Nuernberg, 26. September 2008: Kettensteg

Servicebetrieb Öffentlicher Raum

Staudenbeete mit Kies-Mulch: Warum der Kies dazugehört

Wer ein frisch angelegtes Staudenbeet sieht, entdeckt zwischen den jungen Pflanzen zunächst oft viel Kies. Das kann auf den ersten Blick irritieren. Handelt es sich um einen Schottergarten? Nein. Der Kies erfüllt hier eine ganz andere Aufgabe: Er ist eine Mulchschicht, die den Pflanzen und dem Boden hilft.

Staudenbeete rund um den U-Bahnhof Gostenhof an der Fürther Straße, Bild © André Winkel / Stadt Nürnberg

Stauden bringen Farbe ins Stadtbild

SÖR setzt an vielen Stellen im Stadtgebiet auf abwechslungsreiche Staudenpflanzungen. Sie bringen über einen langen Zeitraum Farbe ins Stadtbild. Viele der verwendeten Pflanzen bieten mit ihren Blüten außerdem Nahrung für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten. Im Winter ziehen zahlreiche Stauden ein: Das sichtbare Blattwerk verschwindet weitgehend, während die Pflanzen im Boden überdauern und im Frühjahr wieder austreiben.

Warum wird Kies verwendet?

Gerade bei einer neu angelegten Staudenfläche sind zwischen den jungen Pflanzen zunächst größere freie Bereiche vorhanden. Eine mineralische Mulchschicht aus Kies schützt dort den offenen Boden. Sie erschwert das Aufkommen unerwünschter Beikräuter, vermindert die Verdunstung und schützt die Bodenoberfläche vor starken Temperaturschwankungen, Verschlämmung und Erosion. Gleichzeitig bleibt der Boden wasserdurchlässig. Das ist besonders bei kräftigen Niederschlägen von Vorteil.

Staudenbeete rund um den U-Bahnhof Gostenhof an der Fürther Straße, Bild © André Winkel / Stadt Nürnberg

Schützende Mulchschicht

Warum verwendet die Stadt Nürnberg Kies bei neu angelegten Beeten? Max, Auszubildender beim Servicebetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg (SÖR), erklärt es.

Kein Schottergarten

Entscheidend ist der Unterschied: Bei einem klassischen Schottergarten bestimmen Steine oder Schotter die Fläche, Pflanzen spielen – wenn überhaupt – nur eine untergeordnete Rolle. Bei einem Staudenbeet mit Kies-Mulch ist es umgekehrt. Die Pflanzen stehen im Mittelpunkt. Der Kies dient ihnen als schützende Mulchschicht. Die Fläche soll sich zu einem dicht bewachsenen, blühenden Beet entwickeln.

Staudenbeete rund um den U-Bahnhof Gostenhof an der Fürther Straße, Bild © André Winkel / Stadt Nürnberg
Staudenbeete rund um den U-Bahnhof Gostenhof an der Fürther Straße, Bild © André Winkel / Stadt Nürnberg

Ohne Pflege geht es nicht

Ein Kies-Staudenbeet braucht trotzdem Pflege. Unerwünschter Aufwuchs muss entfernt, die Entwicklung der Pflanzen beobachtet und je nach Standort gewässert oder zurückgeschnitten werden. Die mineralische Mulchschicht reduziert diesen Aufwand und trägt dazu bei, dass die Pflanzung dauerhaft erhalten werden kann. Auch Fachstellen wie die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, empfehlen mineralischen Mulch insbesondere für trockenheitsverträgliche Staudenpflanzungen an sonnigen Standorten.

Lorenzer Platz, Bild © André Winkel / Stadt Nürnberg
Der östliche Lorenzer Platz: bereits nach einem halben Jahr ist vom Kiesmulch kaum etwas zusehen.

Gut für Boden und Stadtbäume

Mulch schützt nicht nur die Stauden. Eine bedeckte Bodenoberfläche verschlämmt bei kräftigem Regen weniger schnell und bleibt besser aufnahmefähig. Regenwasser kann dadurch leichter in den Boden gelangen, statt oberflächlich abzufließen. Besonders in Verbindung mit großzügigen Baumquartieren und entsiegelten Flächen ist dies ein wichtiger Baustein einer klimaangepassten Stadtgestaltung.

Stauden, Bäume und wasserdurchlässige Böden gehören dabei zusammen: Sie sorgen für mehr Grün, bieten Lebensräume und helfen dabei, unsere Stadt besser auf Hitze und zunehmende Wetterextreme vorzubereiten.

Vom „Schottergarten“ zum Blütenmeer

Ein gutes Beispiel für die Entwicklung von Staudenflächen mit Kies-Mulch sind die Beete an den U-Bahnhöfen Gostenhof und Bärenschanze an der Fürther Straße. Sie wurden 2019 angelegt. Im ersten Jahr war zwischen den jungen Pflanzen noch viel Kies sichtbar – und entsprechend groß war die Kritik. Immer wieder war von „Schottergärten“ die Rede.

Schon ein Jahr später hatte sich das Bild deutlich verändert: Die Stauden waren kräftig gewachsen, hatten große Teile der Flächen geschlossen und sorgten mit ihrer Blütenpracht für ein völlig anderes Erscheinungsbild. Vom Kies war vielerorts kaum noch etwas zu sehen.

Staudenbeete rund um den U-Bahnhof Gostenhof an der Fürther Straße, Bild © André Winkel / Stadt Nürnberg
Die Flächen zeigen sehr anschaulich, warum bei neu angelegten Staudenbeeten etwas Geduld gefragt ist: Der Kies ist kein Ersatz für Pflanzen, sondern unterstützt sie in der Anwuchsphase. Mit der Zeit übernehmen die Stauden selbst die Fläche.
Staudenbeete rund um den U-Bahnhof Gostenhof an der Fürther Straße, Bild © André Winkel / Stadt Nürnberg
2019 noch deutlich vom Kies geprägt, bereits 2020 üppig bewachsen: Die Staudenflächen an den U-Bahnhöfen Gostenhof und Bärenschanze zeigen, wie schnell sich das Bild einer Neupflanzung verändern kann.