Text und Video: Kathrin Brunner / 29.07.2026
Rocky ist sein großes Vorbild
Die Fäuste dicht vor dem Gesicht, kurze Schritte über den Hallenboden. Omid Ahmadisafa schlägt Kombinationen in die Luft, weicht imaginären Angriffen aus. Man merkt sofort: Dieser Mann lebt seinen Sport. Der ehemalige Kickbox-Champion kämpfte sich bis zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris – und denkt noch lange nicht ans Aufhören.
„Ich boxe seit 18 Jahren“, sagt der 33-Jährige. Geboren im Iran, lebt er heute in Nürnberg und in Berlin. Schon früh hat ihn der Kampfsport geprägt. Erst als Kickboxer – erfolgreich, mit internationalen Titeln. „Ich war eine Legende im Kickboxen“, sagt er. Die Erfolge sprechen für sich: 20 Siege in 22 Kämpfen stehen in seiner Statistik, die meisten vorzeitig durch K.o. Er entscheidet sich jedoch bewusst für das Boxen. Es ist schneller, direkter, kompromissloser, wie er findet.
„Boxen ist ehrlich“, sagt Omid Ahmadisafa. Im Ring zählen für ihn nur die Fähigkeiten seines Gegners und seine eigenen. Seine Inspiration zum Kampfsport kommt aus dem Kino. „Ich liebe die Rocky-Filme. Als ich ein Kind war, habe ich sie gesehen und gesagt, ich will auch so sein.“ Wer Omid Ahmadisafa zuhört, merkt schnell, dass ihn bis heute genau die Werte faszinieren, die Rocky verkörpert: Disziplin, Wille und die Fähigkeit, nach Niederlagen wieder aufzustehen.
Dabei verliert er nie seinen Humor. Bei der Frage, ob er für immer Boxer bleiben wird, lacht er: „Warum boxen? Wenn ich Geld habe, gehe ich zum Ping-Pong oder Volleyball.“ Dann wird er wieder ernst: „Kein reicher Mann wird Boxer. Warum sich schlagen lassen?“ Eine kurze Pause, dann ein Schulterzucken: „Menschen können tief fallen – und dann kommen sie hoch.“
Diesen Weg ist er selbst gegangen. Als er 2021 nach Deutschland gekommen ist, hatte er kaum etwas. „Ich hatte keine Papiere, nur einen Boxpass.“ Ob er überhaupt kämpfen darf, ist lange unklar. Dann, eine Woche vor den Deutschen Meisterschaften, der Anruf: Er ist dabei. Sofort beginnt er mit der Vorbereitung. Er läuft, trainiert und versucht, rechtzeitig das Gewicht für seine Klasse zu erreichen. Dann steigt er in den Ring – und gewinnt.
Schnelle Fäuste und große Ziele: Omid Ahmadisafa lebt für den Boxsport.
Deutscher Meister in seiner Gewichtsklasse
Heute boxt Omid Ahmadisafa auf hohem Niveau, wurde Deutscher Meister in seiner Gewichtsklasse und startet international als Profi. Ein Höhepunkt waren die Olympischen Spiele 2024 in Paris, für das Refugee Team. Ein Traum, den er sich erfüllt hat, auch wenn er früh ausgeschieden ist.
So sehr sich vieles um ihn dreht, Omid Ahmadisafa spricht immer wieder über andere. Über die, die es nicht geschafft haben. „Ich kenne so viele Menschen, deren Karriere zu Ende gegangen ist“, sagt er. Geflüchtete Sportler, die in Deutschland keine Chance bekommen. Die irgendwo unterkommen, fern von Trainingsmöglichkeiten, fern von Perspektiven. Für ihn ist klar: Sein Weg hätte genauso enden können.
Dass es anders kam, ist für ihn kein Zufall, sondern Unterstützung. „Die Sportstadt Nürnberg bedeutet mir sehr viel“, sagt er. Dann zählt er auf: die Stadt, der SportService, Menschen wie Andrea Ackermann von Sport integrativ – Nürnberg. Er stockt, kämpft kurz mit den Emotionen. „Jetzt habe ich hier eine zweite Familie.“
Sein Körper erzählt seine Boxgeschichte. Auf seinen Armen sind Tattoos: Paris 2024. Und die Weltmeisterschaft. Daneben ist noch Platz für das nächste Ziel: Los Angeles 2028. Ob weitere Tattoos dazukommen, weiß Omid Ahmadisafa nicht.
In der Serie der Spitzenathleten bereits erschienen:
Parakletterer Kevin Bartke: Was ihn antreibt und warum Klettern für ihn das Größte ist.
Ruderin aus Leidenschaft: Mia Tetiwa trainiert im Main-Donau-Kanal in Katzwang.



