs herausragende Standorte sind zum Beispiel die Messe Wien in Österreich, das Kulturzentrum „Plataforma das Artes“ in Guimarães in Portugal oder das Sonnenobservatorium am Wendelstein in Bayrischzell.

Aufzugswerk Kornburg – ein Fahrstuhl entsteht

Im Aufzugswerk im Nürnberger Süden rattert, klackert und zischt es, Gehörschutz gehört für viele zur Grundausstattung. Ein Fahrstuhl besteht aus mehr als 10.000 Einzelteilen und bis er fertig zur Auslieferung ist, sind viele Arbeitsschritte nötig: Lasercutter schneiden die Stahlblech-Rohlinge für die Außenwand auf die passenden Maße, an anderen Maschinen biegen Beschäftigte die Kabinenwände und das Dekor um. In weiteren Arbeitsschritten werden Verbindungen geschweißt, Türen lackiert und Antriebe montiert.

Stahlblech im Kornburger Aufzugwerk von Schmitt und Sohn

Stahlblech im Kornburger Aufzugwerk von Schmitt und Sohn.

Fertige Stücke landen auf einem Wagen, der in der 3.300 Quadratmeter großen Fertigungshalle einmal entgegen dem Uhrzeigersinn die Runde macht, erklärt der 38-jährige Alexander Knorz, der im Unternehmen 1998 als Konstruktionsmechaniker angefangen hat und seit 2018 das Kornburger Werk leitet.

Die meisten Bauteile produziert Schmitt und Sohn selbst und fügt sie zusammen. Die Gegengewichte kommen von anderen Herstellern. Alexander Knorz und seine 71 Mitarbeiter schaffen in zwei Schichten täglich vier Aufzüge. 90.000 Anlagen hat Schmitt und Sohn seit 1885 gebaut, 40.000 Aufzüge wartet das Unternehmen jährlich – den Großteil in Deutschland, Österreich, Tschechien und Portugal. Die älteste Aufzugsanlage der Firma steht in Schweinfurt und verrichtet dort seit 1919 ihren Dienst.

Qualität als oberstes Gebot

Qualität wie diese hat für das Familienunternehmen bis heute oberste Priorität – auch wenn sich wegen des höheren Preises für die hochwertigen Materialien nicht alle Ausschreibungen gewinnen lassen. „Die Kunden gehen mit uns eine langfristige Partnerschaft ein. Wir nehmen daher nur Aufträge an, wo wir flächendeckend vor Ort exzellenten Service garantieren können“, sagt Anna von Hinüber. Viele andere Hersteller würden häufig mit Fremdmonteuren arbeiten, Schmitt und Sohn beschäftige eigene Leute.

Im Forum Produkt am Firmensitz von Schmitt und Sohn

Im Forum Produkt können sich Kunden einige Modelle live ansehen.

Besonders wichtig sei dies im Bereich des Notfalldiensts, sagt die geschäftsführende Gesellschafterin. Bleibt ein Aufzug von Schmitt und Sohn in Deutschland stecken, können die Fahrstuhlinsassen sofort Kontakt mit den Notrufmitarbeitern in der Nürnberger Zentrale aufnehmen. Diese sind psychologisch geschult, halten den Sprechkontakt mit den Eingeschlossenen und erkennen schnell, ob ein Techniker ausreicht oder sie medizinische Hilfe zum betroffenen Ort schicken müssen.

Auszubildende in besten Händen

So wichtig wie der Service ist dem Unternehmen der eigene Nachwuchs. Deshalb geht Schmitt und Sohn teilweise ungewöhnliche Wege: Eine halbe Stunde ihrer täglichen Arbeitszeit nutzen die 120 Auszubildenden der Mechatronik oder Elektrotechnik, die angehenden Industriekaufleute und dual Studierende in Deutschland bei einer Lesestunde, um den eigenen Horizont zu erweitern. Zeitungen und Magazine stellt das Unternehmen bereit. Zusätzlich organisiert der Arbeitgeber Bildungsfahrten, wie etwa Zeltlager oder Theateraufführungen zum Beispiel zum Thema Nachhaltigkeit. Bei Schmitt und Sohn fangen jährlich rund zehn Prozent Auszubildende an, die laut Unternehmen in anderen Betrieben schlechtere Chancen gehabt hätten: unter anderem wegen Behinderung, schlechter Noten oder eines Migrationshintergrunds.

Warum betreibt das Familienunternehmen diesen Aufwand? „Wir verstehen uns als aktiven Teil der Gesellschaft und möchten unseren Beitrag dazu leisten“, erklärt Anna von Hinüber. Für dieses Engagement wurde das Unternehmen 2012 mit dem Preis für diskriminierungsfreie Unternehmenskultur der Stadt Nürnberg ausgezeichnet.

Wachstum aus eigenen Mitteln

Schmitt und Sohn ist die Nummer fünf auf dem Markt. Die größten Unternehmen der Branche – Otis aus den USA, Thyssenkrupp aus Deutschland, Schindler aus der Schweiz sowie der finnische Aufzugbauer Kone – kommen zusammen auf circa 60 Prozent Marktanteil bei Neuanlagen, schreibt der Fachverband Aufzüge und Fahrtreppen. Die übrigen 40 Prozent teilen viele Mittelständler untereinander auf.

Dass der Nürnberger Aufzugbauer noch immer in Familienhand ist, ist nicht selbstverständlich. Die vier Branchenriesen würden die kleineren Unternehmen gerne aufkaufen, verrät die geschäftsführende Gesellschafterin. „Das interessiert uns nicht“, fügt sie kühl hinzu. Schmitt und Sohn sei ein Familienunternehmen ohne Bankverbindlichkeiten, wie Anna von Hinüber betont. „Wir wachsen aus eigenen Mitteln. Das macht uns unabhängig in all unseren Entscheidungen“.

Die Anfänge des Unternehmens

Als Bau- und Kunstschlosserei eröffnete Martin Schmitt den Betrieb 1861 in der Rosengasse in Nürnberg. 1885 erkannte der Firmengründer den Aufzugbau als ein Geschäft mit Zukunft und begann mit den ersten eigenen Anlagen am heutigen Unternehmenssitz nahe der Wöhrder Wiese. Die Erfindung des modernen Personenaufzugs kann Schmitt und Sohn aber nicht für sich reklamieren. Der Namensgeber des amerikanischen Konkurrenten Otis, Elisha Graves Otis, gilt seit der Präsentation eines Aufzugs mit automatischer Fallsicherung auf einer Weltausstellung 1854 in New York als dessen Wegbereiter.

Dass der Konkurrenzkampf nicht immer nur mit Erfindergeist und fairen Mitteln geführt wird, musste Schmitt und Sohn Anfang dieses Jahrtausends lernen: 2003 deckte die EU-Kommission ein Kartell von Otis, Thyssenkrupp, Schindler und Kone auf. „Da gab es monatliche Treffen mit Preisabsprachen und Aufträge wurden untereinander verteilt“, sagt Anna von Hinüber. Die Wettbewerbshüter verhängten daraufhin die bis dato höchste EU-Kartellstrafe von fast einer Milliarde Euro.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Mit Rechtsfragen kennt sich die geschäftsführende Gesellschafterin bestens aus. Anna von Hinüber hieß vor ihrer Hochzeit Schmitt und verkörpert zusammen mit ihrem Bruder Maximilian Schmitt die sechste Generation des Familienbetriebs. Die Zukunftsaussichten für ihr Unternehmen schätzt sie positiv ein. „Überall wird zurzeit gebaut“, sagt sie. Weitere Gründe sind in die Höhe wachsende Städte und die Anforderungen einer älter werdenden Gesellschaft. Der Fachverband Aufzüge und Fahrtreppen hingegen berichtete zuletzt von einer etwas abschwächenden Konjunkturerwartung der Branche. Es ist wie mit Aufzügen: Es geht auf und ab.

Schmitt und Sohn: Daten und Fakten

Mitarbeiter (Europa): ca. 1.800
Auszubildende (in Deutschland): 120
Jahresproduktion: 1.500 Aufzugsanlagen
Jährlich gewartete Anlagen: 40.000
Insgesamt gebaute Anlagen: 90.000
Dienstältester Aufzug in Betrieb: seit 1919
Aufzugwerke: 2 (Nürnberg Kornburg und Porto, Portugal)

(Stand: 2018)

Text: Johannes Sporrer



Nürnberg Heute

Dieser Text stammt aus der Zeitschrift „Nürnberg Heute“ Nr. 105/2018. Das Heft können Sie an den Auslegestellen kostenlos mitnehmen oder hier online lesen.


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