Wer ein frisch angelegtes Staudenbeet sieht, entdeckt zwischen den jungen Pflanzen zunächst oft viel Kies. Das kann auf den ersten Blick irritieren. Handelt es sich um einen Schottergarten? Nein. Der Kies erfüllt hier eine ganz andere Aufgabe: Er ist eine Mulchschicht, die den Pflanzen und dem Boden hilft.

Stauden bringen Farbe ins Stadtbild
SÖR setzt an vielen Stellen im Stadtgebiet auf abwechslungsreiche Staudenpflanzungen. Sie bringen über einen langen Zeitraum Farbe ins Stadtbild. Viele der verwendeten Pflanzen bieten mit ihren Blüten außerdem Nahrung für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten. Im Winter ziehen zahlreiche Stauden ein: Das sichtbare Blattwerk verschwindet weitgehend, während die Pflanzen im Boden überdauern und im Frühjahr wieder austreiben.
Warum wird Kies verwendet?
Gerade bei einer neu angelegten Staudenfläche sind zwischen den jungen Pflanzen zunächst größere freie Bereiche vorhanden. Eine mineralische Mulchschicht aus Kies schützt dort den offenen Boden. Sie erschwert das Aufkommen unerwünschter Beikräuter, vermindert die Verdunstung und schützt die Bodenoberfläche vor starken Temperaturschwankungen, Verschlämmung und Erosion. Gleichzeitig bleibt der Boden wasserdurchlässig. Das ist besonders bei kräftigen Niederschlägen von Vorteil.

Schützende Mulchschicht
Warum verwendet die Stadt Nürnberg Kies bei neu angelegten Beeten? Max, Auszubildender beim Servicebetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg (SÖR), erklärt es.
Kein Schottergarten
Entscheidend ist der Unterschied: Bei einem klassischen Schottergarten bestimmen Steine oder Schotter die Fläche, Pflanzen spielen – wenn überhaupt – nur eine untergeordnete Rolle. Bei einem Staudenbeet mit Kies-Mulch ist es umgekehrt. Die Pflanzen stehen im Mittelpunkt. Der Kies dient ihnen als schützende Mulchschicht. Die Fläche soll sich zu einem dicht bewachsenen, blühenden Beet entwickeln.


Ohne Pflege geht es nicht
Ein Kies-Staudenbeet braucht trotzdem Pflege. Unerwünschter Aufwuchs muss entfernt, die Entwicklung der Pflanzen beobachtet und je nach Standort gewässert oder zurückgeschnitten werden. Die mineralische Mulchschicht reduziert diesen Aufwand und trägt dazu bei, dass die Pflanzung dauerhaft erhalten werden kann. Auch Fachstellen wie die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, empfehlen mineralischen Mulch insbesondere für trockenheitsverträgliche Staudenpflanzungen an sonnigen Standorten.

Gut für Boden und Stadtbäume
Mulch schützt nicht nur die Stauden. Eine bedeckte Bodenoberfläche verschlämmt bei kräftigem Regen weniger schnell und bleibt besser aufnahmefähig. Regenwasser kann dadurch leichter in den Boden gelangen, statt oberflächlich abzufließen. Besonders in Verbindung mit großzügigen Baumquartieren und entsiegelten Flächen ist dies ein wichtiger Baustein einer klimaangepassten Stadtgestaltung.
Stauden, Bäume und wasserdurchlässige Böden gehören dabei zusammen: Sie sorgen für mehr Grün, bieten Lebensräume und helfen dabei, unsere Stadt besser auf Hitze und zunehmende Wetterextreme vorzubereiten.
Vom „Schottergarten“ zum Blütenmeer
Ein gutes Beispiel für die Entwicklung von Staudenflächen mit Kies-Mulch sind die Beete an den U-Bahnhöfen Gostenhof und Bärenschanze an der Fürther Straße. Sie wurden 2019 angelegt. Im ersten Jahr war zwischen den jungen Pflanzen noch viel Kies sichtbar – und entsprechend groß war die Kritik. Immer wieder war von „Schottergärten“ die Rede.
Schon ein Jahr später hatte sich das Bild deutlich verändert: Die Stauden waren kräftig gewachsen, hatten große Teile der Flächen geschlossen und sorgten mit ihrer Blütenpracht für ein völlig anderes Erscheinungsbild. Vom Kies war vielerorts kaum noch etwas zu sehen.




