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Städtische und Staatliche Wirtschaftsschule Nürnberg (B12)


Selbsterlebtes Schicksal in Stärke umwandeln

Sein Schicksal zur Stärke machen, das ist das Lebensmotte des 93-jährigen Ernst Grube, der als Zeitzeuge des Holocaust am Freitag, 24.04., in der Mensa seine Lebensgeschichte erzählte.

Als so genannter Halbjude musste er sich beim Spielen und auf Spaziergängen Beschimpfungen anhören und anspucken lassen. Ausgrenzung und Demütigung gepaart mit einem Gefühl der Hilflosigkeit haben seine Kindheit und Jugend begleitet. Er litt unter dem Schulbesuchsverbot ebenso wie unter dem Verbot, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen oder öffentliche Plätze wie Parks, Kinos oder Schwimmbäder zu besuchen.

Die elterliche Wohnung wurde seiner Familie gekündigt, Ernst Grube und seine Geschwister mussten daraufhin zunächst in einem jüdischen Kinderheim untergebracht werden. Später brachte man sie in verschiedene Sammellager und Ghettos rund um seine Heimatstadt München, bevor sie schließlich ins Ghetto Theresienstadt im heutigen Tschechien gebracht wurden.

Es erscheint den zuhörenden Schülern der 9. und Z10. Klassen fast wie ein Wunder, dass Ernst Grube zusammen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern die Befreiung des Lagers am 8. Mai 1945 erleben durfte. Seine Erinnerung daran lautete: Ich bin auf so einen offenen Wagen der Rot-Armisten zugegangen und habe den Offizier umarmt.“

In der anschließenden Fragerunde kam das Thema auch auf die aktuelle Situation im Nahen Osten. Ernst Grube betonte, dass Krieg allgemein das Schlimmste ist, was es in der Welt gibt. Es brauche Verhandlungen und Diplomatie, egal wie schwierig die Auseinandersetzung ist und wie lange alles dauert. Aber der Krieg sei keine Lösung. Ferner machte er auf Nachfrage einer Schülerin deutlich, dass ihm die aktuelle politische Entwicklung in Deutschland vor allem dahingehend Sorge bereite, dass der Stimmanteil der Jugendlichen für die AfD so hoch sei.

Frau Mair, Bildungsbeauftrage des ISFBB, die das Holocaust-Zeitzeugengespräch ermöglicht hatte und die Veranstaltung moderierte, ergänzte an dieser Stelle, dass die Demokratie da zu enden beginnt, wo die Meinungsfreiheit nicht gesichert ist.