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Nürnberg Heute Magazin: Junge Staatsphilharmonie

Proben für den großen Auftritt

Text: Annamaria Böckel, Fotos: Christine Dierenbach, Video: Stefan Gröschner / Hanna Quitterer / 29.06.2026

Foto: Drei Musikerinnen und ein Musiker spielen Klarinette und Fagott., Bild © Stadt Nürnberg / Christine Dierenbach
Die tiefen Holzbläser der Jungen Staatsphilharmonie Nürnberg bei der Probe.

Zu viert sitzen sie im großen Orchesterprobensaal des Opernhauses: zwei Klarinettistinnen, eine Fagottistin und ein Fagottist im Teenageralter. Ihnen gegenüber Felix Löffler, Soloklarinettist am Staatstheater Nürnberg. Schüchtern darf man während der Probe nicht sein und keine Angst vor Fehlern haben. Der Profi hört jeden falschen Ton und jede wacklige Passage. Doch Felix Löffler geht geduldig und freundlich auf die vier ein. „Einfach weiterspielen“, ruft er, als ein Lauf aus Camille Saint-Saëns „Marche Héroique“ nicht gleich gelingen will. „Das machen wir später noch einmal langsam.“ Und tatsächlich: Nach einiger Zeit fügt sich alles zu einem harmonischen Klang.

Felix Löffler ist einer der Orchesterpaten, die den Mitgliedern der Jungen Staatsphilharmonie am Staatstheater Nürnberg zur Seite stehen. An diesem Samstagvormittag leitet er die Stimmprobe für die tiefen Holzbläser. Bevor es in die Mittagspause geht, wünscht sich Finja, die 18-jährige erste Klarinettistin, noch eine Stelle aus der 1. Sinfonie von Florence Price. Beim Jahreskonzert im Opernhaus zum Ende der laufenden Spielzeit wird das Orchester unter anderem dieses Werk der afroamerikanischen Komponistin aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts aufführen.

Erstmals vor großem Publikum aufgetreten ist das Jugendorchester im Oktober 2022 zum 100-jährigen Bestehen der Staatsphilharmonie Nürnberg unter der Leitung von Joana Mallwitz. Die damalige Generalmusikdirektorin hatte das Jugendensemble 2022 gegründet. Nach den Corona-Jahren, in denen das kulturelle Leben nahezu zum Stillstand gekommen war, wollte sie gerade jungen Musiktalenten eine Möglichkeit schaffen, um sich auszuprobieren. Sie sollten ein „musikalisches Zuhause finden“, wie sie es damals bezeichnete, und fester Bestandteil des Staatstheaters werden.

Foto: Irina Roosz im Probensaal der Staatsphilharmonie, Bild © Stadt Nürnberg / Christine Dierenbach
Als Projektleiterin begleitet Irina Roosz die Musikerinnen und Musiker der Jungen Staatsphilharmonie Nürnberg.

60 Nachwuchsmusikerinnen und -musiker zwischen 14 und 19 Jahren bilden heute die Junge Staatsphilharmonie – die Besetzung entspricht einem klassischen Sinfonieorchester, von Geige bis zur Pauke ist alles vertreten. Viele kommen aus Musikerfamilien und etliche, wenn auch nicht alle, wollen später die Musik zum Broterwerb machen. Wenn sie an die Hochschule wechseln, endet in der Regel ihre Zeit im Jugendorchester. Für die Nachbesetzung gibt ein Vorspiel und ein Gespräch mit den Interessenten. „Wir versuchen das angenehm zu gestalten“, sagt Irina Roosz, Theaterpädagogin und Projektleiterin des Orchesters. Wenn jemand das Niveau der anderen noch nicht ganz halten kann, gibt es Unterstützung. „Das gemeinsame Musizieren steht im Vordergrund“, sagt sie.

Die Junge Staatsphilharmonie Nürnberg im Video

Etwa sechs Wochenendproben mit dem ganzen Orchester und in den Stimmgruppen stehen während einer Spielzeit an. Dazu kommen die Schlussproben vor dem großen Auftritt im Opernhaus. Außerdem lernen die Jugendlichen das Staatstheater bei Führungen kennen und besuchen Konzerte im Haus. Über 40 Musikerinnen und Musiker der Staatsphilharmonie bringen sich in die Nachwuchsförderung als Orchesterpatinnen und -paten ein. Sie sind schon beim Vorspiel dabei, um abzuschätzen, ob ein Nachwuchstalent vielleicht noch überfordert ist mit dem geplanten Programm. Und sie leiten wie Klarinettist Felix Löffler die Stimmgruppenproben. Löffler ist an diesem Samstagvormittag zufrieden mit seinen vier Schützlingen. „Schaut euch das zuhause noch einmal an“, sagt er und entlässt sie in die Mittagspause.

Foto: Musiker bei der Probe mit Dirigent., Bild © Stadt Nürnberg / Christine Dierenbach
Die Junge Staatsphilharmonie Nürnberg bei der Probe mit Jan Croonenbroeck, Erster Kapellmeister der Staatsphilharmonie Nürnberg.

Eine Stunde später strömen Mädchen in Sommerkleidern oder Tops und Jungen in kurzen Hosen in den Orchestersaal. Stimmengewirr, Gelächter und Wiedersehensfreude machen deutlich, dass sich hier nicht nur gleichgesinnte Musikbegeisterte treffen, sondern Freundschaften entstanden sind. Als Jan Croonenbroeck ans Dirigentenpult tritt und den Taktstock hebt, verstummen die Gespräche. „Wir fangen an mit Florence Price, erster Satz“, ruft der Erste Kapellmeister der Staatsphilharmonie, der in dieser Spielzeit das Jugendorchester leitet. Und dann lässt er die Jugendlichen erst einmal spielen, egal, ob sich gerade ein paar falsche Töne in den Orchesterklang mischen oder manch eine oder einer gerade den Anschluss an die eigene Stimmgruppe verliert.

Für die vier, die schon am Vormittag gemeinsam geprobt haben, hat sich die Mühe gelohnt. „Die Holzbläser klingen schön in Takt zwölf“, sagt der Dirigent anerkennend. „Ihr habt alle gut in euren Stimmgruppen geprobt, aber ich brauche noch mehr Kontakt zu euch!“, motiviert er die Musikerinnen und Musiker. Konzentriert arbeiten Dirigent und Orchester weiter, aus Einzelstimmen entsteht ein großer Klang.

Foto: Nahaufnahme eines Cellokastens mit Aufklebern von verschiedenen Jugend-Musiziert-Wettbewerben., Bild © Stadt Nürnberg / Christine Dierenbach
Der Cellokasten als Beweis: Viele Musikerinnen und Musiker der Jungen Staatsphilharmonie nehmen regelmäßig bei „Jugend musiziert“ teil.

Mehr als ein Hobby

Drei, die musikalisch noch viel vorhaben

Foto: Musiker Filippo Giordano mit Querflöte in einer und Piccoloflöte in der anderen Hand. © Stadt Nürnberg / Christine Dierenbach

Filippo Giordano

Der 21-Jährige spielt seit der Spielzeit 2024/25 Querflöte und Piccoloflöte in der Jungen Staatsphilharmonie. Anders als die meisten Orchestermitglieder studiert Filippo bereits im dritten Jahr an der Hochschule für Musik Nürnberg. Für das Studium lernte er Deutsch und zog aus seiner italienischen Heimatstadt Imperia nach Nürnberg. In der kommenden Spielzeit wartet eine besondere Herausforderung auf den Flötisten: Er wird als Solist mit dem Orchester auftreten.

Finja Töpperwien

Finjas Terminkalender ist gerade richtig voll. Neben den intensiven Probenwochenenden mit der Jungen Staatsphilharmonie, in der sie schon seit fünf Jahren aktiv ist, macht die 18-jährige Klarinettistin Abitur am Christian-Ernst-Gymnasium in Erlangen. Damit die Leidenschaft für die Klarinette mehr als ein Hobby wird, bereitet sie sich auf die Aufnahmeprüfung an verschiedenen Hochschulen vor. Alles machbar, findet sie, man müsse nur ein wenig jonglieren können.

Foto: Finja Töpperwien mit Klarinette in der Hand. © Stadt Nürnberg / Christine Dierenbach
Foto: Damian Mscisz mit Horn in der Hand. © Stadt Nürnberg / Christine Dierenbach

Damian Mscisz

Mit fünf Jahren habe er ein bisschen auf einem geschenkten Waldhorn rumgetrötet, erzählt Damian von seinen musikalischen Anfängen. Seitdem liebt der 15-Jährige das Horn und spielt neben der Jungen Staatsphilharmonie, der er seit drei Jahren angehört, noch im Landes- und bald auch Bundesjugendorchester. Dazu kommt wie bei allen anderen der private Musikunterricht. Aber der Altdorfer Gymnasiast, der zurzeit die 9. Klasse besucht, hat auch noch viel vor. Gerade übt er für die Aufnahmeprüfung für ein Jungstudium an der Musikhochschule in Würzburg.

Konzert der Jungen Staatsphilharmonie

Wer die Junge Staatsphilharmonie live erleben möchte, hat dazu beim Jahreskonzert Gelegenheit. Unter der Leitung von Jan Croonenbroeck präsentieren die jungen Musikerinnen und Musiker im ersten Teil drei Werke aus dem 20. Jahrhundert: den Marche héroïque von Camille Saint-Saëns, sowie „Maskerade“ von Aram Khachaturian. Danach steht das Trompetenkonzert von Alexander Arutiunian auf dem Programm, bei dem Linus Löffler den Part der Solo-Trompete übernimmt.

  • Dienstag, 7. Juli 2026
  • 19 Uhr
  • Opernhaus Nürnberg

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