Die Stadt will Baustellen auf ihren wichtigsten Hauptverkehrsstraßen künftig besser koordinieren und die Belastungen für den Verkehr begrenzen. Das betrifft Straßen, auf denen täglich mehr als 15.000 Fahrzeuge unterwegs sind.
Dafür plant die Stadt notwendige Bauarbeiten nicht mehr einzeln, sondern stimmt sie auf das gesamte Verkehrsnetz ab. Auf dieser Grundlage hat der Stadtrat am 28. Oktober das Bauprogramm 2027 beschlossen. Es umfasst nach aktuellem Planungsstand 28 Baubereiche mit rund 72 Einzelmaßnahmen.
Ziele des Baustellen-Managements
Ziel ist es, notwendige Investitionen in Verkehrsinfrastruktur und Versorgungsleitungen durchzuführen, und gleichzeitig die Auswirkungen auf den Alltag der Menschen und auf die Wirtschaft zu begrenzen. Denn wenn mehrere wichtige Verkehrsachsen und ihre Ausweichrouten beeinträchtigt sind, können selbst gut abgestimmte Einzelbaustellen zusammen zu erheblichen Verzögerungen führen.
So funktioniert das Bauprogramm 2027
Unter Federführung des Servicebetriebs Öffentlicher Raum Nürnberg (Sör) haben die Stadt, die N-Ergie Aktiengesellschaft, die VAG Verkehrs Aktiengesellschaft und die Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg (Sun) ihre Bauvorhaben für 2027 – und gegebenenfalls darüber hinaus – zusammengeführt und neu priorisiert.
Dabei zählt nicht nur, wo gebaut wird. Entscheidend ist auch, wie sich die Arbeiten auf benachbarte Straßen und mögliche Umleitungsstrecken auswirken. Ist eine wichtige Verkehrsverbindung eingeschränkt, sollen andere stark belastete Straßen möglichst von zusätzlichen größeren Baustellen verschont bleiben. Wo es sinnvoll und technisch möglich ist, werden Arbeiten im selben Straßenraum gebündelt oder zeitlich aufeinander abgestimmt.
Davon sollen alle profitieren, die in Nürnberg unterwegs sind: Sie sollen besser durch die Stadt kommen, auf Umleitungsstrecken weniger zusätzliche Belastungen erleben und ihre täglichen Wege verlässlicher planen können. Die Stadt berücksichtigt dabei auch Busse und Straßenbahnen, den Rad- und Fußverkehr sowie den Zugang zu Wohnhäusern, Geschäften, Betrieben und öffentlichen Einrichtungen.
Diese Bauprojekte sind betroffen:
- Umgestaltung des Plärrers
- Sanierung der Brücke Wettersteinstraße
- Frankenschnellweg: Abschnitt West des kreuzungsfreien Ausbaus
- Ersatzneubau der Hafenbrücken (mehrjährig)
- Arbeiten in der Allersberger Straße (mehrjährig)
- Arbeiten in der Minervastraße (mehrjährig)
- Arbeiten in der Dianastraße (mehrjährig)
Bauprogramm berücksichtigt städtische Projekte
Zum Bauprogramm gehören nicht nur große Projekte. Auch kleinere Arbeiten können den Verkehr erheblich beeinträchtigen, etwa wenn Versorgungsleitungen Straßen queren oder Straßen instand gesetzt werden.
Das Bauprogramm zeigt den aktuellen Planungsstand. Die konkreten Bauzeiten, Verkehrsführungen und Umleitungen werden für die einzelnen Maßnahmen weiter ausgearbeitet. Das Programm beinhaltet dabei lediglich die städtischen Projekte; insbesondere Maßnahmen privater Bauherren oder Arbeiten an den Telekommunikationsnetzen konnten mangels verfügbarer Daten und Informationen nicht berücksichtigt werden.
Rund 64 weitere Maßnahmen, die für 2027 angemeldet wurden, können wegen der Priorisierung in diesem Jahr nicht umgesetzt werden. Sie sind damit nicht gestrichen. Die Stadt muss sie für die Folgejahre neu bewerten – nach Dringlichkeit, Auswirkungen auf den Verkehr und Finanzierbarkeit.
Akute Schäden, Havarien und unaufschiebbare Arbeiten zur Gefahrenabwehr bleiben jederzeit möglich. In solchen Fällen kann es nötig sein, andere Bauabläufe kurzfristig anzupassen.
Baustellen in weniger befahrenen Hauptverkehrsstraßen
Bei der Koordinierung bleiben zunächst alle übrigen Baustellen außen vor: auf Hauptverkehrsstraßen mit weniger als 15.000 Fahrzeugen täglich und im gesamten Nebenstraßennetz. Allein 2026 gab es dort rund 8.000 Baustellen.
Für 2027 prüft die Stadt diese Vorhaben einzeln. Sie müssen sich den Bauarbeiten auf den stärker belasteten Hauptverkehrsstraßen mit mehr als 15.000 Fahrzeugen täglich unterordnen.
Außerhalb der festgelegten Baubereiche können die Maßnahmen bewilligt und umgesetzt werden, wenn eine verkehrliche Verträglichkeit besteht. Vor allem dürfen die Umleitungen und veränderten Verkehrsströme einander nicht blockieren.
Bauprogramme ab 2028
Ab 2028 will die Stadt Bauarbeiten noch früher und verbindlicher koordinieren. Seit dem 1. Oktober 2026 gilt der weiterentwickelte Abstimmungsprozess für Sör, N-Ergie, VAG und Sun verbindlich.
Die Beteiligten sollen geplante Bauarbeiten mit mehr Vorlauf gemeinsam bewerten. So lassen sich Konflikte zwischen Hauptverkehrsachsen und Ausweichrouten möglichst bereits in der Planungsphase erkennen.
Digitales Simulationsmodul für Baustellen
Zusätzlich testet Sör drei Jahre lang ein digitales Simulationsmodul für Baustellen. Es soll helfen, die Folgen einzelner Bauarbeiten für den innerstädtischen Verkehr besser einzuschätzen. Denn je mehr Baustellen gleichzeitig geplant werden müssen, desto schwieriger wird es, ihre Auswirkungen auf den Verkehr zuverlässig zu beurteilen.
Die Simulation ist daher als zusätzliches Hilfsmittel der fachlichen Prüfung zu verstehen, um am Ende fundierte und verhältnismäßige Entscheidungen über Bauabläufe und Verkehrsführungen treffen zu können.
Langfristig soll die neue Baustellenkoordination dafür sorgen, dass Nürnberg seine Infrastruktur erneuern kann, ohne die Mobilität unnötig einzuschränken. Ziel ist es, vermeidbare Überschneidungen von Baustellen zu verhindern und die Belastungen für alle, die in der Stadt unterwegs sind, so gering wie möglich zu halten.
