Nürnberg ist eine Stadt der Kontraste. Die mittelalterliche Burg schaut dort auf den vielbefahrenen Plärrer mit unzähligen Fahrspuren für Autos und die Tram. Große Industriegebäude aus der Vergangenheit treffen in der Innenstadt auf ein Zukunftsmuseum. Die grünen Pegnitzwiesen scheinen weit weg von den dicht bebauten Stadtvierteln, vor allem im Süden der Stadt.

Diesen Unterschieden wollte das Projekt „Radio Melanchthon“ auf den Grund gehen. Und zwei Orte in Nürnberg verbinden, die auf den ersten Blick nicht mehr als den Namen gemeinsam haben. Der Melanchthon-Platz und das 500 Jahre alte Melanchthon-Gymnasium.
Fast ein Jahr lang wurde der Kontakt zwischen der Radio-AG des Gymnasiums – radioPHIL – und den Akteur*innen am Melanchthonplatz gepflegt. Marcus Spangehl, der Leiter der AG, stellte das Projekt seinen Schüler*innen vor. Die meisten Jugendlichen kannten den Platz nicht und waren auch mit dem Stadtteil Steinbühl nicht vertraut.
Also suchten die Mitglieder von radioPHIL erst einmal auf dem Stadtplan nach dem Park in der Südstadt, der den gleichen Namen wie ihre humanistische Schule trägt. Wo in den alten Gemäuern noch Altgriechisch und Latein für alle Schüler*innen verpflichtend gelehrt wird, werden auf dem Melanchthon-Platz ganz andere Sprachen gesprochen. Und genau mit diesen Kontrast der Lebenswelten sollte sich das Projekt für die Radio-AG beschäftigen.

Im Laufe der Projektarbeit entschied sich vor allem ein Mitglied der AG für die Erarbeitung eines längeren Radiofeatures für die KommVorZone. Zusammen mit den Mitarbeiterinnen des Mobilen Kulturladens knüpfte Levin Lemkemeier Kontakte zu den Nutzenden des Melanchthon-Platzes, interviewte Mitarbeiter der SÖR, Kinder und auch Olga vom Team der KommVorZone. Was ist eigentlich dieser Humanismus, den Philipp Melanchthon vor 500 Jahren am ersten Gymnasium in Deutschland propagierte? Und wo findet man diesen Humanismus zwischen Nestschaukel, Hundekot und den Verkehrsgeräuschen der Landgrabenstraße?

Ein zwölf Minuten langer Beitrag über den Melanchthon-Platz war schließlich das Ergebnis der Recherchen. Und im Juli 2026 wurde dieser Beitrag dann für alle Leute auf dem Platz abgespielt. Für zwölf Minuten wurde es ganz feierlich im Park, die Anwesenden und Passant*innen hörten aufmerksam der Radioarbeit zu, die sich dann doch wieder mit der Geräuschkulisse des Stadtteils vermischte. Toll war, dass viele Vertreter*innen des Melanchthon-Gymnasiums den Weg zur Aufführung fanden.