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Theaterwoche - Die Spielverderber oder das Ende der Narren

Ein großer Festsaal im magischen Schloss des Johannes Philadelphia, das irgendwo fernab von menschlichen Behausungen steht. Der Festsaal besteht aus einem Labyrinth von Nischen, Balkonen, Galerien, Wendel und Freitreppen. An allen Seiten befinden sich Türen und Durchblicke auf weitverzweigte Gänge und immer fernere Räume. Durch hohe Fenster aus buntem Glas flutet Sonnenlicht herein und taucht den Saal in farbigen Glanz. Schwärme von Paradiesvögeln fliegen umher und erfüllen den Palast mit melodischen Rufen. Johannes Philadelphia, der geheimnisvolle Besitzer des Schlosses, ist gestorben. Zur Eröffnung seines Testaments versammeln sich zehn Menschen unterschiedlichster Herkunft in dem Festsaal. Sie kennen weder den Verstorbenen noch sich untereinander. Nachdem alle vollzählig sind, händigt der Notar jedem von ihnen einen verschlossenen Umschlag aus, in dem sich nur ein Papierfetzchen befindet. Das einfache Spiel aber, das sich Johannes Philadelphia vor seinem Tod ausgedacht hat, wird zu einem Spiel mit dem Feuer, bis sogar das Schloss selbst seine Fassung verliert...

Die Spielverderber oder Das Erbe der Narren handelt von dem ältesten Übel menschlichen Zusammenwirkens überhaupt, nämlich von einer Solidarität, die nicht zustande kommt. Mit seiner Comedia Infernale ist Michael Ende eine drastische Parabel, ein derbes Vexierspiel bitteren Humors über eine verheerende Grundbefindlichkeit menschlichen Zusammenlebens gelungen: die offenbar unüberwindliche Schwierigkeit bei der Einsicht in die Gemeinsamkeit von Interessen, wie wir sie aus dem Alltag, aber vor allem auch aus der großen Politik der Vergangenheit und Gegenwart kennen und die ständig unsere Welt, unseren natürlichen Lebensraum zu zerstören droht.

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