Colorful paper chain people on white background

Städtische und Staatliche Wirtschaftsschule Nürnberg (B12)

Wenn der Duft von Vanille die Generationen verbindet

Es ist einer dieser frühen Wintertage, an denen die Luft nach leisen Versprechen von Weihnachten riecht. Als die Schülerinnen und Schüler aus der Klasse V6A der Städtischen und Staatlichen Wirtschaftsschule Nürnberg an diesem Morgen das Sebastiansspital betreten, ist die Vorfreude wieder groß!



Zum zweiten Mal schon treffen hier Jugendliche und Seniorinnen und Senioren aufeinander, um gemeinsam Teig zu kneten, Sterne auszustechen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Ein Kooperationsprojekt, das längst mehr ist als ein Programmpunkt im Jahreskalender: Es ist ein Brückenschlag zwischen Lebenswelten. Eine liebevolle, lebendige Tradition.

Im großen Aufenthaltsraum steht ein langer Tisch, übersät mit Mehl, Nudelholz, Teig und Förmchen. Daneben Hände – jung und alt, zart und faltig, doch im selben Rhythmus arbeitend. Ein Mädchen zeigt einer Bewohnerin, wie man einen Teigstern vorsichtig vom Tisch hebt, ohne dass er reißt. Die Seniorin lacht: „Ach, früher konnte ich das blind!“ Und sie nimmt die Hand des Mädchens, als wolle sie ihr ein kleines Stück Erfahrung mitgeben. Das Mädchen strahlt. Dieser Generationenfunken – er springt überall über.



„Es ist dieses Miteinander, das so wertvoll ist“, sagt Klassenleiterin Frau Hühnlein, die zusammen mit ihrem Kollegen Philipp Wolf das Projekt begleitet. Beide sehen die Szene mit einem Ausdruck, in dem sich Stolz und tiefe Zufriedenheit mischen. „Für unsere Schülerinnen und Schüler ist das Lernen durch Engagement. Und für die Bewohnerinnen und Bewohner echtes, herzliches Erleben. Man merkt, wie gut es beiden Seiten tut.“



Auch Schulleiter Nils Marko ist sichtlich bewegt: „Diese Kooperation ist ein jährlicher Höhepunkt unserer Schule. Hier wird nicht nur Teig verarbeitet, hier entsteht Menschlichkeit.“ Neben ihm nickt Michael Rox, der Leiter des Pflegezentrums. „Unsere Bewohnerinnen und Bewohner blühen richtig auf. Diese Begegnungen sind für viele ein Lichtblick – ein Gefühl von Dazugehörigkeit.“



Dass dieser Vormittag so gelingt, ist nicht zuletzt der engagierten Belegschaft des Sebastiansspitals zu verdanken. Mit Geduld, Herz und Humor begleiten sie Alt und Jung beim Backen, Servieren und Staunen.



Ein besonderer Glanz durchzieht den Raum, als die Ehrengäste eintreffen: Cornelia Trinkl, Referentin für Schule und Sport der Stadt Nürnberg, sowie Ulrike Horneber, Leiterin des Amtes für Berufliche Schulen. Ohne zu zögern krempeln beide die Ärmel hoch und rollen Teig aus, lachen mit den Jugendlichen, hören den Seniorinnen und Senioren zu. Die Szene wirkt beinahe symbolisch: Bildung, Pflege, Jugend und Alter im Dialog, Schulter an Schulter an einem Backbrett vereint.



Zwischen Plätzchenduft und Lichterglanz entstehen Geschichten – kleine, persönliche, kostbare Geschichten. Ein alter Herr erzählt einem Schüler von seinen Weihnachten in den 50er-Jahren. Ein Junge berichtet von seinem ersten selbstgemachten Plätzchenteig. Und manchmal wird einfach nur geschwiegen, gemeinsam, zufrieden. Man sieht es in den Augen: dem Funkeln der Kinder – und dem der älteren Menschen, das vielleicht noch ein wenig heller leuchtet.



Als die ersten Bleche golden gebräunt aus dem Ofen kommen, erfüllt ein murmelndes Raunen den Raum. Die Plätzchen werden probiert, verschenkt, bestaunt. Es ist ein Moment, der nachklingt.



„Wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Mal“, sagt Frau Hühnlein beim Abschied. Und während die Schülerinnen und Schüler winkend den Raum verlassen, bleiben ihre Spuren zurück – nicht nur jene aus Mehlstaub auf den Tischen, sondern vor allem Spuren im Herzen.



Ein Projekt, das zeigt: Lernen kann über den Schulalltag hinauswachsen.

Und manchmal braucht es dafür nur ein Nudelholz, etwas Zimt –

und den Mut, aufeinander zuzugehen.

Theresa Hühnlein und Phillip Wolf